Neue Investitionsprojekte auf dem Vormarsch: Die Bundesregierung plant den Ausbau der Infrastruktur in Deutschland Foto: bluejayphoto Quelle: iStock

Wachsende Bevölkerung erhöht die Nachfrage nach Infrastruktur

Autor: Rainer Fritzsche, OVIDpartner und Timo Lüllau

Infrastrukturthemen gewinnen weiter an Bedeutung. So stellte beispielsweise die Bundesregierung ihre Pläne zu neuen Infrastrukturprojekten vor. Die Bundesregierung, aber auch andere Länder rund um den Globus haben ihren Nachholbedarf längst erkannt.

Rainer Fritzsche, Geschäftsführender Gesellschafter, OVIDpartner Quelle: Universal-Investment

Gerade die wachsende Bevölkerung in Asien sowie Lateinamerika und ein immer stabileres Finanzsystem erhöhen die Nachfrage nach Infrastruktur. Was dies für den Publikumsfonds OVID Infrastructure HY Income UI (DE000A112T83/DE000A112T91) in Zukunft bedeutet, erzählt Rainer Fritzsche, Geschäftsführenden Gesellschafter der Investmentboutique OVIDpartner, im Interview mit ChampionsNews.

ChampionsNews: Herr Fritzsche, die neue Bundesregierung hat ihre Pläne hinsichtlich ihrer Infrastrukturprojekte bereits vorgestellt. Sie will beispielsweise das Breitband-Internet bundesweit ausbauen. Wie klingt das in Ihren Ohren?

Fritzsche: Der bundesweite Breitband-Internet-Ausbau ist ein Muss, damit der Industriestandort Deutschland konkurrenzfähig bleibt. Für uns ist der Infrastruktursektor Kommunikation ein wichtiger und interessanter Bestandteil des Portfolios. Entsprechende Unternehmen verfügen über sehr regelmäßige und sichere Zahlungsströme wie zum Beispiel Telekommunikationsgesellschaften. So etwas mögen unsere Investoren. Wir halten zurzeit rund 26 Prozent des Portfolios im Bereich Kommunikation. Ein anschauliches Beispiel einer Anleihe, in die wir seit der Auflage unseres Fonds im Jahr 2014 investiert sind, ist die der Unity Media (WKN A1YCRM) aus Köln.

ChampionsNews: Was bedeuten die Investitionspläne der Bundesregierung für den Fonds OVID Infrastructure HY Income UI?

Fritzsche: Das bestätigt ein weiteres Mal unsere Investitionsstrategie. Der Kommunikationsbereich ist breit gefächert. Es gibt Fest-, Mobilfunk- und Unternehmensnetze sowie Hardware- und Contentanbieter. Dies hilft uns bei der Diversifizierung. Wobei wir nicht nur in Deutschland, sondern weltweit investieren – zum Beispiel in die Anleihen von Colombia Telecom, KPN N.V. und Netflix.

ChampionsNews: Nicht nur Deutschland muss mehr in die Infrastruktur wie Straßen, Versorgungsnetze und Bildungseinrichtungen investieren. Ihr Fonds legt Kapital in Europa, in den USA, aber auch beispielsweise in Indonesien an. Welche Chancen sehen Sie gerade in diesen Regionen für den Fonds?

Fritzsche: Richtig, unser Fonds ist global aufgestellt und wir halten Anleihen von Unternehmen von allen fünf Kontinenten. Ein Schwerpunkt ist sicherlich Europa, denn das Fondsmanagement hat die Vorgabe immer mindestens 50 Prozent des Portfolios in Euro-denominierten Anleihen zu halten. Das spart schlichtweg Kosten der Währungsabsicherung. Im Rest der Welt investieren wir mit einem Hedge der Wechselkurse, weil wir diese zu 100 Prozent ausschließen wollen. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Investitionen in Asien und Lateinamerika gemacht – beispielsweise mit Anleihen von Unternehmen aus den Bereichen Infrastrukturimmobilien, Energie oder Logistik. Lateinamerika ist aktuell mit acht Prozent und Asien mit 14 Prozent gewichtet. In diesen Regionen erhöhen die wachsende Bevölkerung und ein immer stabileres Finanzsystem die Nachfrage nach Infrastruktur und damit unsere Investitionsmöglichkeiten.

ChampionsNews: Welches Investitionsprojekt gehört zu Ihren neuesten Errungenschaften?

Fritzsche: Zuletzt sind wir bei Nokia eingestiegen. Nach der Übernahme von Alcatel ist das Unternehmen mittlerweile der weltweit größte Ausrüster von Telekommunikationsnetzen. Da immer mehr Daten immer schneller übertragen werden, handelt es sich um einen riesigen Wachstumsmarkt. In zwei Jahren erfolgt voraussichtlich der Rollout von 5G, also der fünften Generation von Mobilfunknetzen. Das bedeutet einen gravierenden Technologiesprung, von dem Nokia als Weltmarktführer profitieren wird.

ChampionsNews: In Europa und den USA hat die Niedrigzinsphase ihren Wendepunkt längst erreicht. Die EZB fährt ihr Anleihekaufprogramm zurück. Das beschäftigt gedanklich natürlich auch Investoren besonders stark. Wie reagieren Sie in Zukunft auf möglicherweise stärker steigende Zinsen, da Anleihen hierbei im Kurs sinken können?

Wir suchen und identifizieren weltweit immer wieder Sondersituationen, die die Chance auf einen Extra-Ertrag bieten

Rainer Fritzsche

Fritzsche: Erstens glauben wir nicht an nachhaltig steigende Zinsen. So sehen wir bislang kaum Anzeichen für den Beginn einer Lohn-Preis-Spirale. Gleichzeitig agieren die Notenbanken insgesamt nach wie vor expansiv, allen voran die EZB und die Bank of Japan. Und zweitens agieren wir als Stockpicker. Wir suchen und identifizieren weltweit immer wieder Sondersituationen, die die Chance auf einen Extraertrag bieten. Das hängt vielfach mit zeitlich befristeten Ineffizienzen der Finanzmärkte zusammen. Sehen Sie sich zum Beispiel Jain Irrigation an. Das indische Unternehmen ist bei Mikrobewässerungssystemen für die Landwirtschaft mittlerweile weltweit die Nummer zwei, aber außerhalb von Asien kaum bekannt. Die entsprechende Anleihe muss daher eine deutlich bessere Rendite als US-Industrieanleihen mit vergleichbarer Laufzeit und vergleichbarem Rating bieten. Oder Bombardier. Hier gab es im vergangenen Jahr Gerüchte über eine Zerschlagung, was den Kurs belastete. Nach einer detaillierten Analyse haben wir hier unsere Position ausgebaut. Nachdem die Gerüchte sich als falsch herausgestellt haben, ist der Kurs wieder gestiegen. Mit dieser aktiven Buy-and-Hold-Strategie haben wir unser Ziel in den zurückliegenden drei Jahren erreicht. Wir schütten 3,5 bis fünf Prozent per annum an unsere Investoren aus – und zwar nach Kosten.

 

Autor: Rainer Fritzsche, OVIDpartner und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 08.05.2018