Dr. Uwe Rathausky: „Anleihen sind in der Breite des Marktes vollkommen überbewertet“ Quelle: GANÉ Aktiengesellschaft

Das verrückte Wesen Mensch

Gastautor: Dr. Uwe Rathausky und Timo Lüllau

Sowohl das fundamentale als auch das marktpreisbedingte Risiko hat Fondsberater Dr. Uwe Rathausky von der Investmentboutique GANÉ Aktiengesellschaft immer im Blick. Gilt es doch, beides zu minimieren, um anschließend zu investieren. Wie die Kombination aus Value und Event zielgerichtet im ACATIS - GANÉ VALUE EVENT FONDS UI umgesetzt wird, berichtet Rathausky im Gespräch mit Universal-Investment.

Wir bieten ein Basisinvestment für eine langfristige Vermögensanlage

Dr. Uwe Rathausky

Universal-Investment: Herr Dr. Rathausky, Sie sprechen bei Ihrem Ansatz von Event Driven Value. Sie kombinieren Value Investing mit einem Ansatz von Event-Orientierung. Welche Vorteile sehen Sie in dieser Kombination für das Portfolio? Welche Vorteile bietet dies für die Investoren?

Rathausky: Mit der Kombination aus Value und Event versuchen wir, sowohl das fundamentale als auch das marktpreisbedingte Risiko einer Investition zu reduzieren. Auf Fondsebene gelingt uns damit, das Abwärtsrisiko, die Maximum Drawdowns, die wir als „Stress“ bezeichnen, im Vergleich zum Gesamtmarkt signifikant und systematisch zu reduzieren, ohne dass wir dabei auf eine attraktive Rendite verzichten müssen. Unsere Investoren schätzen das sehr. Wir bieten ihnen ein Basisinvestment für eine langfristige Vermögensanlage.

Universal-Investment: Welche Einzeltitel, die diese Kriterien erfüllt haben, wurden zuletzt für das Portfolio erworben oder aufgestockt?

Rathausky: Dazu zählt zum Beispiel AB InBev. Der weltgrößte Brauereikonzern ist eine Plattform für operative Exzellenz. Seit dem Erwerb von SAB Miller im vergangenen Jahr zählen über 500 Marken in mehr als 150 Ländern zum Konzern. Noch belasten übernahmebedingt hohe Verbindlichkeiten. Allerdings sollten die Cashflow-Stärke, die Preissetzungsmacht bei Premiumbieren und die enormen Restrukturierungsmöglichkeiten in den kommenden Jahren zu einer positiven Veränderung der Kapitalstruktur und damit zu einer Neubewertung des Unternehmens an der Börse führen. Daneben erwarben wir in Schwächephasen immer mal wieder Munich RE. Der Versicherer besitzt bereits heute eine sehr gute Kapitalstruktur. Das Zins- und Prämienumfeld kann in den nächsten Jahren nur besser werden. Der Überschuss am Eigenkapital erlaubt eine laufende Ausschüttungsrendite aus Aktienrückkäufen und Dividenden von sieben Prozent. Das reduziert nicht nur das fundamentale, sondern auch das marktpreisbedingte Risiko erheblich.

Universal-Investment: Dem Portfolio werden auch Anleihen beigemischt. In einem anhaltend niedrigen Zinsumfeld bleibt es schwierig, Anleihen mit noch zufriedenstellenden Renditen zu finden. Auf welche Papiere setzen Sie derzeit?

Rathausky: Wir mischen keine Anleihen bei. Aktien und Anleihen sind für uns zwei Seiten der gleichen Medaille. Derzeit macht es allerdings wenig Sinn, die zweite Seite hoch zu gewichten. Anleihen sind in der Breite des Marktes vollkommen überbewertet. Entsprechend ist unsere Quote auf zwölf Prozent reduziert, und der Großteil besteht aus Geldmarkt-Ersatzpapieren mit kurzer Laufzeit.

Universal-Investment: Der ACATIS GANÉ VALUE EVENT FONDS UI hält derzeit auch einen sehr hohen Kassenanteil. Der Aktienmarkt bietet aber doch einige Möglichkeiten. Oder sehen Sie schon ein deutliches Anzeichen für eine Überhitzung? Müssen wir  bald mit einer deutlichen Kurskorrektur rechnen?

Rathausky: Im Vergleich zu Anleihen sind Aktien relativ attraktiv bewertet, das steht außer Frage. Aber die Börse ist keine Einbahnstraße. Seit dem Brexit-Votum im Jahr 2016, als der DAX innerhalb von wenigen Minuten zehn Prozent verloren hat, ist er bis November dieses Jahres um fast 50 Prozent gestiegen und die Volatilität auf historisch niedrige zwölf Prozent gefallen. Buffett würde sagen: „Dass die Menschen gierig, ängstlich oder verrückt handeln, ist vorhersehbar, die Reihenfolge nicht. 


Erscheinungsdatum: 03.01.2018

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