Kompass zur Investmentsteuerreform – die wichtigsten Änderungen zum Jahreswechsel 2017 /2018 im Überblick Foto: ipopba Quelle: iStock

Kompass zur Investmentsteuerreform

Autor: Universal-Investment

Universal-Investment listet die wichtigsten Änderungen durch die Investmentsteuerreform zum Jahreswechsel 2017/2018 noch einmal für die Fondspartner im Überblick auf.

1) Intransparentes Fondsregime:

Besteuerung von inländischen Beteiligungserträgen und sonstigen inländischen Einkünften bereits auf der Eingangsebene des Investmentfonds (15 Prozent Körperschaftsteuer inklusive Solidaritätszuschlag). Zu den sonstigen inländischen Erträgen sollen auch Erträge aus inländischen Wandel anleihen, Gewinnobligationen und rentenähnlichen Genussrechten gehören. Die Art der vom Fonds erwirtschaften Erträge ist nicht mehr von Relevanz. Mit dem neuen Recht fallen die steuerlichen Kennzahlen (Aktiengewinn, Zwischengewinn, Immobiliengewinn, etc.) ersatzlos weg. Es gibt keinen steuerlichen Ertragsausgleich und keine steuerlichen Gewinn- und Verlust vorträge mehr. Ebenso entfällt die Möglichkeit der Anrechnung aus ländischer Quellensteuer beim Anleger.

2) Teilfreistellungen:

Wegen der steuerlichen Vorbelastung bleiben ab 2018 Teile der Ausschüttung, der Vorabpauschale oder des Veräußerungsgewinns steuerfrei (bei Privatpersonen bis zu 30 Prozent). Veräußerungs verluste sind steuerlich innerhalb der Quoten nicht abzugsfähig. Regelungen müssen sich aus den Anlagebedingungen ergeben.

3) Vorabpauschale:

Prozentsatz in Bezug auf das Fondsvermögen zum Kalenderjahresanfang (erstmalige Berechnung am 31. Dezember 2018 mit steuerlichem Zufluss am 1. Januar 2019). Sie ersetzt die thesaurierten beziehungsweise
ausschüttungsgleichen Erträge und dient der Sicherung einer Mindestbesteuerung. Die Vorabpauschale ist der Betrag, um den die tatsächlichen Ausschüttungen eines Investmentfonds innerhalb eines Kalenderjahres 70 Prozent des Basiszins (30 Prozent können als Werbungskosten angesetzt werden) für dieses Kalenderjahr unterschreiten. Der Basiszins bestimmt sich nach der langjährigen Rendite öffentlicher Anleihen. Die Bundesbank leitet diesen Zinssatz aus der Zinsstruktur der Renditen für Bundeswertpapiere mit jährlichen Kuponzahlungen und 15-jähriger Restlaufzeit ab. Die Vorabpauschale fließt nicht am letzten Tag des Kalenderjahres zu, sondern gilt jeweils am ersten Werktag des folgenden Kalenderjahres als zugeflossen. Vom Anleger versteuerte Vorabpauschalen werden bei einer Veräußerung von Fondsanteilen steuermindernd angesetzt.

Wichtig zu beachten: Die Steuer auf die Vorabpauschale wird nicht zu Lasten des Investmentfonds durch Universal-Investment oder die Verwahrstelle gezahlt, sondern direkt von der inländischen depotführenden Stelle des Anlegers,  zum Beispiel durch Anteilverkauf oder durch Belastung des Girokontos.

4) Steuerliches Rumpfgeschäftsjahr 2017:

Alle Publikumsfonds mit einem vom Kalenderjahr abweichenden Geschäftsjahr legen ein steuerliches Rumpfgeschäftsjahr ein. Das investmentrechtliche Geschäftsjahr bleibt weiterhin bestehen. Die ausschüttungsgleichen Erträge gelten am 31. Dezember 2017 den Anlegern als zugeflossen und sind nach altem Recht zu versteuern („Zwangsthesaurierung“). Die Steuerliquidität wird von den Fonds zur Verfügung gestellt.

5) Ausschüttungen in 2018:

Sie unterliegen dem neuen Recht und sind immer voll steuerpflichtig. Es kann zu temporären Doppelbesteuerungen kommen, die sich aber bei Anteilveräußerung auflösen. Zwischenausschüttungen nach geltendem Recht bei Publikumsfonds in 2017 führen zu komplexen steuerlichen Abschlussarbeiten und können wegen der Vielzahl der steuerlichen Abschlüsse nur in Einzelfällen erfolgen. Bei Zwischenausschüttungen in 2017 ist zu beachten, dass in 2018 eine weitere (Zwischen-) Ausschüttung notwendig ist, da es sonst für das Jahr 2018 zum Ansatz der Vorabpauschale am ersten Tag des neuen Jahres 2019 kommt. Damit wäre die Steuerliquidität vom Anleger direkt zu zahlen.

6) Vereinfachte Ermittlung der Besteuerungsgrundlagen (Schätzthesaurierung):

Für alle Investmentfonds mit einem Rumpfgeschäftsjahr können die steuerlichen Daten des Rumpfgeschäftsjahres durch die KVG zunächst vereinfacht ermittelt werden. Es zählt dabei der Durchschnitt der ausschüttungsgleichen Erträge der letzten zwei Geschäftsjahre. Ist das Jahr, für das die Erträge ermittelt werden, ein Rumpfgeschäftsjahr (zum Beispiel 1.Oktober bis 31. Dezember 2017), ist ein Viertel des Durchschnittswertes anzusetzen. Vorabausschüttungen mindern den anzusetzenden Wert. Sind nur die Daten für ein vorheriges Geschäftsjahr verfügbar (zum Beispiel nach Auflage des Fonds), ist auf dieses Geschäftsjahr abzustellen. Die KVG muss den Wert der abzuführenden Kapitalertragssteuern (Steuerliquidität) für die Anteilwertermittlung aller Publikumsfonds bereits zum ersten Bewertungstag des neuen Jahres bereitstellen. Aufgrund der Vielzahl der steuerlichen Abschlüsse wurde die Erleichterung der Schätzthesaurierung den KVGs durch das Bundesministerium der Finanzen
eingeräumt. Für welche Fonds dies Universal-Investment anwenden wird, ist noch offen. Eine spätere Korrektur der vereinfacht ermittelten Besteuerungsgrundlagen kann unterbleiben, wenn die Höhe der tatsächlichen Besteuerungsgrundlagen (ausschüttungsgleiche Erträge) den im vereinfachten Verfahren ermittelten Wert um nicht mehr als 30 Prozent übersteigen. Es kommt damit zu einer Abweichung gegenüber den tatsächlichen Werten. Die Regelungen gelten auch für die Ziel-Investmentfonds in einem Dach-Investmentfonds, auch für die normalen Abschlüsse zum 31. Dezember 2017 (Geschäftsjahr = Kalenderjahr).

7) Fiktive Veräußerung der Fondsanteile:

Anteile an Publikumsfonds gelten am 31. Dezember 2017 als veräußert und am 01. Januar 2018 als angeschafft. Als Veräußerungserlös gilt der letzte im Kalenderjahr 2017 festgestellte Rücknahmepreis. Die Steuerliquidität, die die Investmentfonds den auszahlenden Stellen zur Erhebung der Kapitalertragsteuer zur Verfügung stellen, ist bei Ermittlung des Rücknahmepreises abzuziehen. Wenn ein solcher Wert nicht ermittelt wird, kann auf den ersten im Kalenderjahr 2018 festgesetzten Rücknahmepreis abgestellt werden. Der Veräußerungsgewinn ist aber erst zum Zeitpunkt der tatsächlichen Veräußerung zu versteuern. Es gelten die Besteuerungsregeln (zum Beispiel Steuersätze) des Jahres der tatsächlichen Veräußerung.

Bei Ziel-Investmentfonds, die von Dach-Investmentfonds gehalten werden, gilt diese Regelung nicht. Die Zurechnung der Veräußerungsgewinne auf die Ebene des Dachfonds erfolgt bereits zum 31. Dezember 2017 und nicht zum Zeitpunkt der tatsächlichen Veräußerung. Diese Regelung dient der Vereinfachung der technischen Umsetzung auf der Ebene des Dachfonds und hat keinen Einfluss auf die Anleger des Dachfonds.

8) Bestandsgeschützte Altanteile:

Der eigentlich unbegrenzt geltende Bestandsschutz für Kursgewinne aus Fondsanteilen, die vor 2009 gekauft wurden, wird zum 31. Dezember 2017 gekappt. Im Privatvermögen vor dem 1. Januar 2009 erworbene Anteile genießen mithin keinen unbeschränkten Bestandsschutz mehr. Wertveränderungen, die ab dem 1. Januar 2018 eintreten, werden bei der Veräußerung künftig erfasst. Ein im Veranlagungsverfahren anzusetzender Freibetrag in Höhe von 100.000 Euro pro Steuerpflichtigem soll die steuerlichen Wirkungen des Übergangs abmildern.

Wichtig zu beachten: Durch die fiktive Veräußerung am 31. Dezember 2017 wird der steuerfreie Gewinn auf der Ebene der depotführenden Stelle festgeschrieben. Eine Rückgabe solcher bestandsgeschützter Anteile in 2017 ist nicht notwendig.

9) Steuerliches Feststellungsverfahren für den fiktiven Gewinn beim Privatanleger:

Das ist grundsätzlich bei Privatanlegern nicht notwendig, da der Steuerabzug beim Anleger abgeltende Wirkung hat (Abgeltungssteuer), und die Investmenterträge nicht über die Veranlagung erfasst werden müssen.

10) Fonds und Anteilklassen für steuerbegünstigte Anleger:

Sie sind insbesondere für Kirchen und gemeinnützige Stiftungen im Hinblick auf die Steuerbefreiung von inländischen Beteiligungserträgen (vor allem deutsche Dividenden) möglich. Das ist nur sinnvoll bei Einhaltung der 45-Tage-Regelung. Wegen aufwändiger und komplexer Verfahrensvorschriften sind ein zeitlicher Vorlauf und entsprechende Volumen notwendig. 

Autor: Universal-Investment
Erscheinungsdatum: 04.01.2018