Der Schlüssel zum Erfolg eines Investors liegt darin, den Teil der Risikoprämien richtig zu investieren. Foto: Nastco Quelle: iStock

Das Allwetterportfolio kommt mit allen Marktveränderungen zurecht

Autor: Lutz Klaus und Timo Lüllau

Es gibt tausende Möglichkeiten, am Kapitalmarkt zu investieren, aber am Ende nur drei Renditequellen: Geldmarkt, Risikoprämien (Beta) und Alpha. Der große Unterschied zwischen Alpha und Beta besteht darin, dass Beta über die Zeit mehr als der Geldmarkt abwirft – Alpha nicht, weil nur maximal die Hälfte der Investoren Alpha erwirtschaftet und es darüber hinaus viel kostet.

Lutz Klaus, Chief Investment Officer Quelle: Tungsten Capital Management

Ein moderat gehebeltes, hochdiversifiziertes Portfolio ist weniger riskant als ein ungehebeltes, schlecht diversifiziertes Portfolio

Lutz Klaus

Universal-Investment: „Diversifikation durch Prognose zu ersetzen, ist der im Asset Management am weitesten verbreitete Fehler“, haben Sie zur Vorstellung des Tungsten PARITON UI vor über drei Jahren gesagt. Stehen Sie noch zu dieser Aussage?

Lutz Klaus: Ja, unbedingt. Trotzdem fokussieren sich Investoren auf Prognosen zur Erzielung von Alpha. Dabei liegt der Schlüssel zum Erfolg eines Investors darin, den Teil der Risikoprämien richtig zu investieren, zum Beispiel richtig zu diversifizieren. Beim Tungsten PARITON UI verzichten wir darauf, die Richtung von Aktien oder Anleihen zu prognostizieren, sondern konzentrieren uns auf eine systematische und global optimal diversifizierte Vereinnahmung von Risikoprämien. Wir bilden sozusagen ein Allwetterportfolio, das stetig und solide steigt und in allen Marktphasen ein konstant niedriges Risiko aufweist.

Universal-Investment: Wie erreichen Sie diese Diversifikation?

Lutz Klaus: In unserem Allwetteransatz berücksichtigen wir nur solche Assets, die Risikoprämien – also einen ökonomischen Aufschlag zum Geldmarkt – enthalten. Diese Risikoprämien sind in der Regel umso höher, je größer das Risiko der Assets ist. Das Verhältnis von Renditen und Risiken ist aber langfristig über alle Asset-Klassen etwa gleich. Über unser Risikoausgleichsverfahren sorgen wir für die richtigen Gewichtungen der Assets zueinander. Diese nehmen wir so vor, dass sich die Chancen und Risiken der Assets im Fonds bei plötzlichen Erwartungsänderungen der Märkte ausgleichen. Somit verhält sich der Fonds auch in stürmischen Zeiten stabil.

Universal-Investment: Und warum klammern Sie mit Rohstoffen und Geldmarkt-Futures zwei attraktive Anlagesegmente mit teilweise niedriger Korrelation zu Aktien und Anleihen von vornherein aus?

Lutz Klaus: In den normalen Phasen, in denen es wenig Überraschungen gibt, werden stetig die Risikoprämien verdient. In diesem Zusammenspiel könnten Rohstoffe zum Beispiel bei unerwarteter Inflation zwar dekorrelierende Wirkung haben. Allerdings verdienen sie in normalen Phasen keine Zinsen. Daher verzichten wir auf Rohstoffe und konzentrieren uns als Ersatz dafür auf alternative Rohstoff-Exposures, zum Beispiel über Short-Put-Optionen auf Rohstoffaktien. Auf kurze Zins- und Geldmärkte verzichten wir, weil sie zu sehr von den Zentralbanken beeinflusst werden und gegebenenfalls hohe Tail-Risiken entstehen, wenn wir das Portfolio hebeln. Die Übernahme unkontrollierbarer Tail-Risiken passt nicht zu einem Allwetterkonzept.

Tungsten PARITON UI

ISIN: DE000A1W8952
BVI-Kategorie: Mischfonds rentenbetont, Euro
Auflagedatum: 6. Oktober 2014
Fondsvolumen (inkl. aller Anteilklassen): 78 Millionen Euro
Wertentwicklung kumuliert (seit Auflage): 25,2 Prozent
Stand: 31. Dezember 2017

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Universal-Investment: Sie setzen im Fonds auch kreditfinanzierte Käufe als Hebel ein. Wie hoch sind diese Hebel im Fondsportfolio und wie nutzen Sie sie?

Lutz Klaus: Wir setzen in den meisten Phasen sehr bewusst auf eine leichte Hebelung des Portfolios. Das liegt daran, dass bei einem derart ausdiversifizierten Allwetterportfolio zwar ein hohes Rendite-Risiko-Verhältnis erwirtschaftet wird, das Gesamtrisiko jedoch sehr gering ist. Um das Risikobudget effizient auszulasten, bietet es sich an, den Investitionsgrad des Portfolios mit Hilfe von Derivaten über 100 Prozent zu hebeln und somit eine höhere Rendite bei einem optimalen Rendite-Risiko-Verhältnis zu erwirtschaften. Unser Hebel kann je nach Marktumfeld an die 300 Prozent heranreichen. In Phasen, in denen Volatilitäten oder Korrelationen hoch sind, hebeln wir eventuell gar nicht, sondern halten sogar Kasse vor. Hebel in einem Portfolio wurden früher sehr kritisch gesehen. Die steigende Professionalität der Investoren und deren Öffnung, hin zu Absolute-Return-Lösungen, hat dies zum Glück verändert. Es ist ja nicht so, dass kein Hebel gut und jede Art von Hebel schlecht ist. Hebel ist lediglich ein Werkzeug zur effizienten Implementierung einer Investmentstrategie. Ein moderat gehebeltes, aber hochdiversifiziertes Portfolio ist definitiv weniger riskant als ein ungehebeltes, schlecht diversifiziertes Portfolio. 

Autor: Lutz Klaus und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 30.01.2018