Die EZB hält an ihrem Anleiheankaufprogramm fest Foto: MissPassionPhotography Quelle: istockphoto.com

Anleihen mit gutem Chance-Rendite-Verhältnis

Gastautor: Stefan Maiwald, Göppel & Goyer, und Timo Lüllau Autor: Stefan Maiwald, Goyer und Göppel, und Timo Lüllau

In Zeiten lang anhaltender Niedrigzinsen wird es immer schwieriger, adäquate Renditen mit Anleihen zu erzielen. Dennoch gibt es Möglichkeiten wie etwa mit Nachranganleihen, Bonds in Fremdwährungen und durch clevere Durationssteuerung, einen ansprechenden Mehrertrag zu erzielen, wie Stefan Maiwald, Mitglied des Anlageausschusses beim Bankhaus Goyer & Göppel, im Gespräch mit Universal-Investment berichtet. Diese Strategie kommt beim Goyer & Göppel Zins-Investment alpha Universal (DE000A14N8L8 / DE000A14N8M6) zum Einsatz.

Stefan Maiwald, Mitglied des Anlageausschusses Bankhaus Goyer & Göppel Quelle: Goyer & Göppel

Universal-Investment: In Zeiten niedriger Zinsen wird es immer schwieriger, adäquate Renditen mit Rentenpapieren zu erzielen. Wie wirkt sich die aktuelle Zinslage auf das Anlageuniversum für den Goyer & Göppel Zins-Invest alpha Universal aus?

Maiwald: Nach unseren Erfahrungen lassen sich nahezu in jedem Zinsumfeld Anleihen mit einem sehr guten Chance-Rendite-Verhältnis finden. Wir investieren schwerpunktmäßig in Anleihen von namhaften Unternehmen, Banken und Versicherungen. In diesem Segment finden sich immer wieder Anleihen mit vergleichsweise hohen Kupons und Renditen. Durch ein konsequentes Bond-Picking selektieren wir Anleihen, die teilweise durch marktunabhängiges Verhalten einen Mehrertrag erzielen können.

Universal-Investment: Welche Titel erweisen sich gerade als besonders attraktiv für das Portfolio? Sind auch Staatsanleihen noch für Sie interessant?

Maiwald: Als besonders attraktiv erwiesen sich zuletzt unter anderem Nachranganleihen. Diese Anleihen besitzen eine geringere Zinssensitivität bei steigenden Kapitalmarktrenditen als nicht nachrangige Anleihen. Zudem profitieren gerade „ältere" Nachranganleihen von Banken und Versicherungen von den regulatorischen Vorgaben durch Basel III und Solvency II. Die Anrechenbarkeit dieser zum Teil vor Jahren emittierten Anleihen auf das Eigenkapital des jeweiligen Unternehmens nimmt im Zeitverlauf stetig ab. Für Banken und Versicherungen ist es teilweise vorteilhaft, diese Anleihen vor ihrer eigentlichen Fälligkeit zu kündigen. Dadurch lassen sich mit diesen Anleihen sogar marktunabhängige Renditen erzielen. Das Segment der nachrangigen Unternehmensanleihen weist zudem viele Anleihen mit Investmentgrade-Rating auf. Ferner ergeben sich durch externe Faktoren wie beispielsweise Wahlen immer wieder Marktverwerfungen im Anleihemarkt, die zu Mispricings von Anleihen führen. Sofern wir diese Mispricings als ungerechtfertigt ansehen, nehmen wir auch solche Anleihen in unser Portfolio auf. In Staatsanleihen sind wir derzeit nicht investiert, da nach unserer Auffassung die aktuell extrem niedrigen  Renditen die enthaltenen Risiken, etwa wegen zu hoher Staatsverschuldung, nicht angemessen widerspiegeln.

In Europa rechnen wir kurz- bis mittelfristig mit keinem Zinsanstieg

Stefan Maiwald ,
Mitglied des Anlageausschusses Goyer & Göppel

Universal-Investment: Anleihen in Fremdwährungen kommen bei Ihnen nur in geringem Maße zum Einsatz. Wie groß ist in der Regel der Anleiheanteil in Nicht-Euro-Währungen? Wieso begrenzen Sie den Anteil überhaupt?

Maiwald: Zur Risikodiversifizierung investieren wir bis zu 15 Prozent des Fondsvolumens in ausgewählte Fremdwährungsanleihen. Diese weisen zum Teil Renditevorteile zu vergleichbaren Euro-Anleihen eines Emittenten auf. Da unser Fonds in der Währung Euro notiert, setzen wir diese Anleihen nur als Beimischung ein. Zudem investieren wir teilweise in Fremdwährungen wie der Dänischen Krone oder dem Schweizer Franken, die eine geringere Schwankungsbreite gegenüber dem Euro als beispielsweise der US-Dollar aufweisen. So werden Schwankungen des Fondspreises aufgrund von entsprechenden Währungspaarverschiebungen reduziert.

?ChampionsNews: Mit welchen weiteren Entwicklungen bei den Zinsen im Euroraum rechnen Sie in den nächsten zwölf Monaten? Erwarten Sie mögliche Zinsschritte seitens der Europäischen Zentralbank? 

Maiwald: Während es in den USA bereits zu einem leichten Zinsanstieg gekommen ist, rechnen wir in Europa kurz- bis mittelfristig nicht mit einem solchen Schritt. Zum einen weisen viele Länder in Europa, vor allem die Länder im Mittelmeerraum, eine immer noch sehr hohe Schuldenquote auf, zum anderen zeigen uns gerade die Probleme italienischer Banken, dass die Nachwehen der Finanzkrise immer noch existent sind. Auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) bereits angekündigt hat, ihr Anleiheankaufprogramm etwas zurückzufahren, wird sie weiterhin monatlich rund 60 Milliarden Euro an Anleihen aufkaufen.

Auch die Inflation, die zuletzt etwas angezogen hat, und die Zielmarke der EZB kurzzeitig erreicht hatte, ist aktuell erneut leicht rückläufig. Vor diesem Hintergrund rechnen wir nicht mit einem Zinsschritt in den nächsten zwölf Monaten. Aber selbst wenn unsere Einschätzung nicht zutrifft, ist unser Portfolio aufgrund der kurzen Duration von gut drei Jahren und dem nicht unerheblichen Anteil variabel verzinster Anleihen auch gegen einen potenziellen Zinsanstieg relativ resistent. 

Autor: Stefan Maiwald, Goyer und Göppel, und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 09.06.2017