Die gesteigerte Nachfrage für alternative Energien und Elektromobilitätslösungen erhöht den Bedarf an Kupfer, Kobalt und Lithium Foto: shells1 Quelle: iStock

Der Kupferbedarf dürfte weiter steigen

Autor: Georges Lequime, Dr. Joachim Berlenbach und Timo Lüllau

Der Goldpreis hat sich 2017 als sehr volatil erwiesen. Trotz eines starken US-Dollars und beflügelten Aktienmärkten hat er sich auf das Jahr gesehen gut behaupten können. Investments in Gold- und andere Rohstoffaktien können sich daher als durchaus sinnvoll erweisen, wie Georges Lequime und Dr. Joachim Berlenbach erläutern.

Georges Lequime, ERIG Quelle: ERIG

Universal-Investment: Herr Lequime, der Goldpreis hat auf Jahressicht trotz einiger Volatilität gut zugelegt. Seit September hat es jedoch auch wieder eine deutliche Preiskorrektur gegeben. Mit welchen weiteren Preisentwicklungen müssen wir in den kommenden Monaten rechnen?

Lequime: Der Goldpreis leidet aktuell unter dem starken US-Dollar und dem allgemeinen Anstieg der Aktienpreise. Außerdem preist der Markt die geplanten Kürzungen in der US-amerikanischen  Einkommens- und Körperschaftssteuer ein, was sich positiv auf den US-Dollar auswirkt, aber negativ für den Goldpreis ist. Während viele Marktbeobachter eine Korrektur des überbewerteten Aktienmarktes im Oktober voraussagten, blieb diese aus. Deshalb stand auch der Goldpreis nicht mehr so im Fokus, denn das Risiko einer Marktkorrektur scheint nun wieder abzunehmen. Zusätzlich haben die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea wieder abgenommen, was die Flucht in sichere Anlageklassen verringert hat. Mit Blick in die nähere Zukunft bleiben steigende Renditen bei Staatsanleihen bei gleichzeitig niedriger Inflation eine der Haupthürden für einen steigenden Goldpreis, denn Gold wirft bekanntlich keine Zinsen ab. Der für Dezember geplante Anstieg der US-Zinsen scheint mittlerweile auch im Goldpreis voll eingepreist zu sein.

Historisch gesehen schwächt sich der Goldpreis vor einem geplanten Zinssenkungsdatum ab und verstärkt sich wieder in den Monaten nach der tatsächlichen Ankündigung. Die wichtigste Entwicklung, die in den kommenden Monaten zu beobachten ist, bleibt unserer Einschätzung nach die Entscheidung des US- Repräsentantenhauses bezüglich der Verabschiedung der Steuerreform. Sollte die Gesetzesvorlage nicht akzeptiert werden oder nur eine verwässerte Version durchkommen, so wird dies für die Aktienmärkte und den US-Dollar negative Folgen haben und den Goldpreis unterstützen. Ein weiterer Schlüsselfaktor ist die Erwartung weiterer Zinserhöhungen, solange die Inflation niedrig bleibt. Die mittelfristige Entwicklung der Zinssätze ist dabei wichtiger als die kurzfristige Zinserhöhung. Erneute geopolitische Spannungen könnten kurzfristig für weitere Volatilität sorgen.

Universal-Investment: Immer wieder wird berichtet, dass die Produktion in vielen Goldminen rückläufig ist, vor allem im wichtigen Produktionsland Südafrika. Auch die Erschließung neuer Minen läuft derzeit sehr schleppend. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein, und welche Auswirkung hat das auf den Goldpreis in der nahen Zukunft?

Lequime: Die südafrikanische Goldproduktion ist in den letzten 15 bis 20 Jahren drastisch gesunken, bedingt durch die fallenden Goldgehalte in den Erzen, steigende Kosten und die negative politische Entwicklung in vielen Produzentenländern. Im Jahr 2016 sank die südafrikanische Produktion auf nur noch 4,4 Prozent der weltweiten Goldproduktion. Die Produktion aus dieser Region wird auch in den nächsten Jahren weiter sinken. Weltweit scheint die Goldproduktion ihren Höhepunkt erreicht zu haben, da viele große Minen in Nordamerika und Australien ihren Zenit überschritten haben. China ist derzeit der weltweit größte Produzent, allerdings stammt der Großteil der Produktion aus kleinen Familienbetrieben mit kurzer Lebensdauer. Wir glauben, dass der Mangel an Explorationserfolgen über die letzten fünf bis zehn Jahre mittelfristig einen wesentlichen Einfluss auf die weltweite Goldproduktion und den Goldpreis haben wird.

In den frühen 1980er Jahren führte ein Anstieg der Explorationsausgaben zur Entdeckung einer Reihe von bedeutenden Lagerstätten in Nordamerika und Australien. Trotz der Erholung des Goldpreises seit den Tiefstständen im Jahr 2001 beobachten wir in den meisten Regionen der Welt zu geringe Explorationsausgaben bei einem gleichzeitig erhöhten geopolitischen Risiko. Nach dem Kollaps des Goldpreises über die letzten fünf Jahre liegt der Fokus der meisten Produzenten auf der Cashflow-Generierung zur Reparatur von Bilanzen. Dies resultierte in fallenden Investitionen und Explorationsausgaben, womit sich bei gleichzeitig fallenden Goldgehalten in den Lagerstätten die aktuelle Produktion nicht aufrechterhalten lässt. Der Goldpreis muss sich daher auf ein Niveau erhöhen, das wieder höhere Explorationsausgaben rechtfertigt.

Bei Zink sehen wir seit über einem Jahr einen Engpass am Markt, dessen Ende nicht abzusehen ist

Dr. Joachim Berlenbach ,
Gründer der Earth Resource Investment Group (ERIG)

Universal-Investment: Auf welche Goldaktien setzen Sie derzeit, und warum sind diese Unternehmen so interessant für ein Investment?

Lequime: Angesichts des aktuell geringeren Interesses am Goldmarkt gibt es viele Unternehmen, die zu extrem niedrigen und attraktiven Bewertungen gehandelt werden. Zwei dieser Aktien sind Eldorado Gold und Teranga Gold. Eldorado Gold war einmal ein Liebling der Goldinvestoren, allerdings hat der Aktienpreis der Firma aufgrund der kurzfristigen operativen Probleme in der Hauptmine in Kisladag/Türkei und Verzögerungen bei der Erlangung der Lizenz für das Skouries-Projekt in Griechenland sehr gelitten. Dazu kam, dass die operativen Probleme in einer Zeit auftreten, in der die Goldminenaktien generell in Ungnade gefallen sind. Der Fall des Aktienkurses um 64 Prozent dieses Jahr scheint einen extrem pessimistischen Ausblick zu reflektieren, den wir nicht teilen. Derzeit beträgt die Marktkapitalisierung von Eldorado Gold nur 966 Millionen US-Dollar, das heißt, weniger als einige Explorationsunternehmen, die teilweise noch nicht einmal Ressourcen deklarieren konnten.

Bei Eldorado Gold handelt es sich um eine Bergbaufirma, die etwa 315.000 Unzen pro Jahr zu Produktionskosten von 500 US-Dollar je Unze herstellt, vier produzierende Minen und fünf Entwicklungsprojekte vorweisen kann. Außerdem besitzt Eldorado Gold 19,2 Millionen Unzen Goldreserven. Die Firma verfügt über eine sehr solide Bilanz mit einem Barbestand von 540 Millionen US-Dollar und Verbindlichkeiten in Höhe von 593 Millionen US-Dollar, die erst ab 2022 fällig sind. Der Markt bewertet das Unternehmen aktuell mit nur 50 US-Dollar je Reserve-Unze, was Eldorado Gold zu einer der am attraktivsten bewerteten Goldfirmen macht. Wir erwarten daher einen rasanten Anstieg des Aktienpreises, wenn die kurzfristigen Probleme bei Kisladag und Skouries überwunden worden sind und sich der Goldmarkt erholt.

Die zweite Aktie, die wir aktuell als sehr attraktiv bewertet ansehen, ist Teranga Gold. Dabei handelt es sich um einen kanadischen Goldproduzenten mit einer Mine in Sabodala im westafrikanischen Land Senegal. Sabodala produziert 225.000 Unzen Gold pro Jahr, bei Gesamtkosten von 1.000 US-Dollar je Unze. Die Mine hat derzeit eine Lebensdauer von zwölf Jahren. Zusätzlich entwickelt das Unternehmen die Banfora-Goldmine im afrikanischen Burkina Faso, die 2019 in Produktion gehen soll. Gegenwärtig beträgt die Marktkapitalisierung gerade mal 167 Millionen US-Dollar. Das entspricht weniger als den Kosten für den Bau der Mine in Sabodala! Die Goldreserven Sabodalas betragen 2,7 Millionen Unzen, Banforas 1,2 Millionen Unzen. Damit liegt die Bewertung des Unternehmens bei nur 43 US-Dollar je Reserve-Unze. Dies macht die Aktie sehr attraktiv für uns.

Universal-Investment: In der Vergangenheit haben Sie zunehmend Silberaktien dem Portfolio beigemischt. Welche Bedeutung haben Silberaktien derzeit im Portfolio des Earth Gold Fund UI?

Lequime: Derzeit repräsentieren Silberfirmen 19 Prozent des Portfolios, im Vergleich zu 23 Prozent zu Beginn des Jahres. Wir haben weiterhin einen positiven Ausblick auf den Silberpreis, allerdings ist er aufgrund der geringeren Marktgröße deutlich volatiler als der Goldpreis. Angesichts der robusten Nachfrage nach Silber durch die Industrie könnte man erwarten, dass sich der Silberpreis in der Zukunft deutlich besser entwickeln müsste. Auch die steigende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen wird längerfristig den Silberpreis unterstützen. Allerdings ist die Liquidität von Silberaktien geringer als die von Goldaktien. Deshalb müssen Anleger zukaufen, wenn die Bewertungen der Aktien nicht zu hoch sind, wie dies etwa aktuell der Fall ist. Silberaktien tendieren dazu, Goldaktien in einem steigenden Edelmetallpreis-Umfeld zu übertreffen, und bieten daher ein größeres Aufwärtspotenzial.

Angesichts der Tatsache, dass viele Silberminen Gold als Beiprodukt schürfen, gibt es allerdings sehr wenige reine Silberproduzenten. Entsprechend beträgt der reine Anteil an der Silberproduktion im Portfolio des Earth Gold Fund UI elf Prozent. Eine der größten Silberpositionen des Fonds ist MAG Silber. Diese Bergbaufirma besitzt in einem Joint Venture mit dem führenden Silberproduzenten Fresnillo eines der weltweit wertvollsten Silberprojekte.

Universal-Investment: Mit Blick auf den Earth Exploration Fund UI – welche weiteren Rohstoffe und dazugehörigen Unternehmen haben sich zuletzt fürs Portfolio als attraktiv erwiesen? Wonach besteht derzeit eine sehr große Nachfrage am Markt?

Berlenbach: Mit der Erwartung einer exponentiellen Zunahme von Elektroautos und alternativen Energien wie etwa der Solarenergie und Windenergie wird auch der Bedarf an Metallen wie Kupfer, Kobalt und Lithium steigen. Da es aktuell noch nicht vorhersehbar ist, welche Technologie sich letztendlich durchsetzen wird, ist eine Vorhersage bei Metallen wie Lithium oder Kobalt schwierig. Allerdings lässt sich unserer Einschätzung nach erkennen, dass der Kupferbedarf sehr stark ansteigen wird, unabhängig von der Technik, die sich letztendlich durchsetzen wird. Die Verkabelung von Ladestationen und der Bedarf bei Elektroautos und in Windturbinen werden enorm zunehmen, so dass man an einer deutlichen Zunahme des Kupferverbrauchs nicht vorbeikommen wird.

Bedingt durch die fehlenden Investitionen bei den Minenbetreibern über die letzten Jahre wird es daher schon bald zu Engpässen am Markt kommen. Höhere Kupferpreise müssten folgen, da die notwendigen Minen erst erschlossen werden müssen. Ein weiteres Metall, auf das wir früh gesetzt haben, ist Zink. Es wird hauptsächlich zum Galvanisieren von Stahl benötigt. Hier sehen wir schon seit über einem Jahr einen Engpass am Markt, dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Daher wird der Zinkpreis sehr wahrscheinlich weiterhin steigen, was die unterliegenden Aktienpreise zusätzlich beflügeln sollte 

Autor: Georges Lequime, Dr. Joachim Berlenbach und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 05.01.2018

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