Mit Häuserbau lässt sich auch auf der britischen Insel gutes Geld verdienen Foto: kelvinjay Quelle: iStock

„Nur ein positiver EVA und deutlicher Bewertungsabschlag zählen“

Autor: Gerd Guba, Belvoir Capital und Timo Lüllau

Mit drei ineinandergreifenden Analyseansätzen filtert Gerd Guba, Fondsmanager bei Belvoir Capital, die passenden Aktien fürs Portfolio des Belvoir Capital Allocation II Universal (DE000A0RA4N9) heraus. Wie wichtig es ist, dabei auch immer das Risikomanagement im Blick zu haben, erläutert Guba im Gespräch mit Universal-Investment

Gerd Guba, Portfoliomanager Belvoir Capital Quelle: Belvoir Capital

Universal-Investment: In Zeiten von Nullzinsen stellen Aktieninvestments eine sinnvolle Investmentalternative dar. Nach welchen Kriterien werden die Einzeltitel für das global ausgerichtete Portfolio ausgewählt?

Guba: Unser Selektionsprozess besteht bei Aktien aus drei vernetzten Analysemethoden: Der fundamentalen, der technischen und der statistischen Analyse. Die ersten beiden betrachten die Einzeltitel unabhängig voneinander. Daraus resultiert jeweils ein positives oder negatives Urteil. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir einen deutlich positiveren Erwartungswert erzielen, wenn wir nur die Aktien für die statistische Analyse berücksichtigen, für die sowohl die fundamentale wie auch die technische Analyse in einer positiven Einschätzung resultieren. Abgeschlossen wird die Gesamtanalyse, indem wir nur bei der resultierenden Schnittmenge mittels statistischer Berechnungen und unter Einbezug des Risikomanagements untersuchen, ob diese Investments eine positive Ergänzung im Gesamtportfoliokontext darstellen. Erst wenn das Gesamtbild stimmig ist, treffen wir eine Kaufentscheidung. So finden wir selbst in überkauften Aktienmärkten noch interessante Titel.

Universal-Investment: Inwiefern unterscheidet sich ihr Multi-Asset-Fonds von der Konkurrenz?

Guba: Bei unserem Ansatz hat die technische Analyse sämtlicher Aktien den gleichen Stellenwert wie die Fundamentalanalyse. Das dürfte bei anderen Investmentansätzen nicht in diesem Ausmaß der Fall sein. Dabei bedienen wir uns seit Jahren erprobter Methoden und optimieren diese stetig. In Bezug auf die Fundamentalanalyse kaufen wir nur Aktien, bei denen wir einen Bewertungsdiscount von mehr als 20 Prozent sehen und welche einen positiven EVA (Economic Value Added) aufweisen, also eine ökonomische Überrendite erwirtschaften. Außerdem gibt es bei uns keine Hausmeinung, an die sich der Fondsmanager halten muss. Sehen wir kurzfristig mehr Risiken als Chancen, wie beispielsweise momentan auf der Rentenseite, haben wir die Freiheit, in einer Anlageklasse auch überhaupt nicht investiert zu sein. Wir leben unsere taktischen Bandbreiten aus. Dabei werden fast ausschließlich Aktien, Anleihen, Edelmetalle und Derivate eingesetzt.

Universal-Investment: Wie lange werden die Titel durchschnittlich gehalten?

Guba: Wir halten jeden Titel so lange, wie wir von ihm überzeugt sind und weiteres Kurspotenzial sehen. Das bedeutet, dass wir nur Titel im Portfolio belassen, welche wir heute auf aktuellen Levels und unter neutraler Neubeurteilung wieder kaufen würden. Wir haben jedoch auch Titel seit Jahren im Portfolio, andere wiederum halten wir nur für einige Wochen, wenn wir unser Kursziel schneller als gedacht erreicht haben oder sich unser Urteil geändert hat. Einer unserer erfolgreichsten Titel ist der englische Häuserbauer Bellway, der direkt nach der Brexit-Entscheidung bis zu 40 Prozent an Wert verloren hat. Obwohl der Wert aus unserer Sicht fundamental schon damals sehr günstig war, warteten wir das technische Kaufsignal ab und nahmen Bellway nach der folgenden bestandenen statistischen Analyse in den Fonds auf. Seit der Brexit-Entscheidung legte
der Titel bereits über 90 Prozent an Wert zu. Wir sind bei diesem Titel von weiterem Kurspotenzial überzeugt.

Universal-Investment: Welchen Stellenwert hat das Risikomanagement?

Guba: Einen sehr hohen. Bei kurzfristigen Brandherden setzen wir zur Absicherung gerne Index-Futures ein, die unserem Aktienportfolio charakteristisch am ehesten entsprechen. Sehr niedrige Volatilitäten, wie wir sie seit Monaten an den Aktienmärkten haben, nutzen wir vermehrt zum Kauf von günstigen Put-Optionen – vor allem dann, wenn wir zwar Aktien haben, von welchen wir überzeugt sind, uns jedoch kurzfristig vor markanten Kursrückgängen schützen wollen. Die Vorteile von Put-Optionen sind dabei vor allem, dass das asymmetrische Risikoprofil zu unseren Gunsten ausfällt: Der maximale Verlust ist von vornherein klar definiert, das Gewinnpotenzial jedoch viel größer. Erst recht, wenn die Kurse fallen und gleichzeitig die Volatilitäten steigen. 

Autor: Gerd Guba, Belvoir Capital und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 03.11.2017