„Die Anlage in unterbewertete Firmen mit guten Fundamentaldaten ist der beste Weg, für unsere Anleger langfristige Überrenditen zu erwirtschaften." Kurt Kara, Maj Invest, Foto: vladacanon Quelle: iStock

Fundamentaldaten spielen eine entscheidende Rolle

Autor: Kurt Kara, Ulrik Jensen und Timo Lüllau-Mortensen

Die dänische Investmentboutique Maj Invest hat sich dem klassischen Value Investing verschrieben. Die Leitsätze von Benjamin Graham und David Dodd sind die wichtigste Grundlage für ein Investment. Kurt Kara, Head of Global Value Equities, und Ulrik Jensen, Senior Portfolio Manager bei Maj Invest, erläutern im Gespräch mit ChampionsNews, wie sie die richtigen Titel fürs Portfolio des Maj Invest Global Value Equities (ISIN LU0976026111) herausfiltern.

Kurt Kara, Head of Global Value Equities, Maj Invest Quelle: Maj Invest

ChampionsNews: Weshalb glauben Sie, dass Substanzwertstrategien die besten Renditeergebnisse für das Portfolio des Maj Invest Global Value Equities (ISIN: LU0976026111) erwirtschaften?

Kara: Lassen Sie mich vorwegstellen, dass wir mit einer evidenzbasierten Anlagephilosophie und einem auf dieser Philosophie beruhenden Prozess arbeiten wollen. Was unsere Überzeugungen angeht, so glauben wir vor allem, dass Fundamentaldaten eine wichtige Rolle spielen und dass Märkte aufgrund irrationaler Verhaltensweisen der Anleger Chancen schaffen, die von Faktoren wie Angst, Gier, parallele Interessen, Überbewertung der eigenen Prognosefähigkeit et cetera bewegt werden.

Wir verwenden eine Substanzwertstrategie, weil wir keine Papiere erwerben wollen, die zum Kaufzeitpunkt mit einem Aufschlag gehandelt werden, das heißt, wir wollen nicht zu viel für ein Wertpapier bezahlen. Selbst Gold kann in unseren Augen zu teuer eingekauft werden – niemand sollte überbewertetes Gold mit unterbewertetem Silber kaufen. Die Anlage in unterbewertete Firmen mit guten Fundamentaldaten ist der beste Weg, für unsere Anleger langfristige Überrenditen zu erwirtschaften.

Die Anlage in unterbewertete Firmen mit guten Fundamentaldaten ist der beste Weg, für unsere Anleger langfristige Überrenditen zu erwirtschaften.

Kurt Kara
Ulrik Jensen, Senior Portfolio Manager, Maj Invest Foto: Maj Invest

ChampionsNews: Wie filtern Sie aus dem großen Universum für internationale Aktien die passenden unterbewerteten Kandidaten mit zukunftsfähigen Bilanzen heraus?

Jensen: Ein wichtiger Teil unseres Prozesses zur Suche neuer Kandidaten ist die Verwendung unseres firmeneigenen Punktesystems. Mit Hilfe dieses Systems vergleichen wir jedes Unternehmen in unserem Universum anhand von bis zu 155 unterschiedlichen Finanzkennzahlen mit seiner Branche und dem Referenzindex für globale Aktien (MSCI World). Die Einordnung des Wertpapiers in eine Rangliste folgt der Anlagephilosophie des Teams, die letztlich in einem Satz zusammengefasst werden kann: Der Preis ist das, was du zahlst; der Wert ist das, was du erhältst. In diesem Zusammenhang besteht die „Substanz“ oder Werthaltigkeit aus vielen Unterkomponenten, wie zum Beispiel der Werthaltigkeit einer soliden Bilanz oder der Werthaltigkeit einer guten Leistungshistorie. Das letzte Element des Punktesystems ist der „Preis“ als der tatsächliche Bewertungsmaßstab des Unternehmens. Diese Finanzkennziffern gelten für das jeweilige Unternehmen und unterscheiden sich von Firma zu Firma.

ChampionsNews: Warum konzentrieren Sie Ihr Portfolio auf 25 bis 35 Aktien? Warum sind 25 Aktien in Ihren Augen ausreichend, um ein Portfolio zu diversifizieren?

Kara: Unser Portfolio besteht aus 25 bis 35 Wertpapieren, weil der Diversifizierungseffekt bereits nach 15 Titeln im Portfolio einsetzt. Das systemische Risiko verschwindet also sehr schnell, wenn Anleger anfangen, ihr Portfolio zu diversifizieren. Darüber hinaus wollen wir, dass unsere Titelselektion den Gesamtertrag des Portfolios tatsächlich beeinflusst. Würden wir zusätzliche Kandidaten in das Portfolio aufnehmen, dann entstünde eine höhere Korrelation mit dem Indexertrag, einfach weil das Portfolio dem Index ähnlicher wäre.

ChampionsNews: Welche Aktien in Ihrem Portfolio waren in den vergangenen sechs Monaten besonders erfolgreich? Spielen Branchenpräferenzen für Ihre Titelselektion eine Rolle?

Jensen: Im Jahr 2018 erwirtschafteten sowohl das amerikanische Unternehmen O’Reilly Automotive als auch das deutsche Unternehmen MTU Aero Engines gute Erträge für unsere Anleger. O’Reilly Automotive entwickelte sich dieses Jahr positiv, weil die Firma bilanziell besser abschnitt als erwartet, besonders durch die steigenden Filialumsätze. Auch bei MTU Aero Engines beruhten die positiven Erträge im Jahr 2018 auf guten Unternehmenszahlen, denn MTU konnte die Erträge in seinem zivilen Neu- und Ersatzteilgeschäft steigern. Wir ziehen keine Branche einer anderen vor. Wir investieren schlicht in diejenigen Branchen, in denen wir attraktive Anlagemöglichkeiten sehen. 

Autor: Kurt Kara, Ulrik Jensen und Timo Lüllau-Mortensen
Erscheinungsdatum: 10.12.2018