Biotechnologie und klassische Pharmazie sind keine Wachstumstreiber des Gesundheitssektors. Foto: luchschen Quelle: iStock

Megatrends abseits der klassischen Pfade

Autor: Oliver Kämmerer und Timo Lüllau

Nicht in der Biotechnologie und der klassischen Pharmazie sind die Wachstumstreiber des Gesundheitssektors zu finden, sondern eher in der Medizintechnik, Digitalisierung und dem Hörgerätesegment, wie Oliver Kämmerer, Geschäftsführender Gesellschafter bei nova funds, im Gespräch mit ChampionsNews erklärt. Wie diese Erkenntnisse sinnvoll für den Anleger im nova Steady HealthCare (ISIN DE000A1145J0) umgesetzt werden, berichtet er im Interview.

Oliver Kämmerer, Geschäftsführender Gesellschafter bei nova funds Quelle: nova funds

ChampionsNews: Herr Kämmerer, die Bevölkerung wird immer älter, und in den Schwellenländern wächst zusätzlich der Bedarf nach Gesundheitsleistungen. Wie profitieren die Anleger bei Investitionen in den Fonds nova Steady HealthCare (ISIN DE000A1145J0)  von diesen Entwicklungen?

Kämmerer: Unsere Fondsanleger profitieren von den von Ihnen genannten Wachstumstreibern durch die selektive Titelauswahl des Fondsmanagements. Das Fondsmanagement wählt gerade diejenigen Unternehmen aus, die die fundamentalen Megatrends des Gesundheitssektors vollständig ausschöpfen und damit ein nachhaltiges Renditepotenzial aufweisen.

Die Mehrzahl dieser Megatrends spielt sich in denjenigen acht Subindustrien des Gesundheitssektors ab, die sich nicht mit Biotechnologie oder der klassischen Pharmazie befassen: Hierzu zählen Betreiber von Tierklinikketten, Lebensmitteltester, Hersteller von Hörgeräten, Kontaktlinsen, Tierarzneimitteln, Operationsrobotern und medizinischen Verbrauchsmaterialien und Händlerketten, die diese Produkte vertreiben. Auch die Digitalisierung des Gesundheitswesens durch Softwarelösungen gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens durch Softwarelösungen gewinnt auch immer mehr an Bedeutung.

Oliver Kämmerer

ChampionsNews: Weshalb schließen Sie Pharma- und Biotechnologiewerte aus Ihrem Anlageuniversum aus? Werden dadurch nicht mögliche Performancechancen ausgelassen? Wo sehen Sie größere Investmentchancen im Gesundheitssektor?

Kämmerer: Der nova Steady HealthCare ist ein risikoaverser Aktienfonds. Biotechnologiewerte können durchaus hohe Ertragschancen bieten. Diese gehen dabei aber oftmals mit hohen Kursschwankungen einher. Wir möchten täglich stark schwankende Anteilswertentwicklungen unseren Anlegern nicht zumuten. Des Weiteren fällt – gemessen am MSCI World Health Care Index – die wirtschaftliche Bedeutung der beiden von Ihnen genannten Subindustrien der Gesundheitsindustrie kontinuierlich. Die Wertschöpfung erfolgt in den anderen acht Subindustrien. Seit Auflage des Fonds zum 1. April 2015 haben der MSCI World Pharma und Biotech Index (Stand: 31.10.2018) beide 8,5 Prozent an Wert verloren, Anleger haben in diesen beiden Segmenten also nicht viel verpasst. Die größten mittel- bis langfristigen Chancen liegen in den von mir zuvor genannten Bereichen des Gesundheitssektors, die unserer Erfahrung nach von den meisten Anlegern eher vernachlässigt werden.

ChampionsNews: Welche Titel haben sich zuletzt als besonders lukrativ fürs Portfolio erwiesen?

Kämmerer: Hierzu zählt das US-Unternehmen HealthEquity, das der Krankenversicherungsbranche zugeordnet ist. HealthEquity bietet jedoch keine Krankenversicherungen im eigentlichen Sinne an, sondern hat sich auf die Verwaltung von sogenannten Gesundheitskonten spezialisiert. US-Bürger können einen unversteuerten Teil ihres Einkommens auf ihrem Gesundheitskonto ansparen. Dieses Geld kann dann zu einem späteren Zeitpunkt dazu verwendet werden, um Zuzahlungen zu Arztrechnungen zu leisten oder medizinische Leistungen vollständig zu bezahlen. Zuzahlungen nehmen in den USA einen stetig wachsenden Anteil der Gesundheitskosten ein. Um sich davor zu schützen, legen die US-Bürger gerne Gesundheitskonten an, insbesondere bei zunehmender Beschäftigung.

Ein weiteres Beispiel ist Amedisys. Amedisys ist ein Dienstleister, der kranke Menschen zu Hause aufsucht und dort pflegt, sei es dauerhaft oder nur vorübergehend, wie zum Beispiel nach chirurgischen Eingriffen. Dies bringt große Vorteile sowohl für die Pflegebedürftigen als auch für die Kostenträger: Für die Patienten ist es natürlich angenehmer, im eigenen Zuhause genesen zu können und gepflegt zu werden als in einem Krankenhaus oder in einem Pflegeheim. Für die Kostenträger ist die häusliche Pflege attraktiv, da sie kostengünstiger ist als ein Aufenthalt im Krankenhaus oder in einem Pflegeheim. Als einer der größten Anbieter konsolidiert Amedisys den hochfragmentierten Markt durch Akquisition kleinerer Anbieter, die Schwierigkeiten haben, mit der zunehmenden Professionalisierung der häuslichen Pflege Schritt zu halten und profitiert überproportional von den Veränderungen im adressierten Marktsegment.

ChampionsNews: Die Schwellenländer zählen auch zu den Wachstumstreibern für den Gesundheitssektor. Wo liegen die Ursachen für diese gute Entwicklung? Welche Bereiche des Gesundheitssektors unterstützen diesen positiven Verlauf besonders?

Kämmerer: In den Schwellenländern führt die Verwestlichung des Lebensstils und ein zunehmender Wohlstand zur vermehrten Nachfrage nach medizinischen Dienstleistungen und Produkten, insbesondere bei der Mittelschicht. Schwellenländer sind dabei primär volumenstarke Märkte für Produkte, die es im Westen bereits seit längerer Zeit gibt, wie beispielsweise Produkte der medizinischen Grundversorgung. Zudem kommen im Vergleich zu den Industrienationen Generika in viel größerem Umfang zum Einsatz. 

Autor: Oliver Kämmerer und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 06.12.2018

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