Mehr Stabilität durch Immobilien und Alternative Assets. Foto: Chuck Schug Photography Quelle: iStock

Profis steigern langfristige Performance

Autor: Markus Neubauer, Geschäftsführer, Universal-Investment

Das Ringen institutioneller Investoren wie Altersvorsorgeeinrichtungen und Versicherungen um eine möglichst gute und sichere Performance geht weiter. Volatile Märkte und anhaltend geringe Zinsertragsmöglichkeiten erschweren die Aufgabe. Wie sie es dennoch zu einer ansehnlichen Entwicklung bringen, zeigt die Anleger-Statistik von Universal-Investment, der größten Master-KVG im deutschsprachigen Raum.

Markus Neubauer, Geschäftsführer Universal-Investment Foto: Manjit Jari Quelle: Universal-Investment

Die Analyse aller auf der Plattform von Universal-Investment verwalteten Gelder gibt einen weitgehend neutralen Blick auf aktuelle Trends bei Anlageentscheidungen der Profis. Auffällig ist nach wie vor die fortschreitende Diversifizierung der Portfolien besonders durch Immobilienwerte und Alternative Assets, aber auch das zurückgekehrte Interesse für Rentenpapiere. Insgesamt stiegen die Anlagen von Profis in Fonds auch im zurückliegenden Quartal erneut. Bei Universal-Investment wuchs das in Spezialfonds verwaltete Volumen in nur einem Jahr um 14 Prozent von 254 auf 289 Milliarden per 30. September 2018.

Wenig Bewegung bei Anleihen und Aktien

Nachdem die Anleihevolumina lange Zeit stetig fielen, verfestigt sich seit mehr als einem Jahr eine Trendwende: Anleger entdecken Zinspapiere vorsichtig neu. Vom mit 42 Prozent tiefsten Stand Ende Mai 2017 stieg der Rentenanteil am analysierten Gesamtvermögen auf aktuell fast 45 Prozent. Betrachtet man die realen Zahlen, so bedeutet das für diesen Zeitraum eine Zunahme von 31 Milliarden Euro – und das, obwohl das Zinsniveau für Rentenpapiere in Europa noch niedrig ist. Große Allokationsveränderungen sind hier in den letzten zwölf Monaten allerdings nicht zu erkennen, die Investoren scheinen abzuwarten und auf positivere Marktentwicklungen zu hoffen.

Viele Jahre stand dem Abwärtskurs der Renten regelmäßig die Aufwärtsentwicklung der Aktien entgegen. Die Aktienvolumina der Portfolien erreichten im Frühjahr 2017 mit etwas über 32 Prozent ihren Höchststand. In den anderthalb Jahren seitdem hat sich ihr Anteil kaum verändert: Er lag Ende September bei 31 Prozent. Investoren bleiben dieser Asset-Klasse also treu, aber über das durchschnittliche Drittel wollen sie scheinbar nicht hinausgehen. Für eine gute Balance in der Risikostruktur setzen sie dafür stärker auf andere Anlageformen.

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Wenig Bewegung bei Anleihen und Aktien Quelle: Universal-Investment, Stand: 30.09.2018

Die Relation von Renten zu Aktien ist aber nicht bei allen Anlegergruppen gleich: In den letzten drei Jahren ist bei der größten Anlegergruppe auf der Universal-Investment-Plattform, den Pensionskassen und Versorgungseinrichtungen, der Anteil der Renten von 37,5 Prozent auf 31 Prozent zurückgegangen. Hiervon unterscheiden sich die Portfolien von Unternehmen, der zweitgrößten Anlegergruppe: Das ungefähre Verhältnis von 50 Prozent Anleihen zu 30 Prozent Aktien ist über die Jahre beinahe gleichgeblieben. Versicherungen, die drittgrößte Anlegergruppe, haben ihre Aktienanteile in drei Jahren fast verdoppelt (von 24 auf 46 Prozent) und ihre festverzinsliche Position von fast 65 Prozent auf 43 Prozent zurückgefahren.

Interessant ist auch die Beobachtung, dass die Anlagesummen der vor einigen Jahren noch so beliebten Unternehmensanleihen immer stärker zugunsten von Staatspapieren zurückgehen. Waren zu Beginn des Jahres 2017 noch 34 Prozent aller Rentenanlagen von Unternehmen herausgegeben und nur 24 Prozent von der öffentlichen Hand, so liegen beide Emittentengruppen heute mit 28 bzw. 26 Prozent fast gleich. Auch für Pfandbriefe entscheiden sich professionelle Anleger wieder häufiger. Nachdem ihr Anteil Ende 2016 mit sechs Prozent seinen tiefsten Punkt hatte, ist er mittlerweile auf elf Prozent gestiegen. Beinahe gegengleich entwickelte sich die Asset-Klasse Loans. Nach einem bemerkenswerten Start von fast null im Jahr 2014 auf über sechs Prozent Ende 2016 ging ihr relativer Anteil bei steigenden absoluten Volumen wieder zurück und stagniert seit einiger Zeit bei um die fünf Prozent.

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Weniger Unternehmensanleihen – mehr Staatspapiere Quelle: Universal-Investment, Stand 30.09.2018

Mehr Stabilität durch Immobilien und Alternative Assets

Die Kombination von Dauerniedrigzinsen, wechselhaften Märkten und zunehmender Regulierung macht das Erreichen von langfristigen Ertragszielen zu einer großen Herausforderung. Speziell regulierte Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen sind auf stabile Cashflows mit moderatem Risiko angewiesen. Daher haben sie bereits seit einigen Jahren die Vorteile einer Diversifizierung ihrer Anlagen durch Beimischung von Immobilien und Alternative Assets (Sachwertanlagen) erkannt. Alternative Investments wie Private-Equity- oder Infrastrukturprojekte mit aktuell 31 Milliarden Euro machen zehn Prozent aller Anlagen der Analyse aus. Auf Immobilien-Assets wie Büros, Einkaufszentren und Wohngebäude entfallen mit 16 Milliarden Euro nahe sechs Prozent.

Immobilien in Nordamerika erfreuen sich in dieser Anlagegruppe immer noch großer Beliebtheit. Scheinbar gibt es in diesem breiten Markt trotz vielfach hoher Preise noch Segmente, die als Kaufgelegenheiten gelten. Der Anteil nordamerikanischer Immobilien in den Portfolien auf ist mittlerweile 19 Prozent im Juli 2018 gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Wert allerdings leicht zurückgegangen. Auch in Deutschland lassen die hohen Immobilienpreise Investoren zurückhaltender agieren. Waren vor vier Jahren noch 48 Prozent im Heimatmarkt angelegt, sank ihr Anteil aktuell auf 39 Prozent.

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Immobilien in Deutschland und Nordamerika leicht rückläufig Quelle: Universal-Investment, Stand 31.07.2018

Die Steuerung eines langfristig ausgelegten Portfolios mit vielen unterschiedlichen Asset-Klassen erfordert ein ausgeklügeltes Risikomanagement. Dabei werden professionelle Investoren von wertsichernden Strategien über das gesamte Investment, wie zum Beispiel dem Overlay Management, unterstützt.

Mit 4,7 Prozent starke Performance

Weder die Turbulenzen der Märkte noch ein ganzes Jahrzehnt der Niedrigzinsen konnten institutionelle Anleger daran hindern, ihre Portfolien zu sichern und auf Zehnjahressicht mit 4,7 Prozent sogar eine um ein halbes Prozent stärkere Performance zu erwirtschaften als noch vor drei Monaten – hier macht sich der Umstand bemerkbar, dass die Lehman-Krise sich zum zehnten Mal jährt. Umsicht und Diversifizierung zahlen sich offensichtlich aus. 

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Institutionelle Anleger bringen mit 4,7 % starke Performance Quelle: Universal-Investment, Stand: 30.09.2018

Methodik und Relevanz

Die Auswertung erfasst alle Anlagen in Spezialfonds bei Universal-Investment für den Zeitraum von Januar 2012 bis zum 30. September 2018 und wird monatlich aktualisiert. Das Gesamtvolumen der analysierten Assets under Administration beträgt derzeit rund 289 Milliarden Euro. Dieses Volumen entspricht 18 Prozent des gesamten vom BVI erfassten Spezialfondsvermögens in Höhe von 1.640 Milliarden Euro per Ende August 2018.

Autor: Markus Neubauer, Geschäftsführer, Universal-Investment
Erscheinungsdatum: 22.11.2018