Zunehmend wird deutlich, dass die US-Schieferölvorkommen längst nicht ausreichen, um den kommenden Anstieg der globalen Ölnachfrage zu kompensieren. Foto: milehightraveler Quelle: iStock

Geopolitische Entwicklungen bringen Ölpreis in Wallung

Autor: Dr. Joachim Berlenbach und Timo Lüllau

Die Rohstoffnachfrage hat zuletzt aufgrund der Angst vor einem internationalen Handelskrieg gestockt und den Aufwärtstrend der Preise gestoppt. Dr. Joachim Berlenbach, Fondsberater des Earth Exploration Fund UI ( ISIN DE000A0J3UF6), ist sich sicher, dass es sich hierbei nur um eine kurze Verschnaufpause handelt, weil der Bedarf an Rohstoffen durch eine Vielzahl von weltweiten Großprojekten und Initiativen langfristig weiter steigen wird. Gegenüber ChampionsNews erklärt er auch, wie er derzeit Öl- und Goldaktien im Earth Exploration Fund UI gewichtet.

Dr. Joachim Berlenbach, Fondsberater Earth Resource Investment Group Foto: Manjit Jari Quelle: Earth Resource Investment Group

ChampionsNews: Die Börsianer beobachten gespannt die Rohstoffpreise. Wie schätzen Sie die weiteren Entwicklungen ein?

Berlenbach: Die Furcht vor einer Verlangsamung des globalen Wachstums hat auch den Aufwärtstrend bei den Rohstoffpreisen gestoppt. Vor allem die Angst vor einem internationalen Handelskrieg verunsichert viele Investoren, was sich in der Entwicklung der Kupfer- und Ölpreise widerspiegelt. Dazu kommt der starke US-Dollar, der die Rohstoffpreise unter Druck setzt. Diese für Rohstoffe negative Konstellation hat zum jüngsten Ausverkauf bei den Rohstoffen geführt, und viele Investoren fragen sich berechtigterweise, wie es nun weitergeht. Der US-Dollar wird natürlich über kurz oder lang auch wieder seinen Zenit erreichen, und die Nachfrage nach Rohstoffen wird längerfristig durch Initiativen wie die chinesische "Belt and Road"-Initiative und die Einführung von Elektroautos mit hohem Kupferbedarf bestimmt werden. Doch ist kurzfristig Vorsicht geboten. Wir haben daher im Juli und August im Earth Exploration Fund UI die Bargeldquote erhöht, was die Volatilität reduzierte und uns Möglichkeiten für neue Investitionen gibt, wenn sich die Märkte wieder erholen. Bei den aktuell niedrigen Rohstoffpreisen kann die zukünftige Nachfrage  auf keinen Fall gesättigt werden. Wir sehen daher für den längerfristig aufgestellten Anleger Einstiegschancen, auch wenn der Rohstoffsektor kurzfristig volatil bleiben kann.

ChampionsNews: Zahlreiche Faktoren beeinflussen die Entwicklung des Ölpreises – wie zuletzt der Streit zwischen den USA und dem Iran. Wie prognostizieren Sie die Ölnachfrage? Welche Effekte ergeben sich daraus für Investitionen in diesem Sektor?

Berlenbach: In der Tat ist die Volatilität des Ölpreises zurzeit vor allem durch geopolitische Entwicklungen beeinflusst. Die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran helfen momentan eher dabei, einen zu tiefen Absturz des Ölpreises zu vermeiden: Es gibt wenige Spekulanten, die es wagen, gegen den Ölpreis zu wetten. Wir sind überrascht, wie gut sich der Ölpreis und die von ihm abhängigen Aktien halten angesichts der aktuellen Einstellung, in diesem Sektor eher das Risiko zurückzufahren. Allerdings gibt es auch auf der Angebotsseite fundamentale Entwicklungen, die dem Ölpreis Unterstützung bieten. Die Ölnachfrage korreliert stark mit dem Wirtschaftswachstum, so dass das Wachstum der Ölnachfrage rund 40 Prozent des BIP-Wachstums entspricht. Das bedeutet, dass zum Beispiel bei einem globalen BIP-Wachstum von 3,5 Prozent ein Anstieg der Ölnachfrage von 1,4 Prozent oder 1,4 Millionen Barrel pro Tag erwartet wird, da der weltweite Ölverbrauch schon jetzt 100 Millionen Barrel pro Tag beträgt. Angesichts der geopolitischen Entwicklungen (mögliche Iran-Sanktionen, Zusammenbruch der Produktion in Venezuela) und der begrenzten weltweiten Produktionskapazitäten ist der Ölmarkt knapp bemessen. Außerdem wird zunehmend deutlich, dass die US-Schieferölvorkommen, beispielsweise im Permian Becken in Texas, längst nicht ausreichen werden, um den kommenden Anstieg in der globalen Ölnachfrage zu kompensieren. Höhere Ölpreise wirken sich insbesondere auf die Produzenten in diesem Sektor positiv aus. Hier liegt unser Investmentschwerpunkt auf attraktiven Produzenten und Explorern außerhalb der Fracking-Industrie, da diese von höheren Cashflows profitieren.

ChampionsNews: Im Unterschied zu vielen anderen Rohstofffonds spielen neben Industriemetallen und Öl auch Edelmetalle beim Earth Exploration Fund UI eine maßgebliche Rolle. Welche Vorteile sehen Sie in dieser Strategie?

Es gibt keine Anzeichen, dass Gold zurzeit als sicherer Hafen angesehen wird

Dr. Joachim Berlenbach

Berlenbach: Zwar unterscheiden sich die Dynamiken beim Goldpreis sehr von den fundamentalen Treibern der Öl- und Kupferpreise, aber das geologische Umfeld und die Produktionsgrundlagen sind sehr ähnlich. Dies bedeutet für uns, dass wir auch in diesem Sektor, aufgrund unserer technischen Ausbildung als Geologen und Bergbauingenieure, die passenden Unternehmen herausfiltern können, wenn sich der Goldpreis wieder erholt. Allerdings hat Gold angesichts der doch sehr unsicheren geopolitischen Lage über die letzte Zeit viele Investoren und auch mich  sehr enttäuscht. Es gibt keine Anzeichen, dass Gold zurzeit als sicherer Hafen angesehen wird, die Nachfrage sinkt sogar. Daran sind sicherlich auch der starke US-Dollar und die niedrige Inflation schuld. Ein Absturz unter die kritische Marke von 1.200 US-Dollar je Unze ist aber schon ein Anzeichen, dass es aktuell wenig Unterstützung für Gold und Goldaktien gibt. Wir haben daher ebenfalls die Goldgewichtung im Earth Exploration Fund UI drastisch reduziert und fokussieren uns auf solche Firmen, die attraktive Projekte besitzen und Übernahmeziele für die größeren Firmen darstellen und damit hoffentlich weitgehend unberührt von der Entwicklung des Goldpreises  bleiben. Sollten wir von einer Erholung des Goldpreises überzeugt sein, werden wir natürlich wieder die Gewichtung in Goldaktien erhöhen.

ChampionsNews: Wo sehen Sie die wesentlichen Unterschiede zwischen der von Ihnen und Ihrem Team entwickelten Anlagestrategie und den Investmentansätzen der Wettbewerber?

Berlenbach: Unsere hohe technische Expertise und sehr guten Kontakte zu globalen Firmen im Rohstoffsektor ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Wir besuchen viele Explorationsprojekte auf allen Erdteilen und haben einen soliden Bottom-up-Ansatz entwickelt, der uns bei der fundamentalen Bewertung von Unternehmen hilft. Die Größe des Fonds hilft uns mit dem Fokus auf Mid Caps, weil so Investitionen in überteuerte Large Caps mit begrenztem Produktionswachstum und fallenden Reserven vermieden werden können. Denn angesichts einer weiter steigenden Nachfrage nach strategischen Rohstoffen wie Öl, Kupfer und Kobalt wird die nächste Wachstumsphase von den kleineren Firmen mit soliden Explorationsprojekten vorangetrieben werden. Es wird zunehmend schwierig, attraktive Rohstoffprojekte zu finden, weil die meisten der leicht zu erschließenden Lagerstätten mittlerweile abgebaut wurden. Die Rohstoffpreise müssen ansteigen, damit die immer niedrig-gradigeren Lagerstätten erschlossen werden können. Hierauf sind wir mit dem Earth Exploration Fund UI gut vorbereitet. 

Autor: Dr. Joachim Berlenbach und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 24.09.2018