Factor-Investing-Strategien erfreuen sich bei institutionellen Anlegern stetig wachsender Popularität Foto: Pogonici Quelle: istockphoto.com

Factor Investing ist keine Modeerscheinung

Autor: Dr. Markus Brechtmann und Thorsten Schneider, Universal Investment

Factor Investing ist nicht nur in Europa in vieler Munde, sondern hat sich auch insbesondere in den USA in den letzten Jahren etabliert. Allein in Faktor-basierten ETFs wurde laut Bloomberg kürzlich das Anlagevolumen von 500 Milliarden US-Dollar überschritten – Tendenz weiter steigend.

Dr. Markus Brechtmann, Senior Portfoliomanager, Universal-Investment
Thorsten Schneider, Leiter Sales Institutionelle Investoren, Universal-Investment

Nicht zuletzt aufgrund dieser Entwicklung und des lang anhaltenden Niedrigzinsumfeldes ziehen Faktor-basierte Strategien weiteres Interesse an und Anlegergelder auf sich. Mangels attraktiver Investmentalternativen am Rentenmarkt widmen sich institutionelle Investoren vermehrt Factor-Investing-Strategien am Aktienmarkt, welche auch als alternative Risikoprämien- oder Smart-Beta-Strategien bezeichnet werden.

Dabei ist Factor Investing alles andere als neu. Als Ursprung des Factor Investing kann das Drei-Faktoren-Modell von Eugene Fama und Kenneth French angesehen werden, dass Anfang der 1990er Jahre entwickelt wurde. Seit dem ist klar, wissenschaftlich anerkannt und empirisch nachgewiesen, dass es nicht nur ein systematisches Risiko, sondern mehrere Risikoquellen mit entsprechenden Risikoprämien gibt. Entsprechend kann  das allgemeine Aktienmarktrisiko in einzelne Faktor-Risiken zerlegt werden. Factor Investing konzentriert sich in der Folge auf die renditetreibenden Faktoren, so dass Faktor-basierte Portfoliostrukturen bessere Rendite-Risikoprofile aufzeigen können. Zudem können die häufig knappen Risikobudgets der Investoren effizient eingesetzt werden, in dem mit ihnen möglichst viele Renditequellen angezapft werden. So kann es bei richtiger Umsetzung tatsächlich gelingen, mehr Rendite bei weniger Risiko zu erzielen als eine Buy-&-Hold-Strategie in einen marktwertgewichteten Aktienindex. Aus diesem Grund erfreut sich Factor Investing gerade auch bei institutionellen Anlegern stetig wachsender Popularität.

Erfolgsfaktor Risikomanagement

Entscheidend für den Erfolg einer Faktor-basierten Investmentstrategie ist oft weniger die Konstruktion ausgefeilter und immer neuer Faktoren, sondern vielmehr ein ausgewogener Mix aus mehreren anerkannten Faktoren. Über die „richtige“ Anzahl an Faktoren streitet die akademische und empirische Forschung fortwährend. In der Praxis bietet sich eine Kombination an aus bewährten Faktoren wie Momentum, Value, Size und Quality. Erfolgsversprechend ist es, auf mehrere Faktoren gleichzeitig zu setzen. Das Prinzip der Diversifikation über Faktoren ist extrem wichtig und wirkt sich erfahrungsgemäß sehr risikoreduzierend aus. Dadurch kann es gelingen, einen Mehrwert gegenüber der „blinden“ Investition in einen marktgewichteten Aktienindex zu erzielen.

Weiterentwicklung des Factor Investing zur Investitionsgradsteuerung

Viele Faktor-basierte Strategien basieren auf einer Querschnittsanalyse des Aktienuniversums und setzen im Bottom-up-Ansatz auf Aktien mit hohem Momentum, günstiger Bewertung, hoher Qualität oder niedriger Marktkapitalisierung. Letztendlich dominiert aber weiterhin das allgemeine Aktienmarktrisiko in einem derartigen Bottom-up-Faktor-Portfolio. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, die Investitionsgradsteuerung als integralen Bestandteil des Risikomanagements aus dem Blickwinkel des Factor Investings zu beleuchten. Ein eleganter Weg, um die Faktor-Risiken mit dem allgemeinen Marktrisiko in Einklang zu bringen, ist es, das Prinzip des Bottom-up-Factor-Investings auf die Top-down-Ebene zu übertragen. Dabei lassen sich mit vergleichbaren Faktoren wie Technik, Fundamental, Makro und Sentiment Zeitreihenanalysen durchführen, um so aus Sicht der unterschiedlichen Faktoren die Attraktivität des Aktienmarkts zu beurteilen.

So entsteht eine faktor-basierte Investitionsgradsteuerung, die in attraktiven Marktphasen ein höheres Aktien-Exposure und so höhere Renditechancen ermöglicht, in unattraktiven Marktphasen das Marktrisiko aber spürbar absichert. Idealerweise immer angepasst auf die jeweilige Risikotragfähigkeit des Anlegers. In der Summe profitieren Anleger so auch in Zeiten knapper Risikobudgets von einem möglichst optimalen Mix zwischen Faktor-Risiken und Marktrisiken, wobei das Gesamtrisiko deutlich gesenkt werden kann. 

Autor: Dr. Markus Brechtmann und Thorsten Schneider, Universal Investment
Erscheinungsdatum: 13.03.2017