Freund und Helfer: Künstliche Intelligenz öffnet das Sichtfeld der Menschen. Foto: mevans Quelle: iStock

Hinter dem Horizont geht es weiter

Autor: Stefan Riße und Timo Lüllau

Auf den ersten Blick sind für Menschen manche komplexen Zusammenhänge nicht erkennbar. Ihre Gedanken kreisen zu viel in ihren erlernten Mustern. Künstliche Intelligenz (KI) hilft Unternehmen, gewohnte Denkweisen zu durchbrechen. Wie bei der Aktienauswahl künstliche Intelligenz eingesetzt werden kann, erklärt Stefan Riße, Kapitalmarktstratege der ACATIS Investment Kapitalverwaltungsgesellschaft, anhand des Fonds ACATIS Global Value Total Return (ISIN DE000A1JGBX4) im Interview mit ChampionsNews.

Stefan Riße, Kapitalmarktstratege der ACATIS Investment Kapitalverwaltungsgesellschaft Quelle: ACATIS Investment

ChampionsNews: Herr Riße, bei der Vorauswahl der Titel des ACATIS Global Value Total Return (ISIN  DE000A1JGBX4) kommt seit Oktober 2016 künstliche Intelligenz zum Einsatz. Nach welchen Kriterien wählt das Convolutional Neural Network potenziell passende Aktien für das Portfolio aus, die unter Umständen ins Portfolio aufgenommen werden?

Riße: Die Vorauswahl der Aktien erfolgt in einem ersten Schritt durch ein von ACATIS entwickeltes Modell aus der künstlichen Intelligenz, das die Aktien in unserer ACATIS-Fundamentaldatenbank analysiert. Anhand von 55 Fundamentalkennzahlen werden diejenigen Aktien aus dem rund 2.500 Aktien großen Universum identifiziert, die kurz-, mittel- und langfristig eine Outperformance erzielen sollen. In der Regel ist dies rund ein Drittel des Universums. Zu den Kriterien gehören ganz klassische Kennzahlen wie Dividendenrendite, Umsatz, Gewinn oder auch Buchwert. Im nächsten Schritt durchlaufen die selektierten Titel unsere Value-Filter. 50 Titel, die besonders positive Auffälligkeiten bei Value-Kennziffern und eine gute Bewertung haben, werden dann nach qualitativen Aspekten vom Fondsmanagement detaillierter analysiert. Die Aktien werden im Fonds gleichgewichtet und im Schnitt alle ein bis drei Jahre durch neue Titel ersetzt.

ChampionsNews: Welche Vorteile sehen Sie im Einsatz von künstlicher Intelligenz? Werden auf diese Weise noch Titel bei der Vorauswahl erkannt, die Sie nicht bereits selbst durch Ihren aktiven Investmentansatz unter Beobachtung haben?

Riße: Zunächst einmal lassen sich durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz Datenmengen verarbeiten, die manuell nicht zu verarbeiten wären. Was das Machine Learning aber vor allem ermöglicht, ist das Aufspüren von Zusammenhängen verschiedener Kennzahlen innerhalb eines Unternehmens, innerhalb von Branchen, branchenübergreifend und auf der Zeitachse. Hier untersucht die KI Zusammenhänge, auf die wir als Menschen gar nicht kommen würden, weil sie zu komplex erscheinen würden. Das bedeutet aber nicht, dass es sie nicht gibt. Wir sind als Mensch durch unsere Erfahrung vorgeprägt und denken daher in erlernten Mustern, die Maschine ist unvoreingenommen. Das öffnet das Sichtfeld.

Was das Machine Learning aber vor allem ermöglicht, ist das Aufspüren von Zusammenhängen verschiedener Kennzahlen innerhalb eines Unternehmens, innerhalb von Branchen, branchenübergreifend und auf der Zeitachse.

Stefan Riße

ChampionsNews: Welche Titel haben sich zuletzt als besonders erfolgreich fürs Portfolio erwiesen, und warum wurden sie ausgewählt?

Riße: Einen schönen Beitrag leistete zuletzt Swedish Match AB, ein sehr geschichtsträchtiger Industriekonzern aus Stockholm mit Ausrichtung auf Tabak- und Streichholzproduktion. Er hat seinen Ursprung in der „Svenska Tändsticksaktiebolaget“, die im Jahr 1917 vom späteren „Zündholzkönig“ Ivar Kreuger gegründet wurde. Ivar Kreuger wurde auf tragische Weise weltbekannt. Kurz vor dem Konkurs seines Trusts beging er Selbstmord in Paris. Das Unternehmen wurde am Ende gerettet und existiert heute noch. Ebenfalls einen positiven Beitrag leistete die Microsoft Corporation, die unter anderem durch das Cloud-Geschäft wieder in der ersten Technologieliga mitspielt. Da die Auswahl bei allen Titeln nach quantitativen fundamentalen Kriterien passiert, ist die Begründung für die Auswahl eher banal. Die KI und anschließend der Fondsmanager haben sie anhand der guten Kennzahlen und Bewertung herausgepickt.

ChampionsNews: Wie variabel ist die Investitionsquote?

Riße: Der Fonds wird durch eine quantitative Investitionsgradsteuerung gemanagt, diese erfolgt durch Universal-Investment. Somit wird auf zwei unterschiedliche Performance-Quellen zurückgegriffen: Alpha durch Titelselektion und Beta durch Investitionsgradsteuerung gemäß Bottom-up- und Top-down-Einschätzung. Die Aktienquote kann von null bis 110 Prozent gehen. Der Fonds ist also äußerst flexibel. 

Autor: Stefan Riße und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 07.12.2018