Platzen der Tech-Blase
Bewertungen sind mittlerweile höher als zu Zeiten der Dotcom-Blase im Jahr 2000. Foto: Enes Evren Quelle: iStock

Mit Short-Positionen vom Platzen der Tech-Blase profitieren

Autor: Marc Siebel und Bernd Obergfell

Marc Siebel von Peacock Capital ist überzeugt, dass nach sieben Jahren Aktienmarkthausse und historisch niedrigen Zinsen eine nachhaltige Marktkorrektur vor der Tür zu stehen scheint. Im Interview mit Universal-Investment spricht er darüber, warum alternative Investmentlösungen für ihn einer der wenigen Wege sind, positive Renditen zu erwirtschaften. Der von ihm beratene Fonds Peacock European Alpha Builder UI Fonds meidet das systematische Aktienmarktrisiko und soll stattdessen Alpha durch systematisches Stockpicking von fehlbewerteten Aktien in Europa generieren. Die „Trash Rally“ der letzten Monate insbesondere bei Tech- und Biotech-Aktien hinterließ jedoch deutliche Spuren im Fondspreis. US-Wirtschaftsprofessoren warnen nun vor dem Platzen der Tech-Blase. Der Fonds würde Siebels Einschätzung zufolge davon stark profitieren, seien irrational hohe Bewertungen doch ein elementares Auswahlkriterium für die Short-Positionen.

Über Marc Siebel

Quelle: Universal-Investment

Nach mehr als 12 Jahren Berufserfahrung im institutionellen Asset Management gründet Marc Siebel die Gesellschaft Peacock Capital GmbH im Oktober 2012. Seitdem fungiert der Diplom-Kaufmann und CEFA-Holder als Geschäftsführer sowie hauptverantwort-licher Fondsmanager. Zuletzt war er Produktleiter für europäische Nebenwerte bei Lampe Asset Management. Seine berufliche Karriere begann er bei der WestLB.

Universal-Investment: Herr Siebel, Sie beraten mit dem Peacock European Alpha Builder UI Fonds einen Long/Short-Fonds mit Fokus auf europäische Nebenwerte. Welche Zielsetzung verfolgen Sie damit konkret und wie ist der Investmentansatz?

Marc Siebel: Die Investmentidee entstand bereits vor mehr als 15 Jahren. Zwischen europäischen Nebenwerten gibt es seit jeher große Bewertungsunterschiede, die aktuell extrem weit auseinandergelaufen sind. Mit unserem proprietären „Peacock Opportunity Filter“, einem kennzahlenbasierten, quantitativen Filter, trennen wir regelmäßig die Spreu vom Weizen, kaufen sehr günstige, wachstumsstarke Aktien und „shorten“ extrem überbewertete Aktien. Flankierend setzen wir auf eine handvoll Kernpositionen, die wir durch mehr als 300 persönliche Firmengespräche in Europa pro Jahr identifizieren. Die Merkmale sind hier Free Cashflow, Managementqualität, Geschäftsmodell sowie die Bilanzstärke.

Im Ergebnis ist der Fonds völlig unkorreliert zum Marktverlauf und profitiert von einem Zusammenlaufen extremer Bewertungsunterschiede zwischen einzelnen Aktien und Sektoren in Europa. Höhere Drawdowns wie aktuell haben nichts mit starken Marktbewegungen per se zu tun, sondern sind auf starke Bewertungsanomalien zwischen den Branchen zurückzuführen.

Universal-Investment: Schaut man sich die Entwicklung des Fonds in den vergangenen sechs bis zwölf Monaten an, hat es mit dem profitieren von Bewertungsunterschieden nicht immer geklappt. Woran lag es?

Siebel: Unser Kennzahlenfilter signalisiert uns bereits seit längerem, dass Biotech- und Tech-Aktien historisch betrachtet extrem überbewertet sind. Hier waren wir und sind wir weiterhin „short“, setzen also auf fallende Kurse. Diese Titel sind trotz hoher Verluste und teilweise abenteuerlicher Bilanzierungspraktiken stark gestiegen. Ein Umstand, den renommierte Hedgefonds als „Trash Rally“ beschreiben, was typischerweise am Ende einer Hausse passiert. Dass die Rally solange andauert, ist sehr ungewöhnlich und hat uns überrascht. Das kostete uns Performance. Die Ergebnisse unseres Ansatzes über die letzten 20 Jahre zeigen jedoch, dass Durchhalten honoriert wird und dass das Pendel umschlägt, sobald die Risikoaversion wieder zunimmt und die Blase platzt. Wir halten dies für eine historisch einmalige Chance, eine „once in a lifetime opportunity“.

Universal-Investment: Sie sprechen von der Tech- bzw. Biotech-Blase. Was sind für Sie die Anzeichen, dass es hier in absehbarer Zeit zu einer Korrektur kommen wird?

Siebel: Eine jüngste Auswertung des US-Wirtschaftsprofessors Keith Wright in Kooperation mit der Universität St. Gallen zeigt, dass die Bewertungen mittlerweile höher sind als zu Zeiten der Dotcom-Blase im Jahr 2000. So genannte „unicorns“, also vorbörslich von Venture-Capital-Investoren gehaltene Beteiligungen mit Bewertungen oberhalb von einer Milliarde US-Dollar, seien bis zu 50 Prozent überbewertet. Die Studie verweist zudem auf eine weitere Untersuchung des National Bureau of Economic Research, die zu einem ähnlichen Ergebnis kommt. Der Zinsanstieg hätte zudem dramatische Folgen für Börsengänge und deren Bewertung. Ein direkter Einfluss auf börsennotierte Techwerte sei unvermeidlich.

Warum steht jetzt die Korrektur an? Wright nennt zwei Gründe, die wir in unseren vergangenen Monatsberichten ebenfalls herausgestellt haben. Der Anteil von unprofitablen Firmen, die im Rahmen eines IPOs, also Börsengänge, den Weg an die Börse wagen, hat dramatisch zugenommen und liegt bei stolzen 80 Prozent. Gleichzeitig mussten mehr und mehr Unternehmen ihre Prognosen nach unten korrigieren. Mit dem Motto „Wachstum um jeden Preis“ werden Tech-Firmen keinem konjunkturellen Sturm standhalten können.

Universal-Investment: Sie sehen sich also entsprechend positioniert. Haben Sie dazu ein Beispiel?

Siebel: Entscheidend ist, dass wir unserem Prinzip treu bleiben, extrem teure Firmen ohne nachhaltigen Cashflow zu „shorten“. Beispiele wie Rocket Internet zeigen, dass dies fruchtet, stellten sich die Beteiligungswerte doch als manipuliert und zu hoch dar. Im Biotech-Bereich sind wir strukturell short, Titel aus Frankreich und den Benelux-Ländern mit schwacher Produkt-Pipeline und hohem Kapitalbedarf bilden den Schwerpunkt. Deutsche Tech-Aktien sind nun im europäischen Vergleich sehr teuer, viele lassen in puncto Transparenz und Visibilität zu wünschen übrig. Auch hier muss unserer Einschätzung nach eine deutliche Korrektur einsetzen.

Grundsätzlich gilt, dass wir unser Portfolio jedes Quartal rebalancen. Insbesondere institutionelle Kunden schätzen dies, denn so werden Klumpenrisiken vermieden. Durch das Rebalancing auf Basis von Bewertungsparametern ist sichergestellt, dass die Bewertungsspanne zwischen Long- und Short-Buch groß bleibt. Aktuell liegt das KGV der Long-Positionen bei 12,5, auf der Short-Seite bei 35. Ein extremer Spread! Prof. Wright würde dies nicht überraschen, auch für ihn ist das Platzen der Tech-Blase eine „once in a lifetime opportunity“ … 

Über Peacock Capital

Peacock Capital ist eine bankunabhängige Investmentboutique mit institutionellem Asset-Management-Hintergrund. Mehr als achtzehnjährige Erfahrung in der Verwaltung von Spezialfonds, Publikumsfonds und Vermögensverwaltungsmandaten bei großen Fondsgesellschaften prägen das Profil. Ein besonderes Augenmerkt liegt auf marktneutralen Strategien, die auch beim Fonds Peacock European Alpha Builder UI (ISIN LU0967289215) eingesetzt werden.

Weitere Informationen unter http://www.peacock-capital.com/ .

Autor: Marc Siebel und Bernd Obergfell
Erscheinungsdatum: 14.06.2018

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