Im deutschen Mittelstand finden sich viele erfolgreiche Nischenplayer mit Wettbewerbsvorteilen. Foto: Studio-Annika Quelle: iStock

Perlen im deutschen Mittelstand – die Nischenplayer

Autor: Andreas Strobl und Timo Lüllau

Der deutsche Mittelstand gilt weiterhin als Motor der Wirtschaft, denn kleine und mittlere Unternehmen bringen oft Innovationskraft mit und können überdurchschnittliche Erträge erwirtschaften. Das weiß auch Andreas Strobl, Senior-Portfoliomanager bei Berenberg. Er erklärt im Interview mit ChampionsNews, was genau den Mittelstand so reizvoll macht und welches Thema in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnt. Anhand des Fonds Berenberg-1590-Aktien Mittelstand (ISIN DE000A14XN59) gibt Andreas Strobl noch einen Einblick in seine Aktienauswahl für das Portfolio.

Andreas Strobl, Senior-Portfoliomanager bei Berenberg Quelle: Berenberg

ChampionsNews: Herr Strobl, der Fonds Berenberg-1590-Aktien Mittelstand (ISIN DE000A14XN59) legt den Fokus auf Nebenwerte aus dem deutschsprachigen Raum bis zu einer Marktkapitalisierung von fünf Milliarden Euro. Was macht eine Investition in kleinere und mittlere Unternehmen so attraktiv?

Strobl: Der deutsche Mittelstand verfügt über eine Vielzahl von Unternehmen mit klarer Wettbewerbsposition, die durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Patente geschützt ist. Meist handelt es sich um Nischenplayer mit fokussiertem Geschäftsmodell, überdurchschnittlichem Ertragspotenzial und hoher Innovationskraft. Einige Unternehmen zählen zu den Weltmarktführern ihrer Branche, was ihnen ermöglicht, strukturelle Gewinne zu erzielen, unabhängig von der konjunkturellen Lage. Mittelständische Unternehmen haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie deutlich höhere Renditen auf das Eigen- und Gesamtkapital erzielen können als die klassischen Großkonzerne. Ein höheres Gewinnwachstum und eine höhere Rentabilität sind schlagende Argumente für Investitionen in den deutschen Mittelstand.

Mittelständische Unternehmen haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie deutlich höhere Renditen auf das Eigen- und Gesamtkapital erzielen können als die klassischen Großkonzerne.

Andreas Strobl

ChampionsNews: Welche Kriterien stehen bei der Aktienauswahl im Fokus?

Strobl: Wir fokussieren uns auf aussichtsreiche Qualitätsunternehmen mit überdurchschnittlichen strukturellen Wachstums- und Erfolgsaussichten. Dabei schauen wir nicht auf Kriterien wie Börsenwert oder Indexzugehörigkeit, sondern auf Branchen beziehungsweise Einzelwerte, die sich langfristig besser als der breite Markt entwickeln können. Ein erster Blick fällt meist auf das Branchenumfeld und die Wettbewerbsposition, die das Unternehmen einnimmt. Dabei achte ich auf Antriebsfaktoren, wie zum Beispiel Nachfrage, Industriedynamik und Marktpotenzial. Unternehmensseitig prüfe ich Markteintrittsbarrieren, den Marktanteil sowie die Preissetzungsmacht beziehungsweise das Margenpotenzial. Grundlegende Basis für potenzielle Kandidaten ist das finanzielle Gerüst des Unternehmens. Solide Bilanzen, nachhaltige Cashflows und zukünftige Investitionsideen sind wichtige Kriterien. In Gesprächen mit dem Management prüfe ich, inwieweit eine angekündigte Strategie umgesetzt wird und wie sich die Anreiz- und Eigentümerstruktur gestaltet. Wir konzentrieren uns auf den deutschen Mittelstand, daher finden wir vor allem auch gründer- oder familiengeführte Unternehmen spannend.

ChampionsNews: Erzählen Sie uns mehr zu Ihrem Investmentprozess. Wie vermeiden Sie Risiken?

Strobl: Der Anlageprozess basiert auf einem aktiven, disziplinierten und risikokontrollierten Managementstil. Die grundlegende Einzelaktienauswahl („Bottom-up-Ansatz") steht im Mittelpunkt unseres Anlageprozesses. Das größte Risiko im Fonds sind daher die Einzeltitel. Deshalb sind uns regelmäßige Gespräche mit den Geschäftsführern wichtig, um eventuell aufkommende Probleme oder auch neue Trends frühzeitig zu erkennen. Unter anderem analysieren wir dabei zum Beispiel auch ESG-Risiken (Environmental, Social, Governance). Wir glauben, dass ein langfristig erfolgreiches Unternehmen auch mit der Nachhaltigkeit von Unternehmensstrategie und Management einhergeht.

ChampionsNews: Der Fonds „Berenberg-1590-Aktien Mittelstand“ feierte Anfang Dezember 2018 seinen dritten Geburtstag. Welche Chancen sehen Sie für den Fonds in den nächsten Jahren?

Strobl: IT- und Industriewerte sind im Portfolio am stärksten gewichtet. Hier sehen wir weiterhin die größten Wachstumschancen. Allerdings blicken wir weniger auf einzelne Sektoren, sondern haben vielmehr das bestimmende Thema der nächsten Jahre für den deutschen Mittelstand im Blick: die digitale Transformation. Diese ist sektorübergreifend und umfasst eine Vielzahl von Unternehmen und Unterthemen. Hierzu zählen zum Beispiel digitale Medien oder die digitale Vernetzung. Das strukturelle Wachstum dürfte sich in diesen Bereichen fortsetzen. Dies war bereits in den vergangenen drei Jahren ein wichtiges Thema, und davon können unsere Anleger hoffentlich auch in den kommenden Jahren profitieren. 

Autor: Andreas Strobl und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 10.12.2018