Zahlreiche Veränderungen in den Level-II-Standards zur EU-Derivateverordnung Foto: Jorivo Quelle: iStock

Neues von EMIR

Autor: Christian Debus und Dagmar Kastl

Neufassungen von Level-II-Standards zur EU-Derivateverordnung „European Market Infrastructure Regulation“ (EMIR) enthalten zahlreiche Veränderungen. Universal-Investment gibt eine Übersicht und zeigt auf, welche Neuerungen die anstehende EMIR-Reform mit sich bringen könnte.

Christian Debus, Partner, KPMG Quelle: KPMG

Die Anzahl der Meldefelder wurde erhöht, Festlegungen für deren Belegung wurden zum Teil angepasst und zusätzliche Validierungsregeln eingeführt.

Christian Debus

Zum 1. November 2017 wirksam wurden Änderungen der europäischen Wertpapier und Marktaufsichtsbehörde ESMA betreffend der Regulatory Technical Standards (RTS) und der Implementing Technical Standards (ITS) zum Transaktionsreporting. Betroffene Handelsteilnehmer aus dem Finanzbereich („Financial Counterparties“) sind Wertpapierhändler, Kreditinstitute, Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen, aber auch Pensionsfonds und Investmentfonds nach OGAW- und AIFM-Richtlinie, wenn Sie einer Finanzaufsicht in der Europäischen Union unterliegen.

„Die Anzahl der Meldefelder wurde erhöht, Festlegungen für deren Belegung wurden zum Teil angepasst und zusätzliche Validierungsregeln eingeführt“, erläutert Christian Debus, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KMPG. „Ziel war vor allem, die Datenqualität der Meldungen zu erhöhen, Unklarheiten bei der Belegung der Meldefelder zu beseitigen und das Matching der gemeldeten Transaktionen zu verbessern. Zudem wurde der Termin für das Backloading alter Transaktionen um zwei Jahre bis zum 12. Februar 2019 verlängert.“

Dagmar Kastl, Direktor Inhouse Consulting bei Universal-Investment, ergänzt: „Bei Aktien-Baskets muss jetzt täglich jede im Basket enthaltene ISIN in der EMIR-Meldung angegeben werden, bei der Collateral-Meldung sind statt einem Collateral Value die Einzelwerte für gestellte oder empfangene Initial Margins (IM), Variation Margins (VM) sowie Excess Collateral zu melden. Zudem werden die Legal Entity Identifier (LEI) nun mit der Datenbank der Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF) und die Market Identifier Codes (MIC) mit der ISO-Liste abgestimmt.“

Die betroffenen Institutionen mussten ihren Meldeprozess anpassen. „Die Beschreibung der neuen Inhalte einiger Meldefelder war teilweise unpräzise, so dass ein erhöhter Aufwand zur Klärung offener Fragen sowie zum Testen entstand“, sagt Debus. Bei Universal-Investment verlief die Umstellung dank einer gründlichen Vorarbeit reibungslos, doch der fachliche und IT-seitige Implementierungsaufwand zur Abbildung der neuen Meldelogik war groß.

„Für die Datenpflege im Abwicklungssystem ist ein hoher Mehraufwand erforderlich“, erläutert Kastl, „erfasst werden müssen nun beispielsweise Informationen wie ISINs und MIC-Code des Trading Venues von OTC-Derivaten, für deren Anlieferung von externen Asset Managern es aber noch keinen Marktstandard gibt.“ Bei Underlyings sind nun auch LEIs zu melden, bisher war die ISIN ausreichend, und Daten zu Basket-Bestandteilen sind gesplittet nach Instrumentenarten vorzuhalten. Fachlich war die Implementierung einer Berechnungslogik für Excess Collateral sehr umfangreich, da Margin-Anforderungen mit den tatsächlich ausgetauschten Margins abgeglichen werden müssen.

Eine weitere wichtige Neuerung für Investmentfonds steht bevor

Die Neuregelung der delegierten Verordnung zu den Risikominderungspflichten für nicht zentral geclearte OTC-Derivate steht bevor und betrifft die bilaterale Besicherung physisch abgewickelter Devisentermingeschäfte, für die nun kein Austausch von Variation Margin mehr erforderlich sein soll. Dies gilt für alle Marktteilnehmer, die nicht Kreditinstitute oder MiFID-Firmen sind, also auch für KVGs und Investmentvermögen. „Diese Änderung wurde unter anderem vorgenommen, um sich den Regelungen außerhalb der EU anzupassen und somit Wettbewerbsnachteile zu vermeiden“, erklärt Kastl. „Leider blieb unberücksichtigt, dass international auch physisch abgewickelte FX-Swaps vom Austausch von Variation Margin befreit sind. Es bleibt zu hoffen, dass diese Regelung mit der anstehenden Reform der EMIR-Verordnung auch in Europa eingeführt wird.“

Dagmar Kastl, Direktorin Inhouse Consulting, Universal-Investment Foto: Manjit Jari Quelle: Universal-Investment

Es bleibt wünschenswert, die beidseitige Meldepflicht in Europa abzuschaffen.

Dagmar Kastl ,
Direktorin Inhouse Consulting

Den Weg zur Reform zeigt die Grafik: Im Mai 2017 legte die EU-Kommission dem Parlament und Rat einen Änderungsvorschlag vor, im Januar 2018 wurde ein Berichtsentwurf von Werner Langen, dem für die EMIR-Gesetzgebung zuständigen Berichterstatter im Europäischen Parlament, veröffentlicht.

Zoom
Quelle: Universal-Investment Quelle: Universal-Investment

Nach aktuellem Stand brächte eine EMIR-Reform Änderungen mit sich, die auch Investmentfonds betreffen. Ein Beispiel ist das Central Counterparty (CCP)-Clearing von OTC-Derivaten: Kleine finanzielle Gegenparteien, etwa OGAWs oder AIFs, mit geringem Clearingvolumen sollen von der Clearingpflicht ausgenommen werden. Vorgeschlagen ist eine jährliche Prüfung für die Monate März, April und Mai, bei der ermittelt wird, ob der aggregierte durchschnittliche Monatsendwert eines Investmentvermögens bestimmte Clearingschwellen überschreitet: Bei Kreditderivaten eine Milliarde Euro Bruttonominalvolumen, bei Zinsderivaten drei Milliarden Euro Bruttonominalvolumen.

Für die Berechnung der Positionen hat die kleine finanzielle Gegenpartei alle abgeschlossenen OTC-Derivatekontrakte zu berücksichtigen. Sofern die genannten Schwellen überschritten werden, muss die finanzielle Gegenparteiinnerhalb von vier Monaten dassCCP-Clearing aufnehmen und die nationale Aufsichtsbehörde sowie die ESMA informieren. Wird das CCP-Clearing bereits durchgeführt, kann die jährliche Überprüfung ergeben, dass keine Clearingpflicht mehr vorliegt. Bei Nachweis gegenüber der zuständigen Aufsichtsbehörde erlischt dann die Clearingpflicht. Vorgesehen ist auch die Einführung einer aufsichtsrechtlichen Regel zur Aussetzung der CCP-Clearingpflicht für OTC-Derivate. Zukünftig soll die ESMA die EU-Kommission auffordern können, die Clearingpflicht übergangsweise auszusetzen.

Veränderungen im EMIR-Meldewesen

Die bisher verpflichtende Nachmeldung von (Alt-)Geschäften, die zwischen dem Inkrafttreten der EMIR-Verordnung im Juli 2012 und dem Start der Meldepflicht im Februar 2014 abgeschlossen wurden, soll entfallen. Soweit wie möglich sollen zudem die EMIR-Datenfelder mit den Vorgaben für das Meldewesen nach den EU-Verordnungen SFTR (Securities Financing Transactions Regulation) und MiFIR (Markets in Financial Instruments Regulation) harmonisiert werden. Bei Exchange Traded Derivatives (ETDs) ist vorgesehen, dass Geschäfte zukünftig – für beide beteiligten Parteien – durch die zentrale Gegenpartei gemeldet werden. „Es bleibt wünschenswert, die beidseitige Meldepflicht in Europa abzuschaffen, um das Vorgehen mit dem international etablierten Standard einer einseitigen Meldung zu harmonisieren“, erklärt Kastl, „und zwar nicht nur bei börsennotierten Derivaten.“ Dabei solle klar definiert werden, wer in welcher Fallkonstellation die Gegenpartei ist und die Meldung abzugeben hat. „Beispielhaft kann hier die US-Regelung genannt werden, die genau diesen Weg beschritten hat“, ergänzt die Expertin von Universal-Investment.

Die Branche hofft auf weitere Verbesserungen. Derzeit etwa müssen einige Daten doppelt gemeldet werden, ein erneuter Review könnte Abhilfe schaffen. „Auch das Thema der Time Stamps und einer sekundengenauen Angabe sollte überarbeitet werden“, erklärt Kastl. „Diese Angaben können bei nicht elektronisch gehandelten oder bestätigten Geschäften nicht übereinstimmen und führen zwangsläufig zu unterschiedlichen Meldungen.“ 

Autor: Christian Debus und Dagmar Kastl
Erscheinungsdatum: 02.07.2018

MEHR THEMEN