Die Auswahl der innovativen Unternehmen erfolgt über ein wissenschaftlich erprobtes Vorgehen, der ICA-Methode (Innovation Capability Analytics), Foto: Menno van Dijk Quelle: iStock

Die Spitzenreiter: Hoch hinaus mit Innovationen

Autor: Professor Dr. Leo Brecht und Timo Lüllau

Ob innovative Softwarelösungen in der Strahlentherapie von Krebs oder neu entwickelte Flugzeugkomponenten – agile Innovationstreiber optimieren Produktionsprozesse so weit, dass sie unverzichtbar für die Wirtschaft werden können. Der daraus resultierende Verdienst kann eine überdurchschnittliche Aktienperformance sein. Daher zielt der Fonds ALPORA Global Innovation (ISIN DE000A2AJHH5) darauf ab, in die besten innovativen Unternehmen zu investieren. Professor Dr. Leo Brecht, Vorstand von ALPORA und Lehrstuhlinhaber an der Universität Liechtenstein für den Lehrstuhl „Entrepreneurship und Technologie“, erklärt im Interview mit ChampionsNews, wann für ihn ein Unternehmen innovativ ist und wie er bei der Aktienauswahl wissenschaftlich vorgeht.

Professor Dr. Leo Brecht, Vorstand von ALPORA und Lehrstuhlinhaber an der Universität Liechtenstein für den Lehrstuhl Entrepreneurship und Technologie Quelle: Alpora

ChampionsNews: Sie legen den Fokus auf innovative Unternehmen im ALPORA Global Innovation (ISIN DE000A2AJHH5) . Nach welchen Kriterien filtern Sie die passenden Aktien fürs Portfolio heraus? Und wie entscheiden Sie, welche mögliche Unternehmensentwicklung als innovativ angesehen werden kann?

Brecht: Die Auswahl der innovativen Unternehmen erfolgt über ein wissenschaftlich erprobtes Vorgehen, der ICA-Methode (Innovation Capability Analytics), die aus quantitativen Berechnungen eine Rangliste der innovationseffizientesten Unternehmen erstellt. Die besten Unternehmen werden mittels einer Fundamentalanalyse auf finanzielle Risiken überprüft, und gegebenenfalls werden einzelne Titel ausgeschlossen. Anschließend wird in die verbleibenden besten 30 Unternehmen der Rangliste investiert. Die Gewichtungen der einzelnen Titel ergeben sich aus der individuellen Innovationskraft der Unternehmen, wobei quartalsweise ein Rebalancing der Gewichtungen durchgeführt wird. In einem jährlichen Zyklus erfolgt eine Aktualisierung der Analysen gemäß der ICA-Methode und eine Erneuerung des Portfolios, wobei circa 30 bis 40 Prozent ausgetauscht werden. Der ALPORA-Ansatz fokussiert sich bewusst auf die Innovationskraft von Unternehmen und basiert auf rein quantitativen Analysen. Der objektive Ansatz von ALPORA differenziert sich somit deutlich von bestehenden Anlagestrategien.

ChampionsNews: Sie sprechen immer wieder davon, dass bevorzugt innovationseffiziente Unternehmen für das Portfolio interessant sind. Wie können Sie anhand der ICA-Methode die Effizienz sinnvoll herausfiltern?

Brecht: Die innovationseffizientesten Unternehmen weisen eine überdurchschnittliche Aktienperformance aus. Diese Unternehmen, aus unterschiedlichen Regionen und Branchen, haben besonders innovative Produkte, Dienstleistungen, Prozesse oder auch Geschäftsmodelle und sind häufig auch Technologieführer in ihrem Bereich. Die Top-Innovatoren ermitteln wir mit der wissenschaftlich erprobten ICA-Methode, die das Verhältnis eines Unternehmens aus Inputs und Outputs im Bereich Innovation über ein quantitatives Maximierungsverfahren berechnet. Dabei werden alle Unternehmen direkt miteinander verglichen und anschließend die Innovationskraft der einzelnen Unternehmen berechnet. Dadurch ist es möglich, die Innovationskraft eines Unternehmens mit einem spezifischen Wert, ähnlich der Berechnung des Wertes EVA (Economic Value Added), zu belegen.

Das Ergebnis der Berechnungen ist die „Effizienzlinie" (Efficient Frontier). Unternehmen auf dieser Effizienzlinie sind Top-Innovatoren. Dagegen haben Unternehmen unterhalb der Effizienzlinie nachweisbare, quantifizierbare Ineffizienzen. Wir betrachten auch Merkmale wie beispielsweise die Wissensgenerierung im Unternehmen durch Trainings sowie die allgemeine Innovationskultur. Zudem wird betrachtet, in welchem Maße das Unternehmen auf Kooperationen mit Universitäten et cetera setzt, um externe Meinungen und Erkenntnisse in den Forschungs- und Entwicklungsprozess einzubeziehen.

ChampionsNews: Welche Titel haben sich aufgrund der ICA-Methode als besonders erfolgreich fürs Portfolio erwiesen?

Brecht: Aus dem aktuellen Portfolio können wir als Beispiele die RaySearch Laboratories AB und TransDigm Group hervorheben. Die schwedische RaySearch Laboratories AB mit Sitz in Stockholm entwickelt und vertreibt Softwarelösungen, die bei der Planung und Optimierung der Strahlentherapie von Krebspatienten eingesetzt werden. Die Innovationsaktivitäten der RaySearch Laboratories richten sich vor allem auf die fortwährende Weiterentwicklung von Softwarelösungen in der Strahlentherapie. Dabei steht im Vordergrund, die Software schneller und flexibel zu gestalten und die Nutzerfreundlichkeit für die Anwender in den Kliniken zu erhöhen. Für die Innovationsgenerierung bei RaySearch sind dabei vor allem Forschungskooperationen von Bedeutung. RaySearch arbeitet mit einer Reihe von Universitäten und Kliniken zusammen, die im Bereich der Strahlentherapie führend sind. Innerhalb dieser Partnerschaften können neue Funktionalitäten frühzeitig klinisch getestet und damit schneller in ein klinisches Umfeld überführt werden. RaySearch arbeitet etwa mit dem Massachusetts General Hospital (MGH) in Boston zusammen, das im Bereich der multikriteriellen Optimierung eine der führenden Krebskliniken in den USA ist. Des Weiteren hat RaySearch Laboratories ein eigenes Machine Learning Department gegründet, um neue Ansätze in diesem Bereich zu erforschen und sie in neue Softwarelösungen für die Strahlentherapie zu überführen. Mittels Machine-Learning-Ansätzen wird es möglich, die Strahlentherapie beim Patienten noch zielgenauer einzusetzen, um die Wirksamkeit der Therapie zu maximieren und negative Begleiterscheinungen zu reduzieren. RaySearch Laboratories ist mit ihren innovativen Softwarelösungen in einem Bereich aktiv, der immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Die US-amerikanische TransDigm Group mit Sitz in Cleveland ist aktiv in der Entwicklung, Produktion und dem Vertrieb von Flugzeugkomponenten. Das Unternehmen produziert Zündsysteme und -komponenten, Zahnradpumpen, mechanische sowie elektromechanische Aktuatoren und Kontrollen, Ni-Cad-Batterien und Ladegeräte, Aufbereitungsgeräte, Hold-Open-Rods und Arretierungslösungen, technische Anschlüsse sowie Schlösser, Cockpit-Sicherheitsgeräte und AC/DC-Elektromotoren. Die Innovationsaktivitäten der TransDigm Group fokussieren sich auf die stetige Verbesserung der Technologie und des Designs von technischen Luft- und Raumfahrtkomponenten und anderen Systemen. Dabei nutzt die TransDigm gezielt die Zusammenarbeit mit weiteren Unternehmen und auch Forschungsinstitutionen, um von externem Wissen zu profitieren. TransDigm arbeitet beispielsweise mit Flugzeugbauern und Systemanbietern zusammen, um Lösungen und Innovationen zu entwickeln, die das Gewicht reduzieren, die Zuverlässigkeit erhöhen und die Effizienz der Flugzeuge verbessern. Dazu gehören auch Aktivitäten im Bereich „Rapid Prototyping“. Hier werden Ideen bezüglich neuer Komponenten und Produkte möglichst früh in Prototypen überführt und anhand der Prototypen das technische wie wirtschaftliche Erfolgspotenzial der jeweiligen Ideen bewertet. Auf diese Weise kann die Agilität innerhalb der Entwicklung gesteigert und auch schnelles Kundenfeedback in den Entwicklungsprozess integriert werden. Die TransDigm Group unterstützt so mit ihren innovativen Komponenten Airlines bei der Steigerung ihrer Effizienz.

Der Wertbeitrag der Innovatoren in den einzelnen Marktkapitalisierungsklassen unterscheidet sich je nach Marktphase. Große Unternehmen können ihre Innovationskraft dabei vor allem in schwierigen Marktphasen ausspielen.

Professor Dr. Leo Brecht

ChampionsNews: Den stärksten Performancebeitrag haben Small und Mid Caps in Ihrem Portfolio geleistet. Haben es große Unternehmen aufgrund ihrer Strukturen einfach schwerer, Innovationstreiber zu sein?

Brecht: Wir investieren in Innovatoren in allen Marktkapitalisierungsklassen. Der Wertbeitrag der Innovatoren in den einzelnen Marktkapitalisierungsklassen unterscheidet sich je nach Marktphase. Große Unternehmen können ihre Innovationskraft dabei vor allem in schwierigen Marktphasen ausspielen. Neben Produkt- und Dienstleistungsinnovationen stehen vor allem Prozessinnovationen im Fokus vieler großer Unternehmen. Hierbei geht es darum, zum Beispiel Produktionsprozesse derart zu optimieren, dass Produktionszeiten und -kosten reduziert und die Produktqualität und die Flexibilität gesteigert werden. Auch große Unternehmen können also durchaus innovativ sein und einen signifikanten Beitrag zum Erfolg des Portfolios beitragen. 

Autor: Professor Dr. Leo Brecht und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 29.11.2018