Die Verarbeitung von Zuckerrohr ist ein wichtiger Wirtschaftszweig auf dem afrikanischen Kontinent Foto: pixelfusion3d Quelle: iStock

Es gibt noch echte Value-Chancen

Autor: Axel Krohne und Timo Lüllau

Mit den Emerging Markets verbinden viele Investoren auf den ersten Blick erhöhte Risiken und große Volatilität. Bis auf wenige Ausnahmen ist das aber nicht der Fall, wie Axel Krohne, Fondsberater des AvH Emerging Markets Fonds UI (DE000A1145G6/DE000A1145F8) berichtet. Im Gespräch mit Universal-Investment zeigt er auf, wie er erfolgreich unterbewertete Titel in den Emerging Markets fürs Portfolio herausfiltert.

Axel Krohne, Fondsberater des AvH Emerging Markets Fonds UI Quelle: EM Value


Universal-Investment: Herr Krohne, warum ist Value für Sie so entscheidend bei der Titelauswahl?

Krohne: Wir kaufen lieber unterbewertete als überbewertete Aktien. Wir werden dann aktiv, wenn wir auf langfristig profitable Unternehmen stoßen, die sehr günstig bewertet sind. Von diesen Titeln gibt es in den Emerging Markets und Frontier Markets deutlich mehr als an den westlichen Börsen. Da die Märkte in den Emerging- und Frontier-Ländern noch nicht überkauft sind, gibt es dort noch viel mehr Substanz fürs Geld. Es geht beim Value-Ansatz nicht nur darum, das schnelle Geld zu verdienen. Wichtig ist, dass die Strategie Risiken im Portfolio reduziert. Dadurch ist sie für jede Marktlage gewappnet.

Universal-Investment: Nach welchen Kriterien werden die passenden Unternehmen für das Portfolio herausgefiltert?

Krohne: Bei der Vorauswahl scheiden Aktien aus zyklischen Sektoren fast immer schon im vornhinein aus. Wir schätzen Unternehmen mit stabilen Gewinnen. Interessant sind zum Beispiel Firmen aus dem Dienstleistungssektor, die die Bedürfnisse der wachsenden Mittelschicht bedienen, die fast überall in den Schwellenländern entsteht. Die Aussichten solcher Unternehmen lassen sich oft schon aus der Historie und aus den Bilanzen ableiten. Ich mache mir aber auch gern selbst ein Bild vom Management und von der Situation vor Ort, besuche daher viele Unternehmen über das Jahr hinweg, die als Investment infrage kommen. Zwingend erforderlich ist natürlich, dass wir die Aktien dieser Unternehmen auch zu einem guten Preis bekommen. Da ist es oft hilfreich, wenn ein Markt oder eine Region gerade aus irgendeinem Grund von den Investoren gemieden wird. Dort können Sie dann die Substanzperlen reihenweise einsammeln.

Universal-Investment: Viele Investoren stehen Schwellenländeraktien aufgrund der erhöhten Volatilität kritisch gegenüber. Welche Argumente sprechend für ein finanzielles Engagement in die Emerging Markets?

Es ist grundsätzlich ein Vorurteil, dass die Emerging Markets volatiler sind

Axel Krohne

Krohne: Es gibt ein paar Ausnahmen, aber grundsätzlich ist es ein Vorurteil, dass die Emerging Markets volatiler sind. Allerdings sitzt dieses Vorurteil auch bei den Profis schon seit vielen Jahren fest in den Köpfen. Schwellenländerbörsen werden reflexartig mit einem höheren Risiko gleichgesetzt. Vor einem Jahrzehnt, als wir den großen Schwellenländer-Hype hatten, war es noch genau umgekehrt. Alle Welt hat die aufregenden Wachstumsraten in den Emerging Markets bejubelt, ihre Wettbewerbsfähigkeit, ihren Nachholbedarf, die demografischen Trends. Damals haben die Investoren die Risiken ausgeklammert. Heute sind es die positiven Faktoren, die keiner mehr sieht, obwohl sie natürlich immer noch da sind und volkswirtschaftlich voll zum Tragen kommen. Es wird noch Jahre dauern, bis die Chancen der Schwellenländer wieder voll im Blickfeld stehen. Deshalb tut jeder Anleger gut daran, jetzt in den Emerging Markets zu investieren, bevor der große Ansturm wieder losgeht.

Universal-Investment: Welche Einzeltitel haben zuletzt besonders im Fondsportfolio überzeugt?

Krohne: Eine unserer erfolgreichsten Positionen war zuletzt Dangote Sugar aus Nigeria. Wir haben die Aktie im März gekauft, und sie hat inzwischen schon 140 Prozent zugelegt. Nigeria hat letztes Jahr eine starke Abwertung seiner Währung hinnehmen müssen, wodurch sich auch der Aktienmarkt dort ziemlich verbilligt hat. Dangote Sugar wurde dadurch zu einem Schnäppchen. Das Unternehmen ist sehr solide und erwirtschaftet schon seit Jahren konstant Gewinne. Sehr viel Freude macht uns auch STI Education Systems, ein
Bildungsanbieter, der auf den Philippinen über 70 Schulen betreibt. Diese Aktie haben wir erst vor ein paar Wochen erworben, und sie liegt bereits gut zwölf Prozent im Plus. 

Autor: Axel Krohne und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 03.11.2017