So wie sich die Architektur kontinuierlich verändert hat, müssen Investoren auch bei Investments Neuerungen akzeptieren Quelle: KJL Capital

"Wir fokussieren uns auf die Konstruktion asymmetrischer Chance-Risiko-Profile"

Autor: Julien Florian Jensen, KJL Capital

In Zeiten exzessiver Geldpolitik und veränderten Gegebenheiten an den Finanzmärkten müssen Investoren umdenken. Eine flexible Asset Allocation und ein Risikomanagement, das die stärker schwankenden Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen berücksichtigt, sind hier eine mögliche Antwort, wie Julien Florian Jensen, Fondsberater des KJL Capital Absolute Return I (DE000A14N8N4/DE000A14N8P9) erläutert. Options- und Absicherungsstrategien können für zusätzliche Performancechancen sorgen.

Julien Florian Jensen, Managing Partner KJL Capital Quelle: KJL Capital

Aufgrund des im Niedrigzinsumfeld unattraktiven Risk-Return-Profils spielen Anleihen derzeit eine untergeordnete Rolle in der Asset-Allokation

Julien Florian Jensen

Universal-Investment: Herr Jensen, die sprunghafte Volatilität an den Aktienmärkten, die Nullverzinsung von Anleihen und die extremen Schwankungen in der Korrelation beider Anlageklassen sorgen bei den Investoren für neue Herausforderungen. Welche Investmentalternative bieten Sie den Anlegern?

Jensen: Die nahezu zehn Jahre andauernden massiven Zentralbankeninterventionen zwingen Investoren zunehmend, ihre Asset-Allokation zu überdenken. In unseren Augen ist die Adaption dieser „neuen Marktgegebenheiten“ eine große Herausforderung – aber auch Chance zugleich. Unser Anspruch ist es, alte Strukturen aufzubrechen und innovative Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. In der Praxis resultieren daraus eine flexible Asset-Allokation, ein innovatives Risikomanagement, das Erschließen alternativer Renditequellen sowie der Einsatz von Absolute-Return- und Hedging-Strategien.

Im Gegensatz zu vielen traditionellen Mischfondskonzepten, deren Schwerpunkt auf der Selektion von Einzelwerten im Bereich Aktien und Anleihen liegt, fokussieren wir uns auf die Konstruktion von asymmetrischen Chance-Risiko-Profilen durch Optionsstrategien in Kombination mit einem breit diversifizierten Kernportfolio, bestehend aus Aktien-ETFs, teils kurzlaufenden Anleihen guter Bonität sowie währungsgesicherten Gold-ETCs. Die Asset-Allokation erfolgt dynamisch, schwerpunktmäßig getrieben durch die Analyse makroökonomischer Modelle sowie auf Volatilitätsniveaus basierende quantitative Modelle. Hierbei liegt ein Hauptaugenmerk auf stringentem Risikomanagement. Die konsequente Umsetzung der Absicherungsstrategien minimiert Drawdowns und Volatilität.

Universal-Investment: Mit Optionsstrategien wollen Sie das Renditepotenzial von Aktien nutzen, und dies bei reduziertem Risiko. Wie setzen Sie das im Portfolio um?

Jensen: Optionsstrategien kommen auf unterschiedlichste Art und Weise zum Einsatz. Sie dienen einerseits der Risikosteuerung des Gesamtportfolios, andererseits werden sie genutzt, um eine zusätzlicheAufwärtspartizipation am Aktienmarkt bei fixem Risikobudget zu ermöglichen. Hierbei ist es essenziell, die Optionskonstrukte in Abhängigkeit von der Markterwartung exakt auf das Niveau der impliziten Volatilität sowie des Skews der Volatilitätskurve abzustimmen. Dementsprechend flexibel erfolgt der Einsatz im Portfolio. Während es beispielsweise in Phasen extrem niedriger impliziter Volatilität attraktiv sein kann, das Aktien-Exposure vollständig über Optionen abzubilden, nutzen wir starke Volatilitätsanstiege zum Verkauf von Volatilitätsspitzen.

Universal-Investment: Wodurch unterscheiden Sie sich am deutlichsten von anderen Mischfondskonzepten?

Jensen: Aufgrund des im Niedrigzinsumfeld unattraktiven Risk-Return-Profils spielen Anleihen seit der Fondsauflage sowie in der aktuellen Asset-Allokation eine untergeordnete Rolle. Das rührt neben Bonitäts- und Zinsrisiken insbesondere aus der teils positiven Korrelation zu Aktien, wodurch sich Anleihen aktuell weniger zur Stabilisation eines Portfolios eignen. Da klassische Buy-and-Hold-Ansätze bei den derzeit vorherrschenden hohen Bewertungsniveaus sowie sprunghafter Volatilität ebenfalls ein wenig attraktives Risikoprofil bieten, forcieren wir Lösungen, die auch volatile Seitwärtsphasen gewinnbringend und risikooptimiert nutzen. Darüber hinaus messen wir insbesondere Volatilität als alternativer Renditequelle einen hohen Stellenwert bei. Konkret resultiert daraus ein Zusammenspiel aus Investitionsquotensteuerung über Index Futures / ETFs und
Optionsstrategien, wodurch wir ein asymmetrisches Chance-Risiko-Profil des Gesamtportfolios erzielen. Dies ermöglicht das Erwirtschaften einer weitestgehend marktunabhängigen Performance.

Universal-Investment: Beschreiben Sie bitte abschließend die wichtigsten Schritte Ihres Investmentprozesses.

Jensen: Basierend auf makroökonomischen Modellen wird das Universum an Asset-Klassen analysiert und das erwartete Risk-Return-Profil jeder einzelnen prognostiziert. Im zweiten Schritt folgt eine Korrelationsanalyse der Asset-Klassen über verschiedene Zeiträume, mit dem Ziel, eine aus Risikogesichtspunkten optimale Kombination zu definieren. Basierend auf den Ergebnissen der ersten beiden Schritte erfolgt die Allokation auf die einzelnen Positionen. Der Prozess wird komplementiert durch den Einsatz von Optionsstrategien, die das Risk-Return-Profil des Portfolios für das angestrebte Renditefenster optimieren. Abschließend findet ein täglicher Abgleich der Entwicklung mit dem prognostizierten Szenario statt, um bei Abweichungen korrigierend einzugreifen und Risiken frühzeitig zu minimieren. 

Autor: Julien Florian Jensen, KJL Capital
Erscheinungsdatum: 27.10.2017