Die Kritik an der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist für Fondsberater Stefan Duchateau unbegründet Foto: instamatics Quelle: iStock

„Die EZB hat bisher alles richtig gemacht“

Stefan Duchateau, Fondsberater des PTAM Global Allocation Fund UI (DE000A1JCWX9) will mit dem richtigen Mix aus Anlageklassen und Märkten eine gleichbleibend gute Rendite erzielen. Zusätzlich soll ein dynamisches CPPI-Modell für Anleger mit einem mittel- bis langfristigen Investmenthorizont für Kapitalschutz sorgen. Duchateau, der auch Teilzeitprofessuren an den belgischen Universitäten Brüssel und Leuven im Portfolio- und Risikomanagement innehat, erklärt im Gespräch mit ChampionsNews, wie dieser Ansatz umgesetzt wird.

Stefan Duchateau, PT Asset Management Quelle: PT Asset Management

Universal-Investment: Wie wählen Sie Aktien für das Fondsportfolio aus? Welche Modelle nutzen Sie für Ihren Anlageprozess?

Duchateau: Unser Prozess für die Aktienauswahl beruht ausschließlich auf unserem Qualitäts-Preis-Modell. Hierbei handelt es sich um ein branchenführendes, ausgereiftes akademisches Modell mit hohem praktischen Nutzen. In diesem Modell können wir alle Faktoren integrieren, die die Qualität eines Unternehmens beschreiben, und diese Informationen mit dem relativen Preis zusammen auswerten. Wir haben die Rankingund Selektionsfähigkeiten dieses Modells stark verbessert und dafür gesorgt, dass es auf ein sehr breites Universum mit praktisch allen weltweit gehandelten Aktien angewendet werden kann.

Wir selektieren nur Aktien aus den oberen 30 Prozent unseres Universums und entfernen sie, wenn ihr Qualitäts-Preis-Verhältnis unter die 50-Prozent-Marke sinkt, weil der Preis in diesem Fall stärker gestiegen ist als die Qualität

Stefan Duchateau ,
Berater des PTAM Global Allocation Fund UI


Die qualitativen Aspekte eines Unternehmens werden anhand charakteristischer Parameter eng überwacht: Gesamtkapitalrendite, Wachstum der Gesamtkapitalrendite, Dividenden- und Gewinnwachstum, Risikoverhalten und Liquidität. Die Kursentwicklung wird vor allem über das Preis-Buchwert- und das Kurs-Gewinn-Verhältnis verfolgt. Dadurch können wir das Qualitäts-Preis-Verhältnis eines ausgesprochen großen Aktienuniversums (aus etwa 12.000 Titeln) standardisieren und die einzelnen Aktien entsprechend unserem Kriterium eindeutig klassifizieren. Dabei sind wir nicht nur an dem spezifischen Ranking einer Aktie interessiert, sondern verfolgen auch sehr genau, wie sie sich im Zeitverlauf entwickelt. Wir selektieren nur Aktien aus den oberen 30 Prozent unseres Universums und entfernen sie, wenn ihr Qualitäts-Preis-Verhältnis unter die 50-Prozent-Marke sinkt, weil der Preis in diesem Fall stärker gestiegen ist als die Qualität.

Universal-Investment: Welche Einzeltitel im Aktien- oder Anleihenuniversum hat Ihr Modell in letzter Zeit als Anlagechance identifiziert?

Duchateau: In Deutschland hat unser Modell zuletzt folgende Titel als attraktiv eingestuft: Als sich alle von Hugo Boss abwandten, zeigte unser Modell eine Unterbewertung, so dass wir die Aktie zu einem relativ niedrigen Kurs kaufen konnten. Ähnlich ging es uns mit KPS, Dürr oder Amadeus Fire. Im Europa-Universum hat uns das Modell eher untypische Aktien vorgeschlagen, die nicht unbedingt im Anlagefokus der breiten Masse stehen wie etwa Cellavision, Partners Group, Yandex oder Givaudan. In den USA haben wir in jüngster Zeit Apple, Facebook und Alphabet ausgewählt, die das Modell als Investment empfohlen hat. Ergänzt wurden diese Positionen etwa durch Skywork Solutions, IPG Photonics und Ubiquity Networks. Die Arbeit mit dem Modell erfordert Geduld, die sich langfristig durchaus als lohnenswert erweist.

Universal-Investment: Sie streben mit Ihrem Modell einen gewissen Kapitalschutz an. Wie wollen Sie den erreichen?

Duchateau: Der Fonds hat eingebaute Mechanismen, um das Anfangskapital über einen Anlagehorizont von etwa sechs Jahren möglichst zu schützen. Der Vorteil einer solchen dynamischen Portfolioabsicherungsstrategie (Constant Proportion Portfolio Insurance, kurz CPPI) auf Grundlage der Kalibrierung unserer Asset Allocation liegt darin, dass wir einen volatilen Markt einschätzen können, weil wir ziemlich genau wissen, wie viel Volatilität unser Fonds verkraften kann. Damit sind wir in der Lage, bei kurzzeitigen Rücksetzern unnötige Absicherungen zu vermeiden, die das Gewinnpotenzial schmälern und Kosten verursachen würden.

Universal-Investment: Sie betonen immer wieder, dass der Fonds seine langfristigen Gewinne aus der Asset Allocation und nicht aus der Einzeltitelauswahl zieht. Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Duchateau: Wir verfolgen einen Top-down-Selektionsprozess, der die Portfoliogewichtungen für die einzelnen Regionen, Länder, Branchen und Teilbranchen festlegt. Erst wenn diese Entscheidungen getroffen sind, werden auf Grundlage unserer Kriterien Einzeltitel ausgewählt. Unsere Regionen- und Branchenentscheidungen sind das Ergebnis unserer makroökonomischen Analyse, im Rahmen derer wir uns auf erwartete Risikoprämien, erwartete langfristige Zinsen und die Dynamik der Unternehmensgewinne in den einzelnen Branchen und Ländern konzentrieren. Ob die Vermögensstrukturierung oder die Branchenselektion im Portfoliomanagement den größten Beitrag liefert, ist tatsächlich eine interessante Frage.

Lange Zeit spaltete sie die Volkswirte in zwei Lager und wurde unglücklicherweise mit ziemlich folkloristischen Kommentaren beantwortet. Jüngere Forschungsergebnisse haben nun bestätigt, dass auf lange Sicht die Asset Allocation die Ergebnisse eines Portfoliomanagers bestimmt. Deshalb bestimmt bei uns ein striktes Asset-Allocation-Modell alle Entscheidungen im Portfolio, um eine kohärente und funktionierende langfristige Top-down-Analyse zu gewährleisten.

Universal-Investment: Die EZB bleibt nach wie vor bei ihrer lockeren Geldpolitik, den Anleihenkäufen und den Nullzinsen. Erwarten Sie bis Jahresende eine Änderung der EZB-Politik? Sehen Sie auch die Gefahren dieser Politik, wie etwa einen starken Inflationsanstieg und den konstanten Ankauf von Anleihen durch die EZB?

Duchateau: Auf die Gefahr hin, dass mich die Deutschen für meine Aussage steinigen: Bisher hat die EZB alles richtig gemacht. Angesichts der sehr kritischen Marktsituation im September 2011 pumpte der seinerzeit neu ernannte EZB-Präsident Mario Draghi Anfang November des gleichen Jahres Unmengen an Liquidität in den Finanzmarkt. Diesen notwendigen Schritt hat er offenbar ohne breite Unterstützung unternommen, obwohl jeder Volkswirt, der sich dieses Problem ernsthaft angesehen hat, zu demselben Schluss gekommen wäre. Eine sinnvolle und notwendige Entscheidung.

Negativzinsen waren das einzige probate Mittel der EZB, um die Banken zur Vergabe von Krediten an kleine und mittlere Betriebe zu zwingen, Unternehmen zu ermuntern, Risiken zu nehmen und zu investieren, sowie Anlagen in vermeintlich sichere deutsche Staatsanleihen unattraktiv zu machen. Letzteres kann durch (deutlich) niedrigere langfristige Zinsen erreicht werden, und zwar auf dem Weg über eine quantitative Lockerung durch den Ankauf konstanter Mengen an langfristigen Anleihen im Markt. Die Inflationsgefahr wäre lediglich realistisch, wenn die EZB an dieser Politik festhalten würde, nachdem die Wirtschaft klar auf dem Weg in eine nachhaltige Erholung ist. Obwohl sich die Lage verbessert, sind wir von einem solchen Szenario aber noch weit entfernt. Schließlich signalisieren die Inflationsindikatoren immer noch Werte deutlich unter dem Inflationsziel von zwei Prozent. 


Erscheinungsdatum: 16.10.2017