Henning Gebhardt: „Bis zum Ende des Jahres kann der Markt wieder seine alten Höchststände erreichen“ Quelle: Berenberg

Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte

Autor: Henning Gerhardt, Berenberg, und Timo Lüllau

Der bekannte Fondsmanager Henning Gebhardt betreut seit seinem Wechsel zu Berenberg den Berenberg Aktien – Strategie Deutschland (LU0146485932). Er will so an seine erfolgreichen Zeiten bei der DWS anknüpfen und seiner bewährten All-Cap-Strategie mit Fokus auf Wachstumstitel treu bleiben. Im Gespräch mit Universal-Investment erläutert der Head of Wealth and Asset Management bei Berenberg, warum gerade Nebenwerte eine entscheidende Rolle in seinem Ansatz spielen.

Langfristig hat sich gezeigt, dass gerade Nebenwerte in der Lage sind, eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen

Henning Gebhardt

Universal-Investment: Herr Gebhardt, mit dem Berenberg Aktien – Strategie Deutschland wird ein lang bewährtes Fondskonzept, das Sie mehr als 16 Jahre bei der DWS gemanagt haben, erfolgreich in ahnlicher Weise fortgesetzt. Womit kann der Investor rechnen?

Gebhardt: Mit dem Berenberg Aktien – Strategie Deutschland bleibe ich meiner Linie treu und führe die erfolgreiche All-Cap-Strategie mit Fokus auf Wachstumstitel fort. Basis für die Investmentphilosophie, die wir jetzt anwenden, sind zum Beispiel ein hoher Anteil an Nebenwerten und eine klare Über- oder Untergewichtung bei den größeren Titeln. Außerdem verfolge ich einen opportunistischen Ansatz. Der Fokus liegt auf Wachstumswerten, der Investmentlevel kann flexibel gesteuert werden.

Universal-Investment: Ein hoher Nebenwerte-Anteil ist ein wichtiger Part Ihrer Strategie. Was versprechen Sie sich von den Small und Mid Caps für Ihr Portfolio? Nach welchen Kriterien wählen Sie die passenden Nebenwerte fürs Portfolio aus? Auf welches Universum an Nebenwerten greifen Sie zurück?

Gebhardt: Langfristig hat sich gezeigt, dass gerade Nebenwerte in der Lage sind, eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen. Es gilt dabei, die „Hidden Champions“ zu finden, die sich langfristig besser als der breite Markt entwickeln können. Wir fokussieren uns auf aussichtsreiche Qualitätsunternehmen mit überdurchschnittlichen strukturellen Wachstums- und Erfolgsaussichten. Unser erster Blick fällt meist auf das Branchenumfeld und die Wettbewerbsposition, die das Unternehmen einnimmt. Dabei achten wir auf Antriebsfaktoren, wie zum Beispiel Nachfrage, Industriedynamik und Marktpotenzial. In Gesprächen mit dem Management prüfen wir, inwieweit eine angekündigte Strategie umgesetzt wird und wie sich die Anreiz- und Eigentümerstruktur gestaltet. Interessante Titel finde ich auch abseits der Benchmark (HDAX) – theoretisch kommen alle deutschen Aktien in Frage, auch Neuemissionen.

Universal-Investment: Welche Branchen oder Sektoren bevorzugen Sie derzeit im Portfolio?

Gebhardt: Branchenseitig setzen wir auf Industrietitel, Informationstechnologie, Konsum- und Gebrauchsgüter und auf Gesundheitswerte. Vor allem in diesen Sektoren lassen sich interessante Titel mit sehr guten strukturellen Wachstumschancen finden. Potenzial sehen wir da zum Beispiel bei der voranschreitenden Vernetzung zwischen industrieller Produktion und moderner Informations- und Kommunikationstechnik. Die Grundlage dafür bieten digital vernetzte Systeme – gerade hier haben einige kleinere deutsche Unternehmen interessante Lösungsansatze.

Universal-Investment: Nachhaltigkeit ist ein entscheidender Baustein Ihres Investmentkonzeptes. Welche Aspekte muss ein Titel erfüllen, um als nachhaltig eingestuft zu werden? Und wann hat der nachhaltige Titel dann die Chance, ins Portfolio aufgenommen zu werden?

Gebhardt: Die Frage, die man sich beim Thema Nachhaltigkeit stellen muss: Wie definiert man ein nachhaltiges Unternehmen? Wir orientieren uns bei unserer Analyse an sogenannten ESG-Kriterien – also Umwelt, Soziales und Unternehmensfuhrung. Vor allem der letzte Punkt spielt für uns bei der Auswahl der Unternehmen eine wichtige Rolle. In Gesprächen analysieren wir, ob das Management in der Lage ist, zukünftig nachhaltige Renditen für Shareholder zu erwirtschaften. Wir sind nicht an kurzfristiger Shareholder-Value-Maximierung interessiert. Andererseits geht es auch um die Risikoreduktion. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die kritische Lage der Automobilkonzerne – die Risiken und Auswirkungen sind nur schwer vollständig abzuschatzen, daher sind wir momentan in diesem Bereich nur sehr selektiv investiert.

Universal-Investment: Mit welchen Entwicklungen rechnen Sie im deutschen Aktienmarkt bis Ende des Jahres? Wird sich der anhaltende Aufschwung der deutschen Wirtschaft fortsetzen?

Gebhardt: Deutschland befindet sich wirtschaftlich in sehr guter Verfassung, die Gewinne der Firmen entwickeln sich gut. Das ist eine solide Basis für weitere Kurszuwachse. Der deutsche Markt kann innerhalb des europäischen Anlageuniversums weiterhin eine überdurchschnittliche Wertentwicklung aufweisen – die Binnenkonjunktur in Deutschland entwickelt sich stabil, da die relevanten makroökonomischen Daten und Stimmungsindikatoren sehr gut bleiben und weiter steigen. Kleinere Korrekturen schaden da nicht. Bis zum Ende des Jahres kann der Markt wieder seine alten Höchststände erreichen. Probleme könnten sich meiner Meinung nach nur dann ergeben, wenn es zu einem schnellen Zinsanstieg kommen würde, wovon wir aktuell aber nicht ausgehen. Belastend wirkt zurzeit zudem die Entwicklung des US-Dollars.

 

Autor: Henning Gerhardt, Berenberg, und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 03.11.2017