Man muss nicht spielen, um gute Renditen zu erzielen. Foto: GregorBister Quelle: iStock

Ohne Risiko keine Rendite

Autor: Tarek Saffaf und Timo Lüllau

Mit einer wirklichen Trendwende am Zinsmarkt ist vorläufig eher nicht zu rechnen. Eine echte Alternative sind marktneutrale und prognosefreie Strategien, wie sie von Tarek Saffaf, Fondsmanager des PARAGON UI, vertreten werden. Im Gespräch mit ChampionsNews erläutert er, wie er alternative Renditenquellen im Rentenumfeld effektiv fürs Portfolio nutzt.

Tarek Saffaf, Senior Portfoliomanager Greiff capital Management Quelle: Greiff capital Management

ChampionsNews: Herr Saffaf, mit einer marktneutralen Alphastrategie, wie Sie sie zum Beispiel im PARAGON UI (DE000A1J31Z1 /DE000A1J31W8 )  verfolgen, wollen Sie risikobudgetierte Zusatzerträge in Zeiten niedriger Zinsen im Rentenbereich erzielen. Welche Vorteile bietet diese Strategie und wie erreichen Sie Ihr marktneutrales Alpha? Konstante Erträge bei kontrolliertem Risiko klingen in Zeiten von Nullzinsen im Rentenbereich fast schon unrealistisch.

Saffaf: Ohne Risiko keine Rendite. Daher müssen auch wir ein gewisses Risiko eingehen. Es stellt sich aber die Frage, welches Risiko man eingehen will. Die meisten Fondskonzepte beschäftigen sich mit Kursprognosen, also der Wette auf steigende oder fallende Kurse. Wir dagegen geben keine Prognosen ab und positionieren uns dementsprechend auch nicht. Wir agieren vollkommen marktneutral, mit Hilfe von Optionen. Optionen kennen die meisten Investoren als Hedging-Instrument oder oft auch von Prämienstrategien in Volatilitätsfonds. Optionen können aber auch aktiv zur Gewinnerzielung eingesetzt werden, denn sie haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber linearen Instrumenten, wie Aktien oder Futures. Mit Optionen können auch nichtlineare Auszahlungsprofile, also Kurven, konstruiert werden. Zudem können gleichzeitig Long- und Short-Positionen auf ein Underlying eingegangen werden, die mit dem Instrument Aktie nicht möglich sind. Das ermöglicht eine Vielzahl von asymmetrischen Handelsstrategien, die ein deutlich attraktiveres Chance-Risiko-Verhältnis aufweisen als ein rein lineares Long-only-Konzept.

In unserer Alphastrategie setzen wir auf monatliche Marktbewegungen, unabhängig von der Richtung. Märkte schwanken, egal ob ein Seitwärts- oder Trendmarkt vorliegt. Dabei wird Marktbewegung oftmals mit Volatilität gleichgesetzt. Zwar ist in Zeiten hoher Volatilität die Wahrscheinlichkeit für eine Marktbewegung hoch. Allerdings können sich die Märkte auch in nicht so volatilen Zeiten erfolgversprechend bewegen. DAX und S&P 500 haben beispielsweise zurzeit eine niedrige Volatilität. Während sich der DAX in den letzten Monaten eher seitwärts bewegt hat und von Monat zu Monat die Bewegungen eher gering waren, bewegte sich der S&P 500 aufgrund seines Aufwärtstrends jeden Monat deutlich von seinem Ausgangspunkt weg. Von solchen Marktbewegungen profitieren wir, völlig prognosefrei, obwohl sich die Volatilität auf historisch niedrigem Niveau befindet.

ChampionsNews: Bei Ihren Optionsstrategien fokussieren Sie sich auf den DAX, EuroStoxx50 und S&P 500. Warum setzen Sie den Schwerpunkt gerade auf diese Indizes? Gibt es nicht durchaus weitere liquide Märkte, die ein Investment lohnen würden?

Saffaf: Wir wählen unsere Zielmärkte rein nach Liquiditätsgründen aus. Eine Strategie muss auch noch mit einem Fondsvolumen von 500 Millionen Euro flexibel sein. Die drei Indizes stellen die liquidesten Optionsmärkte in Europa und den USA dar.

Derivative Instrumente sind nicht unbedingt risikoreicher als Aktien oder Bonds

Tarek Saffaf

ChampionsNews: Derivative Strategien bergen durchaus Risiken. Wie sichern Sie das Portfolio gegen mögliche Verluste ab?

Saffaf: Derivative Instrumente sind nicht unbedingt risikoreicher als Aktien oder Bonds. Die Anwendung entscheidet über das Risiko. Wir haben gewisse Vorgaben bei unseren Sensitivitätskennzahlen und greifen aktiv ein, sofern bestimmte Grenzen überschritten sind. Wir kaufen zudem Put-Optionen und neuerdings auch Volatilitäts-Calls, um unser Risiko zu minimieren.

ChampionsNews: Wo sehen Sie derzeit attraktive Bond-Investments und wie spiegelt sich das im Portfolio wider?

Saffaf: Bondmärkte weisen für uns kein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis mehr auf. Wir haben in den letzten Jahren in vielen Rentenfonds aus Renditemangel einen Shift in Richtung Credits gesehen. Dies führte 2017 zu einer starken Outperformance von Credits. Die Renditen europäischer High-Yield-Anleihen, beispielsweise zweijährige Griechenland-Anleihen, notieren schwächer als US-Treasuries. Diese Entwicklung kann aber nicht so weitergehen. Zudem sind Credits hochkorreliert zu den Aktienmärkten. Rentenfonds werden daher immer stärker aktienähnlich. Bei Rentenfonds bleiben wir in guten Bonitäten (mindestens A-Rating) und kurzen Laufzeiten investiert und akzeptieren gegebenenfalls eine negative Rendite. Über unser Alphaportfolio erzielen wir dann unseren positiven Gesamtertrag.

ChampionsNews: Rechnen Sie mit einer Trendwende auf der Zinsseite in Europa? Oder müssen wir weiterhin mit niedrigen Zinsen über einen längeren Zeitraum rechnen?

Saffaf: In Europa wird eine große nachhaltige Zinswende nur in kleinen Schritten kommen können. Ich rechne daher zunächst mit einer Veränderung des Quantitative-Easing-Programms und  mittelfristig mit einer Zinswende, wenn auch nur in geringem Umfang. Damit bleiben Renteninvestments für die nächsten Jahre unattraktiv. 

Autor: Tarek Saffaf und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 15.02.2018

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