Rainer Fritzsche: „Bis 2030 müssen jedes Jahr weltweit rund 3,3 Billionen US-Dollar in Infrastruktur investiert werden. “ Foto: OVIDpartner

Regelmäßige Einkommen mit Infrastrukturinvestments

Autor: Rainer Fritzsche und Timo Lüllau

Weltweit wird zu wenig in Infrastruktur wie Straßen, Versorgungsnetze und Bildungseinrichtungen investiert. Mittlerweile ist der Investitionstau so groß geworden, dass er das Wirtschaftswachstum gefährden könnte - und zwar weltweit. Für Investoren bieten sich durch den Nachholbedarf interessante Renditechancen, meint Rainer Fritzsche, Geschäftsführender Gesellschafter der Investmentboutique OVIDpartner. Im Gespräch mit Universal-Investment zeigt er auf, wie der Investor sinnvoll in Infrastrukturinvestments anlegen kann.

Rainer Fritzsche, Geschäftsführender Gesellschafter der Investmentboutique OVIDpartner Foto: OVIDpartner

Universal-Investment: Herr Fritzsche, jeder Auto- oder Bahnfahrer merkt es täglich: Die Infrastruktur ist in Deutschland in keinem guten Zustand.

Fritzsche: Das stimmt. Schauen Sie aber mal die USA oder die Schwellenländer genauer an. In Deutschland sind etwa bislang großflächige Stromausfälle noch die Ausnahme. In diesen Ländern gehören sie zum Alltag. Das ist nicht nur für die Bürger ärgerlich, das verursacht auch milliardenschwere volkswirtschaftliche Schäden.

Universal-Investment: Es gibt verschiedene Prognosen, welche Beträge in den kommenden Jahren in Infrastruktur investiert werden müssen. Zu welchen Ergebnissen kommen diese?

Fritzsche: Das McKinsey Global Institute schätzt, dass bis zum Jahr 2030 jedes Jahr weltweit rund 3,3 Billionen US-Dollar in Infrastruktur investiert werden müssten, damit die Weltwirtschaft so weiter wachsen kann wie bisher. Das ist mehr als das französische Bruttoinlandsprodukt. Die Citi Group kommt sogar auf einen noch viel höheren Betrag. Sie geht von insgesamt 57 Billionen Dollar aus, die in den kommenden 15 Jahren weltweit für den Erhalt und den Ausbau der weltweiten Infrastruktur ausgegeben werden müssten.

Universal-Investment: Jahrelang haben die Länder zu wenig Geld für den Erhalt ihrer Infrastruktur ausgegeben. Warum glauben Sie, dass gerade jetzt eine Trendwende ansteht?

Fritzsche: McKinsey schätzt, dass sich die weltweiten Investitionen auf insgesamt 2,5 Billionen US-Dollar pro Jahr belaufen. Nötig wären die bereits erwähnten 3,3 Billionen. Es wird schon seit Jahren zu wenig für die Straßen-, Bahn- und Versorgungsnetze ausgegeben. Wir leben auf Kosten der Substanz. Allein in Deutschland, wo die Infrastruktur noch als vergleichsweise intakt gilt, gibt es 2.500 sogenannte Problembrücken, bei denen die Verkehrssicherheit oder sogar die Statik gefährdet ist. In den meisten Fällen reagieren die Behörden dann mit einer niedrigeren Begrenzung der Fahrgeschwindigkeit oder einer Reduzierung des zugelassenen Gewichts. LKWs stehen im Stau oder müssen Umwege fahren. Das kostet richtig Geld. Mit jedem Tag, an dem zu wenig investiert wird, nehmen der Investitionsstau und der Druck zu, mehr Geld auszugeben. Jetzt kommt noch ein günstiges politisches Umfeld dazu. Die Politik erkennt langsam, dass es die Notenbanken allein nicht schaffen, die Konjunktur in Fahrt zu bringen. Der Ruf nach fiskalischen Maßnahmen wird immer lauter.

Universal-Investment: Bei den Summen, über die wir hier sprechen, dürften die sowieso schon hoch verschuldeten Staatshaushalte aber an ihre Grenzen geraten.

Fritzsche: Das gilt nur zum Teil. In Deutschland bewegen sich zum Beispiel die realen Zinsen nach wie vor im negativen Bereich. Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentieren aktuell im Bereich von 0,5 Prozent. Die Inflation belief sich dagegen zuletzt auf mehr als zwei Prozent. Wenn sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble eine Milliarde Euro leiht, muss er real in zehn Jahren also nur 985 Millionen zurückzahlen. Mit dem Geld könnte er in der Zwischenzeit die Verkehrsnetze modernisieren oder die Datennetze auf den neusten Stand der Technik bringen. Das würde für mehr Wirtschaftswachstum und damit auch zu höheren Steuereinnahmen führen.

Universal-Investment: Das gilt für die Bundesrepublik, sieht jedoch in anderen Ländern etwas anders aus…

Fritzsche: Ganz klar. Die meisten Staaten können diese Beträge allein nicht stemmen. Und damit kommt die Privatwirtschaft ins Spiel. Im Ausland ist es schon heute weitaus üblicher als in Deutschland, dass private Firmen Straßen, Brücken, Flughäfen oder sogar Gefängnisse nicht nur bauen, sondern auch betreiben. Und auch in Deutschland gibt es umfangreiche privatwirtschaftliche Investitionen in die Infrastruktur – denken Sie nur einmal an die Kommunikations- oder Versorgungsnetze.

Universal-Investment: Aus dieser Situation ergeben sich für private Investoren verschiedene Anlageopportunitäten. Wie kann der Anleger daran teilhaben?

Fritzsche: Für den Privatanleger bieten sich vorwiegend Aktien oder Anleihen von Infrastrukturunternehmen oder Publikumsfonds, die sich auf das Thema Infrastruktur spezialisiert haben, an. Es gibt außerdem Direktinvestments. Da reden wir jedoch schnell über dreistellige Millionenbeträge oder noch größere Summen. Hier kommen dann nur institutionelle Investoren wie etwa Versicherungen oder Pensionskassen zum Zug. Zum anderen gibt es Investitionsmöglichkeiten im Bereich Private Equity, die aber auch eher nicht für viele Privatanleger infrage kommen. Diese Anteile werden kaum oder gar nicht gehandelt. Das Geld des Investors wäre auf Jahre hin gebunden und auch hier sind meist fünfstellige Beträge für einen Einstieg notwendig..

Universal-Investment: Sie selbst bevorzugen Anleihen für Ihre Anlagestrategie, die in einem Publikumsfonds eingesetzt werden.

Fritzsche: Genau, Anleihen kommen im OVID Infrastructure HY Income UI (DE000A112T91 /DE000A112T83 ) zum Einsatz. Sie haben gegenüber Aktien einige Vorteile. So ist die Verzinsung einer Unternehmensanleihe deutlich sicherer und meistens auch konstanter als die Dividende einer Aktie. Eine Dividende kann jederzeit ausfallen. Schauen Sie sich zum Beispiel einmal die Dividendenhistorie der Lufthansa an. Dividenden sind in manchen Jahren gar nicht gezahlt worden.  Bei einer Anleihe sieht das anders aus. Da muss einiges vorfallen, dass der Emittent sie nicht bedienen kann.