Dr. Christian Funke: "Allen Unsicherheiten zum Trotz bieten die Aktienmärkte interessante Investmentmöglichkeiten." Quelle: Source For Alpha

„Wir bevorzugen derzeit defensive Titel im Portfolio“

Autor: Dr. Christian Funke und Timo Lüllau

Die Aktienmärkte durchleben derzeit wieder sehr volatile Zeiten. Viele Investoren fühlen sich dadurch verunsichert. Der zuletzt stark gefallende Ölpreis sorgte für zusätzlichen Druck auf die Finanzmärkte. Über die weitere Entwicklung an den Märkten und seine Schlussfolgerungen für seine Portfolien sprach Universal-Investment mit Dr. Christian Funke, Vorstand von Source For Alpha, auf dem Fonds professionell Kongress.

Universal-Investment: Herr Dr. Funke, der Ifo-Index ist im Januar auf den tiefsten Stand seit Februar 2015 gefallen. Die Stimmung in deutschen Unternehmen hat sich deutlich verschlechtert, der Pessimismus hält wieder Einzug bei den deutschen Unternehmern. Ist diese Verunsicherung ausschließlich am gefallenen Ölpreis festzumachen?

Funke: Dieser extreme Stimmungsumschwung im Ifo-Index ist in der Tat auf den sinkenden Ölpreis und die entstandene Unsicherheit zurückzuführen. Das zeigt sich auch an der Tatsache, dass der Aktienmarkt und der Ölpreis korrelieren. Zuletzt gingen die Aktienkurse zurück, wenn der Ölpreis fiel. Das gleiche Spiel beobachten Sie bei steigenden Aktienmärkten. Auch wenn der Ölpreis seine Tiefs erreicht haben sollte – einige Experten gehen sogar noch von einem Rückgang auf 20 bis 25 US-Dollar je Barrel aus -, rechnen wir nicht mit weiteren Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Die Märkte haben den Preisrückgang jetzt weitgehend eingepreist. Wir können lediglich nicht voraussehen, welche geopolitischen Herausforderungen der Nahostkonflikt noch bringen wird . Die Unsicherheit ist aktuell sehr hoch und beeinflusst die Märkte negativ. Gleichzeitig sollten die deutschen Unternehmer den Sonderfaktor Flüchtlinge nicht übersehen. Sie werden für einen verstärkten Konsum sorgen, wenn es auch ein erzwungener Nachfrageboom durch den Staat darstellt. Laut Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung um Leiter Marcel Fratzscher können wir von einem zusätzlichen Wachstum von 0,3 bis 0,5 Prozent für 2016 durch die Flüchtlingsnachfrage ausgehen.  Allen Unsicherheiten zum Trotz bieten die Aktienmärkte interessante Investmentmöglichkeiten. Es gibt im derzeit anhaltenden Niedrigzinsumfeld keine wirklichen Alternativen zu Aktien. Gewisse Unsicherheiten müssen einfach ausgehalten werden.

Universal-Investment: Die US-amerikanische Notenbank hat die Zinsen zuletzt erstmals moderat angehoben. Müssen wir mit weiteren Zinsanhebungen in den USA rechnen? Wie wird sich das auf Europa auswirken?

Funke: In den USA werden wir im Laufe des Jahres wahrscheinlich noch zwei bis drei weitere moderate Zinsanhebungen erleben und Ende 2016 bei einem kurzfristigen Zins von rund einem Prozent sein. Dadurch fließen wieder mehr Gelder in die USA, wobei wir nicht mehr mit stärkeren Geldabflüssen von Europa in die USA rechnen müssen. Die Gelder, die umgeschichtet werden sollten, sind schon in die USA abgeflossen. Das hat daher für Europa keine weiteren Auswirkungen. Vielmehr geraten die Schwellenländer nun unter Druck. Da viele sich verstärkt im US-Dollar verschuldet haben, bringen steigende Zinsen und die zunehmende Aufwertung des US-Dollar sie in eine immer schwierigere Lage. Gleichzeitig sind sie von den schwachen Rohstoffpreisen betroffen.

Universal-Investment: Wird die Europäische Zentralbank (EZB) parallel dazu den historisch niedrigen Zins weiterhin auf so tiefem Niveau halten und fortwährend günstiges Geld für die Märkte bereitstellen? Wie wirkt sich das auf die langfristigen Zinsen aus? Sind Aktien die einzige Investmentalternative?

Funke: Die EZB wird den kurzfristigen Leitzins für die nächsten drei Jahre noch auf sehr niedrigem Niveau halten, weil alle Reformen innerhalb der Europäischen Union (EU) noch nicht so weit vorangeschritten sind wie erhofft. Deutschland kann nicht alleine der Motor der EU sein. Die Politik des günstigen Geldes und der Anleihekaufprogramme wird daher noch einige Zeit fortgesetzt. Interessant wird jedoch auch die Entwicklung des langfristigen Leitzinses sein. Schaut man auf vergangene QE-Programme in den USA, so sind dort die langfristigen Zinsen in der zweiten Hälfte der Anleihekaufprogramme, als sich die makroökonomische Entwicklung jeweils verbesserte, gestiegen. Sollte sich das in Europa wiederholen, könnten Investoren, die die Laufzeitrisiken bei Anleihen unterschätzen, unter Druck geraten. Wieder ein Argument dafür, dass Aktien mit der richtigen Strategie derzeit die sinnvollste Investmentanlage sind. Jedoch müssen wir  weiterhin sehr volatile Zeiten an den Märkten aushalten.       

Es gibt derzeit keine wirklichen Alternativen zu Aktien.

Dr. Christian Funke ,
Vorstand Source For Alpha

Universal-Investment:  Welche europäischen Titel profitieren nach Ihrer Ansicht derzeit besonders von den aktuellen Entwicklungen und wie spiegelt sich das in Ihrem Portfolio wider? Sind deutsche Aktien aktuell auch ein sinnvolles Investment?

Funke: Wir bevorzugen derzeit defensiv ausgerichtete Titel für unsere Portfolien. Hier stehen besonders exportorientierte Konsumgüter für uns im Fokus, nicht zuletzt auch vom schon angesprochenen Konsum durch die Flüchtlinge in Europa profitieren. Defensive Titel sind auch nicht so abhängig von Schwankungen des Ölpreises und den mit einhergehenden makroökonomischen Unsicherheiten. Daher sind derzeit für uns Titel wie Heineken, Beiersdorf oder Adidas spannend. Deutsche Titel sind nicht zuletzt auch wegen der attraktiven Bewertung interessant, da die KGVs recht günstig im Vergleich zu anderen europäischen Märkten sind.

Universal-Investment: Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung in den südeuropäischen Ländern ein? Gibt es dort Investmentmöglichkeiten?

Funke: Südeuropa sehen wir derzeit mit gemischten Gefühlen. Zuletzt hatte das Anleihekaufprogramm der EZB viel Unsicherheit abgebaut, auch die Liquiditätsprämien sprachen für die Länder und mögliche Investmenttätigkeiten. Mit der Ölpreisproblematik sind die Risikoprämien jedoch wieder angestiegen. Auch sind die Reformbeschlüsse noch nicht in allen südeuropäischen Ländern so vorangeschritten, wie innerhalb der EU verhandelt. Derzeit sind wir etwa mit einem kleinen Anteil in Banken und Versicherer in Italien investiert.   

Autor: Dr. Christian Funke und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 11.02.2016

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