Klaus Blaabjerg: "Firmen, die nachweislich ihre Schulden reduzieren, sind bei uns besonders im Anlagefokus." Quelle: Alexander Habermehl

Chancen durch Währungsineffizienzen

Autor: Klaus Blaabjerg, Absalon Capital, und Timo Lüllau

Absalon Capital ist auf globale Unternehmensanleihen spezialisiert und im High-Yield- und Emerging- Market-Segment mit zwei Fonds in Deutschland am Start. Durch ein anhaltendes Umfeld von Niedrig- und Nullzinsen sind alternative Investmentquellen gefragter denn je. Im Gespräch mit Klaus Blaabjerg, Chief Investment Manager von Absalon Capital, zeigt Universal-Investment auf, welche Alternativen es gibt, um dennoch Rendite in schwierigen Zeiten zu erwirtschaften.

Klaus Blaabjerg, Chief Investment Manager Absalon Capital Quelle: Alexander Habermehl

Absalon Capital ist eine dänische Investmentboutique mit Sitz in Kopenhagen. Sie ist Teil des größten unabhängigen Asset-Management-Unternehmens Formupleje in Dänemark. 28 Mitarbeiter kümmern sich vornehmlich um private Investoren und institutionelle Anleger, die vornehmlich aus dem dänischen Pensionsfonds-Bereich stammen. Absalon Capital verwaltet Investorengelder in Höhe von rund sieben Milliarden Euro.

Universal-Investment: Herr Blaabjerg, Sie fokussieren sich mit Ihrem Investmentansatz auf High-Yield- und Emerging-Markets-Bonds. Anleihemärkte sind in der Regel weniger effizient und liquide. Wie können Sie dennoch mit Ihrer Strategie gleichbleibende Renditen erzielen?

Blaabjerg: Wir versuchen, diese Ineffizienzen durch einen gründlichen Investmentprozess zu nutzen. Dabei setzen wir auch einen Bottom-up-Ansatz in Kombination mit einer Value-orientierten Ausrichtung, ohne dabei von einer vorgegebenen Benchmark beeinflusst zu sein. Wir investieren grundsätzlich nicht in einen Wert, weil er Bestandteil eines Indexes ist. Und wir legen in keine Anleihe an, bei der nicht ein fairer Credit Spread gezahlt wird. Wir bieten unseren Investoren ein benchmarkfreies Risiko-Rendite-Profil ohne dabei in Anleihen mit einem  Rating von CCC- zu investieren.  Mit unserem Absalon EM Corporate Debt und Absalon Global High Yield Fonds investieren wir nicht unterhalb eines Ratings von B-, mit einem durchschnittlichen Rating von BB+ und BB für beide Fonds.

Universal-Investment: Wo ergeben sich darüber hinaus interessante Investmentmöglichkeiten?

Blaabjerg:  Als vorteilhaft können sich Unternehmensanleihen erweisen, die vom Investment-Grade- in das High-Yield-Segment wandern. Durch die Herabstufung sind einige Manager gezwungen, die Anleihe zu verkaufen, obwohl die Fundamentaldaten für das Unternehmen sprechen. Solche Zwangsverkäufe führen zu Überreaktionen bei den Risikoaufschlägen, die uns zusätzliche Investmentmöglichkeiten erschließen, um daraus Profit für das Portfolio zu schlagen .Interessant sind auch Unternehmen, die aufgrund niedriger Bekanntheit und geringer Verschuldung hohe Prämien zahlen, wenn sie Unternehmensanleihen ausgeben. Diese aufzuspüren, bringt auch einen entscheidenden Mehrwert für unser Portfolio.
upgrade!: In einem anhaltenden Umfeld von Niedrig- und gar Nullzinsen sind das High-Yield- und Emerging-Markets-Segment durchaus eine Alternative auf der Suche nach Rendite. Wo sehen Sie die größten Vorteile dieser Asset-Klassen?
Blaabjerg: Neben einer zu erwartenden höheren Rendite erhalten Anleger eine wichtige Diversifikation für ihr Portfolio, wenn sie in High-Yield- und Emerging-Markets-Bonds investieren. Beide Asset-Klassen korrelieren nicht mit europäischen Aktien oder Staatsanleihen, so dass Investoren  ihre Erwartungen an mögliche Gewinne und Risikodiversifikation deutlich verbessern können. Beide Asset-Klassen stellen derzeit eine echte Alternative zu europäischen Unternehmensanleihen dar und bieten eine durchaus attraktive Renditemöglichkeit.

Vor allem europäische Unternehmensanleihen in US-Währung haben sich als vorteilhaft erwiesen.

Klaus Blaabjerg ,
Absalon Capital

Universal-Investment:  Gerade das High-Yield-Segment ist zuletzt oftmals wegen seiner bedenklichen Liquidität in Frage gestellt worden. Auch die überdurchschnittliche Volatilität in diesem Segment ist oftmals kritisch bewertet worden. Wo sehen Sie die Vorteile dieses Segments und wo kann man aktuell vorteilhaft investieren?

Blaabjerg: In der Tat ist die Liquidität ein Problem, wir waren aber erfolgreich mit strategischen Investments trotz  des Risikos von niedriger Liquidität. Vor allem europäische Unternehmensanleihen in US-Währung haben sich als vorteilhaft erwiesen. Obwohl ein Unternehmen sowohl hervorragende US- als auch Euro-Anleihen ausgegeben hat, waren die Anleihen in US-Währung deutlicher billiger und vorteilhafter für ein Investment. Solche Ineffizienzen bieten uns Renditevorteile, die wir effektiv fürs Portfolio nutzen.  Ein Beispiel dafür ist das italienische Rüstungsunternehmen Leonardo Finmeccanica. Die Anleihe weist eine Rendite von 6,5 Prozent in US-Währung auf, während der Gewinn in Euro zwischen 0,5 und 2,53 Prozent liegt. Es ist daher entscheidend für uns, die Währungsvorteile von einzelnen Anleihen genau unter die Lupe zu nehmen und entsprechend für unsere Portfoliostruktur zu nutzen.  Außerdem gibt es die Möglichkeit, dass es Anleihen von Unternehmen mit unterschiedlichen Laufzeiten in der gleichen Währung gibt, die eine unterschiedliche Liquidität aufweisen. Dadurch entstehende Renditevorteile versuchen wir, ebenfalls vorteilhaft für unser Portfolio zu nutzen.

Universal-Investment: Haben Sie seit dem Wechsel zu Absalon Capital Veränderungen im Anlageprozess vorgenommen?

Blaabjerg: Wir haben eine Anpassung seit dem Wechsel zu Absalon Capital vorgenommen. Es stehen nicht mehr Unternehmen mit einem niedrigen Kurs-Buchwert-Verhältnis im Fokus, sondern Firmen, die ihre Schulden reduzieren oder zu mindestens zeigen, dass sie willig dafür sind. Diese Entscheidung basiert auf Basis historischer Performance-Daten. Dank des überarbeiteten Anlageprozesses konnten wir die Outperformance weiter optimieren, da die Volatilität so reduziert werden konnte.  Lediglich den Blick auf das Kurs-Buchwert-Verhältnis zu richten, erscheint uns zu zyklisch, um solide Performance-Beiträge zu liefern.

Universal-Investment: Eine Änderung der Niedrigzinspolitik durch die Europäischen Zentralbank (EZB) ist momentan nicht in Sicht. Auch in den USA sieht es nicht nach einer zinspolitischen Wende aus. Mit welchen Entwicklungen am Zinsmarkt können wir in den kommenden Monaten rechnen? Wie schätzen Sie das Ankaufprogramm von Unternehmensanleihen der EZB ein?

Blaabjerg: Wir rechnen mit vier Zinsschritten durch die Federal Reserve in diesem Jahr, da sich die Inflation in den USA festigt und Vollbeschäftigung mit wenig Reservekapazität in der US-Wirtschaft herrscht. Wenn US-Präsident Donald Trump nicht schnell genug fiskalpolitische Anreize liefert, erwarten wir eine Verflachung der US-Zinsstrukturkurve, weil die Federal Reserve die kurzfristigen Zinssätze erhöht. Unser Portfolio ist so aufgestellt, dass es von diesen Entwicklungen profitieren wird. Mit Blick auf die Eurozone hat die Europäische Zentralbank (EZB)aus unserer Sicht gute Arbeit geleistet, um die Finanzmärkte und die Gesamtwirtschaft zu stabilisieren. Ob und wie das Quantitative-Easing-Programm der EZB fortgesetzt wird, hängt vom Ausgang der noch anstehenden Wahlen in diversen europäischen Ländern wie etwa Deutschland in diesem Jahr ab. Das realistischste Szenarium unserer Meinung nach ist, dass die EZB über den Sommer hinweg eine weniger expansive Geldpolitik betreiben wird und somit die deutschen Zinssätze Potenzial haben, sich nach oben zu bewegen. Auch hier haben wir die Portfolien entsprechend für dieses Szenarium ausgerichtet.

 

Autor: Klaus Blaabjerg, Absalon Capital, und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 22.05.2017