Marion Gridl, Geschäftsführerin Gridl Asset Management, zeigt rückblickend auf, welche Aktien und Anleihen sich zuletzt als gutes Investment erwiesen haben. Quelle: Gridl Asset Management

Cash runter, Investment hoch

Autor: Marion Gridl und Timo Lüllau

Unruhen in Politik und Wirtschaft lasten immer wieder als Unsicherheitsfaktor auf der Börse. Daher stellen sich viele Asset Manager und Fondsberater regelmäßig die Fragen: Wie wird die Börse in den nächsten Monaten laufen? Welche Kriterien eignen sich besonders gut bei der Aktien- und Wertpapierauswahl für das Portfolio? Antworten darauf gibt Marion Gridl, Geschäftsführerin Gridl Asset Management, im Interview mit ChampionsNews. Sie zeigt auch anhand des Mischfonds Gridl Global Macro UI EUR (ISIN DE000A2ATAT4 / DE000A2ATAU2) rückblickend auf, welche Aktien und Anleihen sich zuletzt als gutes Investment erwiesen haben.

ChampionsNews: Frau Gridl, die Aktienmärkte haben zuletzt deutlich korrigiert. Die Unruhe durch einen möglichen Handelsstreit zwischen den USA und China, der bevorstehende Brexit und die Causa Italien sorgen für Verunsicherung. Mit welchen Entwicklungen rechnen Sie in den kommenden sechs Monaten?

Gridl: Für die nächsten Monate sind wir für Aktien positiv gestimmt. Auf den aktuellen Kursniveaus sind all diese Punkte aus unserer Sicht reflektiert. Ferner sehen wir in der aktuellen Berichtssaison, dass eine Reihe von Unternehmen ihre Prognosen für 2019 nach unten revidieren. Auch das haben die Märkte inzwischen eingepreist. Die Wahlen in den USA am 6. November waren für uns schon während des ganzen Jahres ein wichtiges Datum mit Blick auf die Börsen. Verbunden mit der jüngsten Korrektur an den Finanzmärkten sollte dies der Startschuss für eine Jahresendrallye sein, die bis Anfang 2019 trägt.

ChampionsNews: Nach welchen Kriterien wählen Sie die passenden Aktien und Anleihen für den Gridl Global Macro UI EUR (ISIN DE000A2ATAT4 / DE000A2ATAU2 ) aus? Wie sieht Ihr Investmentprozess aus?

Gridl: Innerhalb unseres Aktienportfolios unterscheiden wir zwischen einem stabilen und längerfristig orientierten Kernportfolio sowie einem auf Renditeoptimierung ausgelegten Satellitenportfolio. Für den ersten Teil schauen wir insbesondere auf Bewertungsparameter sowie eine attraktive Dividendenrendite. Wichtig ist, dass dieser Teil mit gängigen, börsengehandelten Derivaten gut abgesichert werden kann. Beim Satellitenportfolio spielen dagegen auch taktische Überlegung sowie die technische Analyse eine wichtige Rolle.

Für die Selektion der Anleihen beobachten wir die Zinsstrukturkurven der wichtigsten Anleihemärkte und die Kredit-Spreads. Hier lohnt es sich, sowohl die Entwicklung der einzelnen Unternehmensanleihen als auch die verschiedenen Branchen und Rating-Kategorien im historischen Vergleich zu analysieren.

ChampionsNews: Welche Aktien und Anleihen haben sich zuletzt als gutes Investment erwiesen?

Wir konnten dieses Jahr die besten Performancebeiträge mit unserer konservativsten Anlage und mit einem Investment im High-Yield-Bereich erzielen.

Marion Gridl

Gridl: Die Entwicklung unserer Investments im Anleihenbereich zeigt, wie vielfältig das Universum festverzinslicher Wertpapiere ist. Wir konnten dieses Jahr die besten Performancebeiträge mit unserer konservativsten Anlage und mit einem Investment im High-Yield-Bereich erzielen. Da wir Anfang des Jahres weitere Zinssteigerungen in den USA und einen stärkeren Dollar erwarteten, hatten wir im Januar eine südkoreanische Staatsanleihe in US-Dollar mit kurzer Laufzeit gekauft. Aufgrund der geringen Zinssensitivität und des hohen Kupons von über sieben Prozent konnten wir die Anleihe Ende September mit einem sehr guten Performancebeitrag verkaufen. Im Gegensatz dazu haben wir die gute Wertentwicklung unserer Stada-Anleihe, einem High-Yield-Investment, der positiven Entwicklung des Kredit-Spreads zu verdanken. Wir haben die Anleihe im Sommer zu einem sehr attraktiven Einstandskurs gekauft und profitieren aktuell von einer deutlichen Einengung der Kredit-Spreads.

Im Aktiensegment hatten wir Wirecard im Februar bei Kursen um 100 Euro gekauft. Einerseits waren wir von den positiven Wachstumsaussichten überzeugt, andererseits hatten unsere eigenen Analysen ergeben, dass eine Aufnahme in den DAX im laufenden Jahr möglich wäre. Nach dem fulminanten Kursanstieg im Frühjahr haben wir die Aktie mit über 35 Prozent Gewinn verkauft.

Die Deutsche Lufthansa hat durch die Insolvenz von AirBerlin ihren größten nationalen Wettbewerber verloren. Weiterhin konnte der lange andauernde Tarifstreit zum Jahresbeginn beigelegt werden. Allerdings waren die damaligen Kurse von über 30 Euro aus unserer Sicht nicht attraktiv, unter anderem, da wir für 2018 steigende Ölpreise erwartet hatten. Auf den aktuellen Kursniveaus um 18 Euro haben wir Ende Oktober eine erste Position gekauft.

ChampionsNews: Ihr Portfolio weist derzeit eine sehr hohe Cashquote auf. Was hat das für Gründe? Trauen Sie den Märkten zurzeit nichts mehr zu?

Gridl: Wir sind aus heutiger Sicht bewusst sehr vorsichtig in das Jahr 2018 gestartet. Veränderungen der Aktienquote stellten wir primär über Derivate dar. So lag die Aktienquote im Jahresverlauf zwischen vier und knapp 70 Prozent. Die hohe Cashquote gibt uns aktuell die Möglichkeit und Freiheit, flexibel auf die derzeitige Marktkorrektur zu reagieren. So haben wir während der letzten Handelstage im Oktober in einem ersten Schritt die Aktienquote zulasten der Liquidität erhöht. Weitere Schritte werden voraussichtlich folgen. 

Autor: Marion Gridl und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 07.12.2018