Der Steuermann ist alles entscheidend im Ruderachter Foto: ivansmuk Quelle: iStock

Konsequent und stringent auf Kurs

Autor: Stefan Kirchner und Timo Lüllau

Seit mehr als fünf Jahren verantwortet das Hamburger Family Office HONESTAS Finanzmanagement den FO Vermögensverwalterfonds und das Zusammenspiel ausgewählter Asset Manager. Welche Fähigkeiten und Stärken es braucht, um aus Managern mit vorgegebenen Strategien eine Mannschaft zu kreieren, in der sich die Potenziale multiplizieren, erläutern Stefan Kirchner, Geschäftsführender Gesellschafter von Honestas und die Segmentmanager Dominik Anderski (Flossbach von Storch), Sven Pfeil (Aramea Asset Management) und Martin Brückner (First Private Investment Management) im Gespräch mit ChampionsNews.

Stefan Kirchner, Geschäftsführender Gesellschafter, HONESTAS Finanzmanagement Quelle: HONESTAS Finanzmanagement

ChampionsNews: Herr Kirchner, das aktive Risikomanagement durch das Honestas Family Office spielt im FO Vermögensverwalterfonds (ISIN DE000A1JZLG8) eine maßgebliche Rolle. Wie sieht das im Detail aus?

Stefan Kirchner: Im FO Vermögensverwalterfonds werden die Segmente mit unterschiedlichen Anlagestrategien gezielt gewichtet. Der Fokus wird dabei auf eine möglichst geringe Korrelation der Investmentstile gelegt, um eine niedrige Volatilität auf der Gesamtfondsebene zu realisieren. Das Fundament hierfür bilden die strategischen und taktischen Anlagerichtlinien, die jeder Segmentmanager von uns erhält. Innerhalb dieser individuellen Rahmenvorgaben agieren die mandatierten Vermögensverwalter unabhängig voneinander. Zusätzlich teilen wir Risikobudgets zu. In negativen Marktphasen können diese konsequent reduziert werden, um nicht tolerierbare Verluste zu vermeiden oder erzielte Erträge zu sichern.

Das Risikomanagement wird über den Gesamtfonds sowie auf Segmentebene durchgeführt. Die Leistungen der einzelnen Verwalter stehen auf Tagesbasis unter Beobachtung. Die Analyse der Kennzahlen wird durch die Überwachung der Korrelationskoeffizienten sowie durch Stresstests, Sensitivitäts- und Szenarioanalysen ergänzt.

ChampionsNews: Herr Anderski, das vom Family Office Honestas erteilte Privatmandat ist mit seinen individuellen Anlagerichtlinien deutlich defensiver aufgestellt als die ansonsten von Ihrem Hause betreuten Portfolios. Welche Marktentwicklungen stellten Sie rückblickend vor die größten Herausforderungen, um die Vorgaben des Family Office zu erreichen?

Dominik Anderski: Unser Ziel ist ein robustes Portfolio, das den Wert des Vermögens bestmöglich schützt und mehrt. Im historischen Zinstief ist das eine anspruchsvolle Aufgabe. Als wir das Fondssegment vor fast fünf Jahren auflegten, rentierten zehnjährige Bundesanleihen noch bei knapp zwei Prozent. Im Laufe der Jahre fiel die Rendite zeitweise in den negativen Bereich. Nach Inflation schwindet derzeit der reale Wert eines Vermögens, das ausschließlich in traditionell als sicher geltende Zinstitel investiert wird.

Das Niedrigzinsumfeld ist zurzeit die größte Bürde für eine defensive Anlagestrategie, die zu einem großen Teil auf Rententitel setzt. Hinzu kamen zahlreiche Marktturbulenzen, wie der Flash Crash an den US-Börsen im August 2015, der Absturz des Ölpreises auf unter 30 US-Dollar pro Barrel, die aufkommenden Konjunktursorgen um China und ein Rückgang des DAX von nahezu 20 Prozent in den ersten sechs Wochen des Jahres 2016. Weitere Beispiele sind das Brexit-Referendum und ein Kursrutsch im DAX am Folgetag von fast sieben Prozent, die unsichere Erwartungslage bezüglich der überraschenden Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten im November 2016 oder die massive Aufwertung der europäischen Einheitswährung im vergangenen  Jahr – insbesondere gegenüber dem US-Dollar.

ChampionsNews:  Herr Pfeil, worin bestehen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für einen Manager unter einem Family Office als übergeordnete Kontroll- und Steuerungsinstanz zu agieren?

Sven Pfeil: Am Anfang stand ein intensiver Auswahlprozess. Einem detaillierten Fragebogen folgten umfangreiche Gespräche, in denen Honestas unseren Investmentprozess auf Herz und Nieren prüfte. Das Family Office verfolgt dabei ein klares Ziel und hat ein deutliches Anforderungsprofil formuliert. Insbesondere die Risiken möchten ganz genau verstanden werden. Die Aramea Asset Management, als Segmentmanager, steht in einem sehr engen Austausch mit Honestas und erhält fortwährend Feedback zur Segmentallokation, die über die zugeteilten Risikobudgets ausgerichtet wird.

Die von Honestas abgeforderten Informationen gehen deutlich über die gängigen Auswertungen hinaus und es wird regelmäßig über Chancen und Risiken in den von uns betreuten Segment gesprochen. Vor diesem Hintergrund stellt der FO Vermögensverwalterfonds eine interessante Anlagealternative dar, bei der unterschiedliche Marktsegmente mit der Expertise des Family Office kombiniert werden.

ChampionsNews: Herr Brückner, das Family Office Honestas achtet streng auf eine geringe Korrelation Ihres Segments „Absolute-Return“ zu den weiteren Mandaten im FO Vermögensverwalterfonds. Die aktiven Risikobudgets lassen Ihnen nur einen engen Handlungsspielraum. Welche Potenziale sehen Sie zukünftig für Ihre Segmentpositionierung?

Martin Brückner: Das zugewiesene Risikobudget, für das an uns mandatierte Segment, beträgt aktuell drei Prozent. Im Rahmen dieser Grenzen ist die Zielsetzung des Portfoliomanagements, eine möglichst unkorrelierte Wertentwicklung zu traditionellen Asset-Klassen wie Aktien oder Renten zu erreichen. Die von First Private Investment eingesetzten marktneutralen Strategien haben dazu geführt, dass in Phasen fallender Aktien- und Rentenmärkte Kursbewegungen abgemildert werden konnten.

Die Volatilitäten von traditionellen Anlagen wie Aktien und Renten – aber auch die Schwankungen bei marktneutralen Strategien – sind in den letzten Monaten auf zum Teil historisch niedrige Niveaus gefallen. Das hatte zur Folge, dass sich das Risiko des von uns betreuten Segments bei einer sehr niedrigen annualisierten Volatilität von unter zwei Prozent eingependelt hat.

Von außen wirkende Schocks und ein Zurückfahren der Geldmengen durch die Zentralbanken könnten diesen Status jedoch verändern. Die angesprochenen Rahmenbedingungen könnten Volatilitätsschocks und auch mittel- und langfristig höhere Volatilitätsniveaus verursachen. Abgesehen von den höheren Risikoniveaus ergeben sich für unsere marktneutralen Anlagenstrategien keine direkten Auswirkungen auf die Wertentwicklung. Es könnten sich sogar Opportunitäten zum Aufbau von Markt-Exposures ergeben oder die Risikoniveaus der marktneutralen Strategien erhöhen. Letzteres könnte höhere Risikoprämien nach sich ziehen.

Wie jeder guter Mannschaftscoach behalten wir unsere Spieler auf Tagesbasis im Auge

Stefan Kirchner

ChampionsNews:  Herr Kirchner, was müsste passieren, dass Sie die aktuelle Mannschaftsaufstellung verändern?

Stefan Kirchner: Wie jeder gute Mannschaftscoach behalten auch wir unsere Spieler auf Tagesbasis im Auge, analysieren und bewerten deren Leistung. In Hinblick auf Performanceentwicklungen und Risikokennzahlen werden Abweichungen von geplanten Zielkorridoren im Verhältnis zu den Marktgegebenheiten auf kurze Sicht toleriert. Wir stellen langfristig funktionierende Strategien nicht aufgrund temporärer Entwicklungen infrage. Eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Strategiekonzepte ist eine dauerhafte und konsequente Anlagedisziplin. Die Leistungen werden von uns rollierend über verschiedene Zeiträume ausgewertet und mit alternativen Managern und Strategien verglichen. Dauerhafte Fehlentwicklungen hinsichtlich Risk/Return wären Gründe, einen Segmentverantwortlichen auszuwechseln. Aktuell sind wir mit unserer Mannschaft im derzeitigen Umfeld jedoch optimal aufgestellt. 

Autor: Stefan Kirchner und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 15.02.2018