Loan-Fonds im Aufwind Foto: xeipe Quelle: iStock

Darlehensinvestitionen

Autor: Dr. Sofia Harrschar

Kreditfonds bieten Investoren viele Diversifizierungsmöglichkeiten und interessante Renditen. Dr. Sofia Harrschar, Abteilungsleiterin Alternative Investments - Real Assets bei Universal-Investment, erklärt die Besonderheiten dieser Anlageklasse und zeigt auf, was Anleger bei Kreditinvestments beachten sollten.

Dr. Sofia Harrschar, Abteilungsleiterin Alternative Investments – Real Assets Foto: Manjit Jari Quelle: Universal-Investment

Kreditfonds sind im Kommen. Einer Analyse von Creditreform Rating zufolge hat besonders ein starkes Wachstum bei direkter Unternehmensfinanzierung („Direct Lending“) den Kreditfondsmarkt in Europa 2016 erstmals über die Marke von 100 Milliarden Euro gehoben, das Gesamtvolumen stieg bis zum Ende des ersten Halbjahres 2017 weiter auf 144,4 Milliarden Euro. In Europa fiel das Wachstum des Kreditfondsmarktes seit 2013 sogar stärker aus als im US-Markt, der aber noch immer weitaus größer ist. Allein das Direct-Lending-Segment erreichte in den USA 2016 ein kumuliertes Volumen von 105,2 Milliarden Euro, auf Immobilienkreditfonds entfielen 227,2 Milliarden Euro. Wie in den Vereinigten Staaten sind auch in Europa die Infrastrukturfonds das kleinste Segment im
Kreditfondsmarkt.

Institutionelle Investoren können mit Kreditfonds direkt in ein Loan-Portfolio investieren, mit einer relativ schnellen Investitionsgeschwindigkeit und einem breiten Asset-Spektrum. Die Fonds investieren in Kredite („Loan Participation“) oder vergeben selber Darlehen („Loan Origination“). In der Praxis hängt die Frage nach der Art der Kreditvergabe ab von den Anforderungen der spezifischen Loans und der Marktstrategie des Asset Managers.

Investoren bieten Kreditfonds günstig eingeschätzte Risiko-Ertrags-Eigenschaften, häufig niedrige Korrelationen zu anderen Asset-Klassen und gute Möglichkeiten, die Duration zu spielen. Besonders zur Deckung langfristiger Zahlungsverpflichtungen sind sie im Niedrigzinsumfeld interessant.

Auch wenn Kreditfonds eine relativ junge Finanzierungsform darstellen, werden sie zunehmend als Alternative zu traditionellen Finanzierungskanälen wahrgenommen. Nicht zuletzt, weil Banken wegen schärferer Regulierungen ihr direktes Kreditgeschäft zurückgefahren haben und inzwischen häufig selber Kreditfonds nutzen, um daraus Darlehen zu vergeben – und so ihre Bilanzen zu entlasten. Schließlich müssen Banken bei direkter Kreditvergabe Refinanzierungsrisiken anders einpreisen als bei Kreditfonds, die ohne Refinanzierungsrisiko sind, solange die Investoren das zugesagte Kapital einzahlen.

Loans sind eine Alternative zu traditionellen Finanzierungskanälen.

Dr. Sofia Harrschar

Luxemburg ist für deutsche Anleger Standort der Wahl

Gelegentlich ist zu hören, Loan-Fonds seien bei der Kreditvergabe weniger streng reguliert als Banken. Dies ist allerdings ein unzutreffendes Vorurteil, denn regulatorisch sind bei der Kreditvergabe durch Kreditfonds vergleichbare Strukturen wie bei Banken gefordert. Verankert sind diese Vorgaben in Deutschland im Rundschreiben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu den Mindestanforderungen an das Risikomanagement von Kapitalverwaltungsgesellschaften (KAMaRisk), in Luxemburg gilt ein entsprechendes
„Circulaire“ der Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF).

Für die Auflage von Kreditfonds gibt es im Euroraum eine zunehmend einheitlichere Regulierung. Sowohl in Luxemburg als mittlerweile auch in Deutschland ist dafür keine Banklizenz erforderlich, Verwalter alternativer Investmentfonds können daher aus geschlossenen Fonds Kredite ausreichen, wenn sie als AIFM (Alternative Investment Fund Manager) ihrer Aufsichtsbehörde nachweisen, dass sie die regulatorischen Anforderungen
an dieses Geschäft erfüllen.

Trotz der investmentrechtlichen Möglichkeiten werden in Deutschland mehr Kreditfonds vermarktet als aufgelegt.
Dass der Kreditfondssektor hierzulande noch in einer Findungsphase ist, hängt auch damit zusammen, dass andere Länder in diesem Bereich eine viel längere Historie aufweisen. Im angloamerikanischen Raum oder in Luxemburg ist es schon länger zulässig, Kreditgeschäfte über Fondsvehikel abzuwickeln. Dort sind entsprechend viele Vehikel ansässig, institutionellen Anleger ist derzeit Luxemburg in den meisten Fällen der Standort der Wahl für Loan-Investments.

Regulierte Vehikel im Fokus

Als Vehikel bieten sich Spezialfonds (SIF) oder Reservierte Alternative Investmentfonds (RAIF) nach Luxemburger Recht an. Sie weisen keine nennenswerten Unterschiede in Bezug auf ihre Möglichkeiten bei Kreditanlagen auf, wobei bei einem RAIF das Genehmigungsverfahren bei der CSSF entfällt. Die Wahl der Rechtsform hängt von der steuerlichen und aufsichtsrechtlichen Situation des Anlegers ab. Je nachdem, ob Investoren steuerbefreit sind, ob Doppelbesteuerungsabkommen greifen sollen oder das Thema Gewerblichkeit eine Rolle spielt, kann ein Kreditfonds zum Beispiel als Aktiengesellschaft (SA) oder als Kommanditgesellschaft (SCS) nach Luxemburger
Recht strukturiert werden.

Loans sind ein komplexes Anlagethema.

Dr. Sofia Harrschar

Loans sind ein komplexes Anlagethema. Investoren sollten deshalb auf eine KVG als Partner bauen, die beim strukturellen und operativen Aufsatz hilft und eng mit den Rechts- und Steuerberatern des Investors zusammenarbeitet. Universal-Investment gehört zu den Pionieren bei der Auflage von Speziallösungen für Kreditanlagen deutscher institutioneller Investoren, als großer Plattformanbieter verfügt unser Haus über einen breiten Erfahrungsschatz in allen wichtigen Bereichen, wie Risiko- und Portfoliomanagement oder Administration. Die ersten Kreditfonds wurden bereits 2013 aufgelegt. Um auf die Bedürfnisse der Investoren abgestellte Lösungen zu finden, kann Universal-Investment auf Erfahrungen mit der ganzen Vielfalt der Asset-Klasse
zurückgreifen, von Schiffskrediten über Immobiliendarlehen bis zu Unternehmens- und Kommunalkrediten oder Infrastrukturdarlehen.

Das Interesse an Investmentlösungen über alternative Vehikel ist ungebrochen: Das investierte Volumen in Debt-Strukturen, zu denen auch Kreditinvestments zählen, belief sich bei Universal-Investment auf etwas mehr als sechs Milliarden Euro per Ende Dezember 2017. Das Volumen hat sich seit Ende 2014 versechsfacht. Das investierte Kapital über alle von Universal-Investment angebotenen Alternatives-Strukturen (Debt- und Equity-
Strukturen, Hedgefonds, Verbriefungen) lag bei 28,3 Milliarden Euro per Ende Dezember 2017. Das entspricht fast
einer Verdreifachung gegenüber Ende Dezember 2014, als das Volumen bei rund acht Milliarden Euro lag.

 

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Quelle: Universal-Investment, Stand: 31.12.2017

Autor: Dr. Sofia Harrschar
Erscheinungsdatum: 02.07.2018