Auch in Kasachstan lassen sich Investmentperlen finden Foto: longtaildog Quelle: iStock

Nachranganleihen mit Call-Terminen im Fokus

Autor: Thomas Lange, Geschäftsführer Lange Assets & Consulting, und Timo Lüllau

In Zeiten niedriger Zinsen wird es immer schwieriger, mit Rentenpapieren noch adäquate Renditen zu erzielen. Thomas Lange, Fondsberater des ASSETS Defensive Opportunities UI (DE000A1H72H5 / DE000A1JGBT2) und Geschäftsführer von Lange Assets & Consulting, erläutert im Gespräch mit Universal-Investment, wie man mit einem geldmarktnahen Fondskonzept erfolgreich sein kann..

Thomas Lange, Geschäftsführer Lange Assets & Consulting Quelle: Lange Assets & Consulting

Universal-Investment: Unternehmensanleihen bieten im Vergleich zu Staatsanleihen deutlich höhere Renditechancen. Wo sehen Sie in diesem Anleihesegment derzeit die größten Investmentmöglichkeiten? Welche Anleihen sind für Sie als Investment relevant?

Lange: Wir gehen in der Eurozone von leicht steigenden Zinsen aus, dies sollte zur Verbesserung der Gewinnsituationen bei Finanztiteln führen. Wir fokussieren uns derzeit auf Nachranganleihen bei Banken und Versicherungen mit Call-Terminen in den nächsten 24 Monaten mit hohen Back-Ends. Das bedeutet, der Zins nach den Call-Terminen richtet sich nach einem bereits festgelegten Referenzzins. Bei steigenden Zinsen führt dies zu höheren Kuponzahlungen oder aber auch zu vorzeitigen Rückkäufen der Anleihen. Von einem möglichen Zinstrendwechsel profitieren ebenfalls attraktive M&A-Übernahmekandidaten, wie zum Beispiel Anleihen von Syngenta oder auch Monsanto. Der Fokus unserer Titelauswahl liegt aber grundsätzlich in den kurzen Laufzeiten, bei Anleihen mit Call-Terminen oder bereits gekündigten Anleihen. Die Duration des Fonds wird aktiv gesteuert und beträgt durchschnittlich maximal 1,5 Jahre.

Universal-Investment: Investmentfonds kommen auch zu einem gewissen Anteil bei Ihnen zum Einsatz. Auf welche Fonds setzen Sie derzeit? Welche Diversifikationsvorteile rechnen Sie diesen Fondsanteilen für das Portfolio zu?

Lange: Der Einsatz von Drittfonds bietet zwei Vorteile: Zum einen die Glättung der Volatilität wie die Erweiterung der Kassehaltung; bei der Auswahl von Drittfonds achten wir, neben dem gleichen Anlagespektrum, auch auf die Korrelationseigenschaften. Zur Glättung der Schwankungsbreite ist der Einsatz von Fonds mit keiner bis negativer Korrelation zum ASSETS Defensive Opportunities UI sinnvoll, wie zum Beispiel beim BSF Fixed Income Strategie von Black Rock. Der aktiv gemanagte Fonds hat derzeit im Sechsmonats- und Einjahresbereich eine negative Korrelation und kann nach seinen Anlagerichtlinien die Duration aktiv zwischen minus drei Jahren und plus drei Jahren „spielen“. Der Aspekt der Kassehaltung ist wichtig, da der ASSETS Defensive Opportunities UI oft als Geldmarktersatz eingesetzt wird. Drittfonds dienen hier der erweiterten Cash-Reserve.

Universal-Investment: Zertifikate werden von Ihnen auch berücksichtigt. Welche Art von Zertifikaten kommt zum Einsatz? Welche Funktion erfüllen sie im Portfolio?

Ziel des Fonds ist eine niedrige Volatilität, was uns kontinuierlich seit Auflage gelungen ist

Thomas Lange ,
Geschäftsführer

Lange: In Sondersituationen werden defensive Zertifikatestrukturen zur Volatilitätssteuerung, wie zum Beispiel zur letzten US-Präsidentschaftswahl im November 2016, dem Fondsvermögen beigemischt. Hierbei handelt es sich um Zertifikate, die als Basiswertpapier Volatilität handeln. Ein Ziel des Fonds ist eine niedrige Volatilität. Dies ist uns in den über sechs Jahren seit Auflage im Mai 2011 kontinuierlich gelungen. Die Schwankungsbreite liegt bei circa einem Prozent.

Universal-Investment: Staatsanleihen guter Bonität im Euroraum werfen im derzeitigen Umfeld kaum noch Rendite ab. Werden Government Bonds von Ihnen derzeit berücksichtigt? Welche sind für Sie überhaupt noch attraktiv als Investment?

Lange: Staatsanleihen sind zurzeit nicht interessant, wohl aber „halbstaatliche“ Anleihen, hier ist in der Regel der Staat Mehrheitsaktionär oder Anteilsinhaber des Emittenten. Ein gutes Beispiel für aktives Bond-Picking ist die kasachische Agrarentwicklungsbank KazAgro National Management Holding. Das Unternehmen profitiert von dem Vorhaben Chinas, die antike Seidenstraße zwischen Asien und Europa wiederzubeleben. China möchte gemeinsam mit Partnern entlang der Route neue, moderne Handelskorridore aufbauen. Seit 2013 hat China für dieses Jahrhundertprojekt umgerechnet circa 817 Milliarden Euro in Form von Krediten bereitgestellt.

Universal-Investment: Die anhaltenden Niedrigzinsen machen Geldanlagen in klassische Renten immer unattraktiver. Mit welchen Entwicklungen am Zinsmarkt in der Eurozone, Rest-Europa und den USA rechnen Sie in den kommenden sechs Monaten?

Lange: In der Eurozone und im Rest Europas (ohne Großbritannien und Schweiz) gehen wir von einer leichten Verschiebung der Zinsstrukturkurve nach oben mit einer geringen Versteilung am langen Ende aus. Die allgemeinen guten Wirtschaftsdaten, sinkende Arbeitslosenquoten und steigende Löhne – insbesondere im mittleren Europa – lassen Investitionen in Europa steigen, was zu leicht steigenden Zinsen und sinkenden Risikoprämien führen sollte. In den USA erwarten wir eher eine Zinssenkung als eine Zinssteigerung. Die Wachstumserwartungen aufgrund der Wahl Trumps waren deutlich überzogen. Wir beobachten, dass die Unternehmen sich mit Investitionen zurückhalten. Die Aussagen des US-Präsidenten sind nicht verlässlich und nachhaltig, um langfristige Investitionsentscheidungen zu treffen, die sich wachstumsfördernd auswirken könnten. Wir gehen davon aus, dass die Wachstumsprognosen im Laufe des Jahres weiter sinken werden. 

Autor: Thomas Lange, Geschäftsführer Lange Assets & Consulting, und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 14.11.2017