Im Berenberg Euro Financial Bond Selection konzentriert sich alles auf Bankanleihen. Foto: portishead1 Quelle: iStock

Bankanleihen pur

Autor: Julian Kruse und Timo Lüllau

Mit einer echten Trendwende an den Zinsmärkten ist in den kommenden Monaten nicht zu rechnen. Der Anleihemarkt bietet aber neben Staatspapieren noch Alternativen. Julian Kruse, Fondsmanager des Berenberg Euro Financial Bond Selection (ISIN: DE000A1C0UA9 / DE000A1CZUK6), setzt auf Bankanleihen in Eurowährung, weil über diese der Risikograd eines Unternehmens leichter zu bestimmen ist. Im Gespräch mit ChampionsNews erläutert er die Vorgehensweise.

Julian Kruse, Portfoliomanager Berenberg Foto: Berenberg

ChampionsNews: Herr Kruse, aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfelds ist es auf den ersten Blick momentan herausfordernd, noch erschwingliche Renditen mit Anleihen zu erzielen. Mit welchen Entwicklungen am Zinsmarkt im Euroraum rechnen Sie in den kommenden sechs Monaten? Gibt es eine Chance für eine größere Zinswende?

Kruse: Eine größere Zinswende ist in den kommenden sechs Monaten für den europäischen Zinsmarkt aus makroökonomischer Sicht sehr unwahrscheinlich. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat angedeutet, die Zinsen nicht vor September 2019 zu erhöhen. Wirtschaft und Inflation der Eurozone zeigen solide Entwicklungen und erlauben der EZB, die Neukäufe von Anleihen im Rahmen ihres Ankaufprogrammes auf null zu fahren. Allerdings zeigen die europäischen Länder durchaus unterschiedliche Entwicklungspfade. Auch können äußere Faktoren wie die Einschränkung von Freihandel oder unvorhersehbare Schocks auf die europäische Wirtschaft einwirken. Insgesamt erwarten wir eine seitliche Zinstendenz in den meisten europäischen Ländern. Einzelne Länder, die es genauer zu beobachten gilt, könnten jedoch durchaus höhere Schwankungen bei ihren Zinsen aufweisen.

ChampionsNews: Im Fonds Berenberg Euro Financial Bond Selection (ISIN: DE000A1C0UA9 / DE000A1CZUK6 ), setzen Sie auf in Euro denominierte internationale Bankanleihen. Weshalb sind diese gerade besonders attraktiv als Investment? Welche Kriterien kommen bei der Auswahl der einzelnen Titel im Portfolio zum Tragen? Gibt es weitere Branchen, die Sie bevorzugen?

Kruse: Beim Berenberg Euro Financial Bond Selection konzentrieren wir uns ausschließlich auf Bankanleihen. Im Gegensatz zu reinen Unternehmensanleihen bieten Bankanleihen die Möglichkeit, gezielter den Grad der Risikostufe für ein Investment innerhalb eines Unternehmens auszuwählen. Die unterschiedlichen Senioritätsklassen der Anleihen einer einzelnen Bank weisen folglich auch unterschiedliche Risiko-Ertrags-Profile auf. Diese Eigenschaft eignet sich aus Portfolioperspektive gut für die Diversifikation. Im Rahmen unseres rein quantitativen Investmentprozesses analysieren wir neben dem generellen Marktumfeld jeden einzelnen Emittenten auf fundamentaler Ebene sowie hinsichtlich der technischen Entwicklung der Risikoaufschläge. Bei eigenkapitalähnlichen Anleihen mit besonders hohem Risiko-Ertrags-Potenzial werden zusätzlich vertragliche und Governance-Prüfungen durchgeführt. Banken haben in den vergangenen Jahren ihre Kapitalpolster deutlich aufgestockt und sind insgesamt resistenter gegen Krisen geworden. Gleichzeitig bieten sie Möglichkeiten, trotz des Niedrigzinsumfelds attraktive Couponzahlungen bei verhältnismäßig geringer Duration zu vereinnahmen. Ein klares Plus bei der Erwartung seitlich verlaufender Zinsen.

ChampionsNews: Sie wählen fürs Portfolio ausschließlich Anleihen in Eurowährung aus. Dient das ausschließlich zur Währungsabsicherung? Gibt es zum Euro derzeit keine Alternative?

Ein Fremdwährungsrisiko besteht zu keinem Zeitpunkt im Fonds

Julian Krause

Kruse: Der Fokus des Berenberg Euro Financial Bond Selection liegt klar auf in Euro denominierten Anleihen. Der Fonds kann aber auch in andere Währungen, wie zum Beispiel in US-Dollar denominierte Anleihen, investieren und hat dies in der Vergangenheit auch getan. Allerdings werden diese Engagements unmittelbar durch derivative Sicherungsgeschäfte abgesichert. Ein Fremdwährungsrisiko besteht also zu keiner Zeit in dem Fonds. Darüber hinaus sind die Sicherungskosten aufgrund der steigenden US-Zinsen so hoch, dass US-Dollar-Anleihen derzeit nicht attraktiv für uns sind.

ChampionsNews: Mit Blick auf die Laufzeitenstruktur bevorzugen Sie Anleihen mit mittelfristigen Laufzeiten. Welche Gründe gibt es dafür?

Kruse: Durchschnittlich weisen Bankanleihen eine kürzere Laufzeitenstruktur als reine Unternehmensanleihen aus. Der Großteil der zur Verfügung stehenden Bankanleihen im Euromarkt findet sich in der Laufzeitenstruktur von drei bis fünf beziehungsweise von fünf bis sieben Jahren wieder. Insgesamt orientiert sich die Portfolioduration an der Duration der zugrundeliegenden Benchmark, die zwischen 3,5 und 4,5 Jahren rangiert. Vor diesem Hintergrund bevorzugt der regelgebundene Investmentprozess auch die angesprochenen Laufzeitenbänder. 

Autor: Julian Kruse und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 24.09.2018