Positive Wirtschaftsprognose für Frontier Markets Foto: Jacek Sopotnicki Quelle: iStock

Investieren in Frontier Markets: Warum Anleihen aus Uruguay, Ghana und Co. attraktiv sind

Autor: Jetro Siekkinen, Aktia Asset Management

Anlagen in Schwellenländer wie die BRICs-Staaten finden sich inzwischen in vielen Depots, bieten sie doch langfristig interessante Renditen. Allerdings zeigen sich bei dieser Anlageklasse eine hohe Schwankungsrate und damit entsprechende Anlagerisiken. Exotischer dagegen sind Anlagen aus den sogenannten Frontier Markets wie Ägypten, Nigeria oder der Dominikanischen Republik. Rentenpapiere aus diesen Grenzmärkten bieten oft zweistellige Renditen bei einer deutlichen niedrigeren Schwankungsbreite. Zudem besteht bei Anleihen in lokalen Währungen wie dem ghanaischen Cedi gegenüber US-Dollar und Euro ein Aufwertungspotenzial. Für Anleger also eine gute Beimischung im Portfolio – wenn man die damit verbundenen Risiken kennt und beherrscht.

Jetro Siekkinen, Lead-Portfoliomanager und stv. Geschäftsführer von Aktia Asset Management Quelle: Aktia Asset Management

Anlagen in traditionelle Schwellenländer als auch in Frontier Markets sind in den meisten Fällen mit der Erwartung einer stärkeren wirtschaftlichen Entwicklung als in den Industrienationen verbunden: Die jeweilige Bevölkerung ist jung und aufstiegsorientiert und in vielen Ländern gibt es global gefragte Rohstoffe. Die klassischen Schwellenländer wie China oder Indien sind weiterhin attraktiv, jedoch in ihrer Entwicklung schon so weit fortgeschritten, dass der (Rendite-)Unterschied zu den Industrienationen zunehmen geringer wird. Zudem bergen die entsprechenden Rentenindizes einige Besonderheiten, die Investoren nicht immer bewusst sind. So bekommen Länder mit dem höchsten Emissionsvolumen, also einem hohen Verschuldungsgrad, ein höheres Indexgewicht als wirtschaftlich erfolgreichere Länder mit niedriger Verschuldung und damit niedrigerem Risiko.

Frontier Markets, also Grenzmärkte, wiederum haben derzeit eine laufende Rendite von 14 Prozent, das macht sie für Investoren attraktiv. Natürlich gibt es auch hier entsprechende Risiken, die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für die künftige Entwicklung. Aber eine historische Analyse zeigt die Dynamik der Frontier Markets und die zentralen Treiber dieser Volkswirtschaften, die auch in Zukunft greifen und sich entsprechend auf künftige Rendite auswirken sollten. Dazu zählen beispielsweise oft reichlich vorhandene Rohstoffe, eine junge Bevölkerung sowie eine wachsende Mittelschicht. Die nachholende Entwicklung ermöglicht es zudem, bei IT und Digitalisierung mehrere Technikgenerationen zu überspringen und direkt auf den aktuellen Stand der Technik zu setzen. Statt aufwändige Festnetztelefonie aufzubauen, investieren viele Frontier Markets direkt in den Ausbau der Mobilfunknetze, statt auf Banküberweisungen mit Papier wird Geld per SMS verschickt.

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Frontier-Markets-Anleihen liefern attraktive Renditen bei relativ niedrigen Schwankungen Quelle: Universal-Investment

Von Währungsaufwertungen profitieren

Investoren können sich bei Anleihen aus Frontier Markets häufig entscheiden zwischen sogenannten Hard Currency Bonds und Local Currency Bonds. Bei ersterem handelt es sich um Hartwährungsanleihen, also Anleihen, die in US-Dollar, britischem Pfund oder Euro emittiert sind, das Währungsrisiko ist entsprechend niedrig oder null. Letztere sind wiederum Anleihen, die in den jeweiligen Landeswährungen herausgegeben wurden.

Natürlich sind sogenannte Lokalwährungen wie das ägyptische Pfund oder der uruguayischer Peso weit weg von der Stabilität der großen Leitwährungen US-Dollar und Euro. Aber gerade das kann sie für Anleger interessant machen: Viele lokale Währungen bieten nach dem letzten Abwertungszyklus, dem größten seit der Finanzkrise 2008, noch ein von den Märkten weitgehend unerkanntes Aufwertungspotenzial. Zusätzlich von den oft zweistelligen laufenden Renditen bieten Lokalwährungsanleihen damit weiteres Renditepotenzial. Da setzt aber ein aktives Risiko- und Währungsmanagement voraus.

Entwicklung eines Basket von unterschiedlichen Frontier-Markets-Währungen gegenüber den Hard Currencies (auf 12 Monate rollierend)

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Frontier-Markets-Währungen bieten aktuell Aufwertungspotenzial Quelle: Aktia Asset Management

Weniger internationale Investoren führen zu mehr Stabilität

So exotisch Anleihen aus den Frontier Markets in den Ohren vieler Anleger klingen, so stabil sind sie in der Praxis, auch und gerade gegenüber dem US-Dollar und den Anleihen traditionellerer Schwellenländer. Das klingt auf den ersten Blick überraschend, dahinter steckt aber eine andere Anlegerstruktur. Die meisten Anleihen aus den Schwellenländern werden von internationalen Anlegern mit entsprechendem Risikoappetit und ETFs gehalten – damit verbunden sind große Schwankungsraten bei entsprechenden internationalen Nachrichtenschlagzeilen. Wenn beispielsweise die US-amerikanische Notenbank FED die Zinsen erhöht, bewerten diese internationalen Anleger ihre Schwellenländeranleihen neu, über Nacht können sich dann Kapitalströme umdrehen.

Bei den Frontier-Markets-Anleihen wiederum sind vor allem lokale Investoren aktiv, dazu zählen beispielsweise regionale Pensionsfonds oder andere Vorsorgeeinrichtungen. Diese Investoren sind langfristiger orientiert und schauen weniger auf internationale Schlagzeilen wie der FED oder einer Schuldenkrise in Italien. Zudem sind die Frontier Markets deutlich liquider als landläufig vermutet. Auch gibt es heute alle gängigen Finanzinstrumente. Neben Staatsanleihen gibt es auch T-Bills, Inflation Linked Bonds oder Papiere supranationaler Emittenten mit AAA-Rating. Und auch die Länderauswahl ist größer als die gängigen Indizes, die meist 15 Länder umfassen. Das Investmentuniversum, auf das Aktia Asset Management setzt, umfasst derzeit 110 Länder. Das ermöglicht es mit einem aktiven Anlageansatz attraktive Länder herauszufiltern und Staaten zu meiden, bei denen die wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Entwicklung negativ ist.

Nachhaltiger Ansatz elementar

Im Markt für Staatsanleihen, gibt es bis heute keine allgemein akzeptierten Methoden und Kriterien für verantwortungsvolles Anlegen wie es sie beispielsweise im Aktienmarkt gibt. In der Praxis hängt es oft davon ab, wie Länder bereit und willig sind, mit den Herausforderungen umzugehen. Allgemein lässt sich sagen, dass diejenigen Länder verantwortungsvoll handeln, denen es gelingt, ihren Bürgern ein gutes, qualitätsvolles Leben zu ermöglichen bzw. es zu verbessern. Kurzfristig gibt es immer wieder Entwicklungen, die sowohl die wirtschaftliche Entwicklung als auch die Lebensqualität immer wieder beeinträchtigen. Auf lange Sicht haben diejenigen Volkswirtschaften die höchste Wahrscheinlichkeit, Werte für ihre Bürger zu schaffen, die am besten regiert werden.

Anleger sollten deswegen Staatsanleihen immer auch aus einer Nachhaltigkeitsperspektive mit den folgenden Kriterien bewerten: politische Praxis, Stärke der Regierung, soziale Entwicklung, wirtschaftliche und finanzielle Stabilität, Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Schocks und der Reformbereitschaft. Ein Defizit bei einem der Kriterien kann verkraftbar sein. Defizite bei mehreren Kriterien, insbesondere in Kombination mit einer regressiven Politik sollten für Anleger zum Ausschluss entsprechender Länder führen.

Gerade bei Anlagen in Schwellenländer oder Grenzmärkte sollten Investoren immer bedenken, dass der Erwerb von entsprechenden Staatsanleihen die Entwicklung in diesen Ländern beeinflusst. Deswegen sollte man bei der Finanzierung entsprechender Staaten über Anleihen Nachhaltigkeitskriterien, aber auch die Menschenrechtslage immer beachten. Investitionen, Wachstum und die allgemeine Entwicklung von Schwellenländern profitieren meist davon, wenn sie stärker in das globale Finanzsystem integriert werden und so leichteren Zugang zu den internationalen Anleihemärkten mit besseren Konditionen bekommen. Dies ermöglicht entsprechende Verbesserungen beim Lebensstandard der breiten Bevölkerung. Wenn wiederum der Lebensstandard steigt, verbessern sich auch die Voraussetzungen, dass sich, insbesondere auf lange Sicht, die Menschenrechtslage verbessert.

Nachhaltigkeitskriterien sollten auch bei der Auswahl der geeigneten Finanzinstrumente eine Rolle spielen. Wenn man als Anleger eine Regierung nicht direkt über entsprechende Anleihen finanzieren möchte, weil zu wenig Transparenz über die Verwendung der Gelder besteht, bieten sich beispielsweise entsprechende Währungspositionen über FX-Derivate an. Sinnvolle Infrastrukturprojekte, die die soziale Entwicklung eines Landes fördern, können über den Erwerb von Anleihen supranationaler Emittenten unterstützt werden. So lässt sich weitgehend sicherstellen, dass Investitionen die Entwicklung eines Landes in die richtige Richtung fördern und so zu einem höheren Lebensstandard beitragen. Inflationsgesicherte Anleihen wiederum können für die jeweiligen Regierungen auch als Anreize gesehen werden, die Inflation nicht zu sehr ansteigen zu lassen, wovon wiederum die lokale Bevölkerung profitiert.

Bei Aktia Asset Management fließen alle diese Kriterien auf Basis qualitativer und quantitativer und qualitativer Analysen in ein entsprechendes Ampelsystem ein. Berücksichtigt werden dabei wirtschaftliche, soziale, politische und umweltfreundliche Entwicklungen der jeweiligen Märkte. Länder in der schwarzen Kategorie werden grundsätzlich ausgeschlossen. Bei Ländern in der roten Kategorie werden Finanzierungen von Regierungen über Staatsanleihen generell gemieden. Länder aus der gelben Kategorie werden aktiv überwacht und Anlagen sind eingeschränkt möglich. Die grüne Kategorie ermöglicht das gesamte Anlagespektrum und wird entsprechend präferiert.

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Positive Wirtschaftsprognose für Frontier Markets Quelle: Aktia Asset Management

Positive Wirtschaftsprognose für Frontier Markets

Die wirtschaftliche Entwicklung in den Schwellenländern wie in den Frontier Markets hat sich zuletzt weiter beschleunigt, angetrieben auch vom sich positiv entwickelnden Welthandel, der Erholung der Rohstoffpreise und der entgegenkommenden Geldpolitik der Zentralbanken. Ungeachtet der Prognose, dass die US-Notenbank FED die Zinsen schrittweise weiter erhöhen dürfte, bleibt das Sentiment für die Schwellenländer positiv: Das Wirtschaftswachstum der Schwellenländer sollte das der Industrienationen auch in den kommenden Jahren weiterhin deutlich übertreffen, langfristig gestützt von den Realzinsen und unterbewerteten Währungen.

Jüngst hat sich zwar die Unsicherheit an den globalen Finanzmärkten moderat erhöht durch die Rhetorik für eine Handelspolitik mit mehr Barrieren, dafür sind die geopolitischen Spannungen wieder spürbar zurückgegangen. Ausgeprägte Protektionismuswellen scheinen derzeit sehr unwahrscheinlich, da die negativen Auswirkungen allen Seiten sehr bewusst scheinen. Auch die vergleichsweise hohen Zinsen in den Schwellenländern und die sich weiter verbessernden wirtschaftlichen Fundamentaldaten ziehen unverändert entsprechende Kapitalströme an, die für Fixed-Income-Investoren einen entsprechenden Diversifikationsnutzen bringen. Auch die Energiepreise dürften sich längerfristig nach oben entwickeln, wovon die Schwellenländer unterm Strich profitieren sollten, da sie netto mehr Energie exportieren als importieren. Zwar haben steigende Ölpreise einen negativen Effekt auf Importeure, vor allem in Asien. Aber ein Blick auf die historischen Korrelationen zeigt, dass die negativen Effekte auf die Netto-Importeure nur dann die positiven Effekte auf die Exporteure überwiegen, wenn die Preise für ein Barrel Rohöl auf 85 bis 90 US-Dollar ansteigen. Politisch gesehen wird 2018 ein intensives Wahljahr, der größte Fokus dürfte dabei auf den Wahlen in Armenien, Aserbaidschan, Ägypten, Costa Rica, Georgien, Kambodscha, Pakistan und Turkmenistan liegen. 

Über Aktia Asset Management

Aktia Asset Management gehört zur börsennotieren finnischen Aktia Bank, die als Finanzgruppe Lösungen und Dienstleistungen rund um die Themen Banking, Asset Management, Versicherungen und Immobilien anbietet. Die Wurzeln der Aktia Bank reichen zurück bis 1825. Heute liegen die Assets under Management bei zwölf Milliarden Euro. Jetro Siekkinen baute seit 2006 eine sehr erfolgreiche Familie für Fixed-Income-Fonds auf. Das Team aus fünf Portfoliomanagern und drei Analysten steuert unter anderem vier verschiedene Anlagestrategien für Emerging Market Debt. Die Flaggschiffstrategie für Anleihen in Lokalwährungen wurde nur vier Wochen nach dem Lehman-Kollaps gestartet. Nachdem sich die Strategien zehn Jahre sehr erfolgreich in den skandinavischen Märkten etabliert haben, starte Aktia 2017 eine Kooperation mit Universal-Investment, um die Fonds auch europaweit zu vermarkten. Den Start machten die weltweit erste Frontier-Strategie, die auch im UI - Aktia EM Frontier Bond+ (ISINLU1669793744) umgesetzt wurde und die etwas traditionellere Strategie für Lokalwährungsanleihen mit dem UI - Aktia EM Local Currency Bond+ (LU1669794478). Aktuell sind in den beiden Fonds rund 500 Millionen Euro investiert.

Autor: Jetro Siekkinen, Aktia Asset Management
Erscheinungsdatum: 24.05.2018

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