Mehr Diversifizierung und die Erschließung neuer, alternativer Anlagemöglichkeiten sind angesagt. Foto: stevanovicigor Quelle: iStock

Normalisierung unter neuen Vorzeichen

Autor: Markus Neubauer

Renten sind wieder beliebter, auch wenn das Zinsniveau, zumindest in Europa, bisher niedrig bleibt. Von einer Rückkehr der Märkte zu alten Zeiten kann aber nicht die Rede sein. Das zeigt auch die Universal-Investment-Anlegerstatistik, die bereits seit sieben Jahren mit einer Analyse der Anlegerdaten auf ihrer Plattform regelmäßig Einsichten in die Strategien professioneller Investoren ermöglicht.

Markus Neubauer, Geschäftsführer Universal-Investment Foto: Manjit Jari Quelle: Universal-Investment

So ausgetrocknet sind die Zinsmärkte nach der langen Dürreperiode, dass schon die Ankündigung einer Wende in der europäischen Fiskalpolitik reicht, um Investoren wieder mehr für Rentenpapiere zu interessieren. Es könnten aber auch die wachsenden geopolitischen Risiken dafür verantwortlich sein, dass verstärkt als sicher geltende Häfen angesteuert werden. Aber auch wenn Anleihen in den Anlagen wieder eine größere Rolle spielen, so sehen die Portfolien der Spezialfonds heute grundsätzlich anders aus als früher: Mehr Diversifizierung und die Erschließung neuer, alternativer Anlagemöglichkeiten sind angesagt.

Anleihen stärker gefragt – Aktien auf hohem Niveau rückläufig

Der Metatrend der letzten sechs Jahre, bei dem der Rentenanteil kontinuierlich von 56 auf 42 Prozent sank und der Aktienanteil von fast 23 auf über 32 Prozent anstieg, scheint damit erst einmal gestoppt.

Nachdem die Entwicklung der festverzinslichen Anteile bei den analysierten Anlagen seit Jahren sukzessive nach unten ging, bewegt sich die Kurve nun vorsichtig wieder nach oben. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob sie sich jemals wieder einem Wert über 50 Prozent nähern wird, wie er bis Ende 2015 noch zu beobachten war.

Auf der anderen Seite bleiben Aktien weiter beliebt, aber ihr Anteil steigt nicht mehr. Das lässt vermuten, dass Anleger mit um die 30 Prozent ein Level erreicht haben, über das sie im aktuellen Umfeld nicht hinausgehen wollen oder aufgrund der Regulierungsvorschriften nicht hinausgehen können. Da nehmen sie eher Immobilien oder andere Sachwerte mit in ihre Portfolien und sorgen so auch für unsichere Zeiten für eine ausgewogenere Risikostruktur.

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Anleihen stärker gefragt, Aktien auf hohem Niveau leicht rückläufig Quelle: Universal-Investment

Ein Blick auf die einzelnen Anlegergruppen zeigt interessante Unterschiede bei den Entwicklungen der Relationen von Renten zu Aktien über einen Zeitraum von Anfang des Jahres 2012 bis Mitte 2018.

Mit aktuell 135 Milliarden stellen Pensionskassen und Versorgungseinrichtungen beinahe die Hälfte des Gesamtvermögens. Per 30. Juni 2018 ist hier das Verhältnis von festverzinslichen Papieren zu Aktien fast eins zu eins. Im Juni 2012 war noch doppelt so viel Vermögen in Renten angelegt wie in Aktien. Versicherungen, die mit zehn Prozent die drittgrößte Anlegergruppe stellen, reduzierten seit dem Jahr 2012 das Verhältnis ihrer festverzinslichen Investments zu Aktien sogar von vier zu eins auf heute etwa eins zu eins. Die Portfolien von Unternehmen, der zweitgrößten Anlegergruppe, zeigen eine andere Strategie: Das ungefähre Verhältnis von 50 Prozent Anleihen zu 30 Prozent Aktien ist hier über die Jahre beinahe gleichgeblieben.

Der Aufwärtstrend bei Renten lässt sich besonders am Anteil von Bundesanleihen in Spezialfonds deutlich ablesen: Waren das im Sommer letzten Jahres nur etwas mehr als zwei Prozent, so wurden Ende Juni 2018 bereits 3,3 Prozent gemessen. Und das, obwohl die Renditen in diesem Segment immer noch nicht steigen und Anleger mit keinen oder sogar negativen Zinsen leben müssen. Bei US-Staatspapieren hingegen ist selbst nach der zweiten Zinserhöhung der Fed und Aussichten auf weitere, wenig Bewegung nach oben zu erkennen. Mit aktuell etwas über einem Prozent ist der Wert über die letzten zwei Jahre eher noch zurückgegangen. Diese Anlageklasse scheint von den Profis eher als Beimischung genutzt zu werden. Die Anteile von Staatsanleihen aus Frankreich, Italien, Spanien liegen unter einem Prozent, während Schwellenländer nach wie vor gern mit ins Portfolio genommen werden. Allerdings nicht mehr so häufig wie noch vor ein oder zwei Jahren. Seit dem höchsten Punkt von fast zwei Prozent im Oktober 2016 ging ihr Anteil auf 1,4 Prozent zurück.

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Bundesanleihen wieder beliebter Quelle: Universal-Investment

Mit Vielfalt gegen den Stillstand

Etwas mehr Renten, etwas weniger Aktien im Portfolio. Bei niedrigsten Zinsen, volatilen Märkten und wachsendenden regulatorischen Anforderungen an Finanzinstitute und Finanzinstrumente reicht das nicht, um gesetzte Anlageziele zu erreichen und Renditezusagen zu erfüllen. Die Herausforderung ist besonders für regulierte Investoren wie Versorgungswerke, Pensionskassen und Versicherungen enorm. Denn sie brauchen Anlagen mit einem langfristig planbaren Zeithorizont, stabilen Cashflows und moderatem Risiko, die zu ihren ebenfalls langfristigen Verbindlichkeiten passen.

Immer häufiger entscheiden sich daher neben Vermögensanlagegesellschaften auch Unternehmen und Asset-Manager für Alternative Assets, auch Sachwertanlagen genannt. Das Investment zum Beispiel in erneuerbare Energien wie Windräder oder Infrastruktur wie Brücken und Krankenhäuser ist langfristig ausgelegt und kann auf drei verschiedene Arten erfolgen: Als Unternehmensbeteiligung durch Aktien oder Private Equity, zweitens durch Kreditvergabe (Debt) oder drittens durch eine Anleihe in Form einer Schuldverschreibung oder projektbezogene Anleihen. Auch die Verbriefung durch Emission eines Wertpapiers kann sinnvoll sein. Die Datenanalyse zeigt einen drastischen Anstieg der Alternative Investments von nahe 3 Milliarden Euro im Dezember 2010 bis hin zu fast 31 Milliarden Euro im Juni 2018. Dabei entfallen aktuell je ein knappes Drittel auf Debt-Strukturen und Verbriefungen. Den größten Anteil haben mit 42 Prozent Equity-Strukturen.

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Alternative Investments weiter im Aufwind Quelle: Universal-Investment

Über 17 Milliarden Euro der Vermögen sind zurzeit in Equity-Strukturen angelegt. Das bedeutet seit Dezember 2010 und drei Milliarden eine Steigerung um mehr als das Fünffache. Dabei entfällt der Hauptteil von 42,5 Prozent auf Private Equity, gefolgt von Infrastrukturprojekten mit 27,5 und Alternatives mit 17,5 Prozent. Aber auch Anlagen in Wald (Timber) und Private Equity Real Estate (PERE) erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Bei der breiteren Streuung über so unterschiedliche Anlageklassen behalten Institutionelle die Risikostruktur über das gesamte Investment mit wertsichernden Strategien, wie etwa dem Overlay-Management, den Überblick. Zunehmend lassen sich die Profis dabei digital durch maßgeschneiderte Entwicklungen aus dem Bereich der Robotic Process Automation (RPA) unterstützen. Die langjährige Erfahrung versierter Portfolio-Manager kann dadurch allerdings nur ergänzt, nicht aber ersetzt werden.

Performance wieder über 4 Prozent

Auch zehn Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise und in einem Umfeld magerer Zinserträge konnten Spezialfonds ihre Aufgabe erfüllen und eine solide Performance liefern.

Mit jährlich über vier Prozent seit 2008 haben sie den widrigen Umständen getrotzt und ihre Portfolien sicher durch herausfordernde Zeiten gebracht. Die Zukunft wird zeigen, ob und wie sich ein ansteigendes Zinsniveau auf die Anlagestrategien auswirkt. 

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Institutionelle Anleger erzielen langfristig über 4 % p. a. Quelle: Universal-Investment

Methodik und Relevanz

Die Auswertung erfasst alle Anlagen in Spezialfonds bei Universal-Investment für den Zeitraum von Januar 2012 bis zum 30. Juni 2018 und wird monatlich aktualisiert. Das Gesamtvolumen der analysierten Assets under Administration beträgt derzeit rund 279 Milliarden Euro. Dieses Volumen entspricht 17 Prozent des gesamten vom BVI erfassten Spezialfondsvermögens in Höhe von 1.616 Milliarden Euro per Ende Mai 2018.

Autor: Markus Neubauer
Erscheinungsdatum: 06.09.2018