Kaum ist eine Regulierung auf den Weg gebracht, folgt die nächste: Das neue Investmentsteuergesetz Foto: tashatuvango Quelle: AdobeStock

Investmentsteuerreform 2018: Die Einstufung entscheidet

Autor: Stefan Rockel, Geschäftsführer

Pünktlich zum 1. Januar 2018 wird mit dem neuen Investmentsteuergesetz ein neues Kapitel in der Geschichte der Investmentbesteuerung aufgeschlagen. Die wesentliche, wenn auch nicht einzige Änderung für institutionelle Anleger: Nach dem neuen Gesetz gibt es zwei unterschiedliche Steuerstatus für Spezialfonds. Es ist zu entscheiden, ob ein nach dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) aufgelegtes Spezialinvestmentvermögen steuerlich entweder als Investmentfonds oder als Spezial-Investmentfonds klassifiziert wird. Es sind also Analysetätigkeit und Fachkompetenz gefragt.

Stefan Rockel, Geschäftsführer Universal-Investment Foto: Manjit Jari Quelle: Universal-Investment

Im Kern kann man die Reform als gelungen bezeichnen. Aber immer noch sind viele Zweifelsfragen offen, die von der Finanzverwaltung geklärt werden müssen. Welcher Steuerstatus für welche Anlegergruppe am besten geeignet ist, hängt im Wesentlichen ab von persönlichen steuerlichen Verhältnissen beim Anleger als auch von der bestehenden oder geplanten Vermögenszusammensetzung der Fonds. Während bei den Spezial-Investmentfonds durch das neue Gesetz das transparente Besteuerungssystem weitgehend fortgeführt wird, wird für den Steuerstatus des Investmentfonds ein intransparentes Besteuerungssystem eingeführt.

Steuerabzug auf der Fondseingangsseite

Ab 2018 wird der Steuerabzug auf inländische Beteiligungseinnahmen unabhängig vom steuerlichen Fondsstatus bereits auf der Fondseingangsseite bei Zufluss an den Fonds vorgenommen. Grundsätzlich erfolgt der Steuerabzug mit 15 Prozent inklusive Solidaritätszuschlag, die Steuer wird dann als Körperschaftsteuer des Fonds definitiv. Unabhängig vom neuen Steuerstatus ist das bei steuerbefreiten Anlegern wie Pensionskassen und Versorgungswerken ein Vorteil in Höhe von 0,825 Prozent, bezogen auf die Bruttodividende, denn der Solidaritätszuschlag fällt nicht zusätzlich an. Auch inländische Immobilienerträge unterliegen künftig einer 15-prozentigen Körperschaftsteuer, allerdings zuzüglich des Solidaritätszuschlages.

Spezial-Investmentfonds: Transparenzoption möglich

Beim Spezial-Investmentfonds gibt es allerdings die Möglichkeit der Transparenzoption. Damit kann auf die definitive Besteuerung der inländischen Beteiligungseinnahmen des Fonds mit Körperschaftsteuer verzichtet werden. Wird die Transparenzoption durch die Kapitalverwaltungsgesellschaft ausgeübt und der Verwahrstelle entsprechend mitgeteilt, wird Kapitalertragsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag einbehalten und die inländischen Beteiligungseinnahmen den Anlegern steuerlich direkt zugerechnet. Infolgedessen wird eine Steuerbescheinigung von der Verwahrstelle für die Anleger erstellt. Diese können aufgrund des jeweiligen Steuerstatus aber auch direkt von der Verwahrstelle die Steuer erstattet bekommen. Dies gilt beispielsweise bei Kirchen, gemeinnützigen Stiftungen, Lebens- oder Krankenversicherungen bei Vorliegen der entsprechenden Nichtveranlagungsbescheinigungen. Eine Erstattung an den Fonds ist derzeit nicht möglich. Steuerpflichtige Anleger müssen diese Erträge in ihrer steuerlichen Rechnungslegung direkt erfassen und können die Steuer auf die jeweilige Steuerschuld anrechnen. Voraussetzung für eine mögliche Erstattung an den Anleger oder eine Anrechnung ist allerdings die Einhaltung der 45-Tage-Regelung des neuen § 36a EStG. Bei Pensionskassen und Versorgungswerken ist zu beachten, dass bei der Transparenzoption der Solidaritätszuschlag zusätzlich anfällt. Unabhängig von der Transparenzoption können bei Vorliegen einer entsprechenden Nichtveranlagungsbescheinigung inländische Immobilienerträge aus Spezial-Investmentfonds auch ohne eine Steuerbelastung beim steuerbefreiten Anleger ankommen.

Immobilientransparenzoption löst Probleme bei Dach-Spezial-Investmentfonds

Handelt es sich steuerlich um einen Dach-Spezial-Investmentfonds, wird ebenfalls ein Wahlrecht durch die Immobilien-Transparenzoption eingeräumt. Die Immobilien-Transparenzoption ist eine eigenständige Möglichkeit einer Optionsausübung und tritt neben die Transparenzoption für die inländischen Beteiligungserträge. Danach hängt es von der Ausübung des Wahlrechts ab, ob es zu einer grundsätzlichen Besteuerung der inländischen Immobilienerträge auf der Ebene des Dach-Spezial-Investmentfonds oder auf der Ebene von dessen Anlegern kommt. Damit ist es möglich, dass Anleger ihren steuerbefreiten Status zur Vermeidung des Steuerabzugs einsetzen können. Bei Ausübung des Wahlrechts erklärt der Dach-Spezial-Investmentfonds unwiderruflich gegenüber dem Ziel-Spezial-Investmentfonds, dass den Anlegern des Dach-Spezial-Investmentfonds Steuerbescheinigungen gemäß Paragraf 45 a Absatz 2 des Einkommensteuergesetztes ausgestellt werden sollen. Die Immobilien-Transparenzoption kann nur von der Kapitalverwaltungsgesellschaft einheitlich für alle in einem Geschäftsjahr des Ziel-Spezial-Investmentfonds ausgeschütteten inländischen Immobilienerträge und die am Geschäftsjahresende als zugeflossen geltenden ausschüttungsgleichen inländischen Immobilienerträge vorgenommen werden.

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Immobilien-Transparenzoption Quelle: Universal-Investment

Steuerlich motivierte Anlagegrenzen schränken Investitionsmöglichkeiten ein

Anleger müssen bei der Wahl für den Spezial-Investmentfonds beachten, dass im Gegensatz zum Investmentfonds eine ganze Reihe von Einschränkungen insbesondere der Anlagemöglichkeiten zu beachten sind. So ist insbesondere der Wertpapierbegriff enger gefasst. Es dürfen steuerlich nur Wertpapiere erworben werden, die den OGAW- und Eligible-Assets-Richtlinien entsprechen. Damit wird es immer wieder zu Abgrenzungsproblemen zum erweiterten Wertpapierbegriff des Aufsichtsrechts kommen.

Investmentfonds können die investmentrechtlichen Anlagemöglichkeiten ausschöpfen

Entscheiden sich Anleger für den Investmentfonds, gelten nur die investmentrechtlichen Anlagegrenzen, so zum Beispiel nach Paragraf 284 KAGB, so dass Investoren ihre Vermögensanlagen freier investieren können. Ein Aspekt, der für viele Anlegergruppen sehr valide sein dürfte. Inländische Beteiligungseinnahmen wiederum werden beim Steuerstatus Investmentfonds immer mit der nicht anrechenbaren Körperschaftsteuer von 15 Prozent inklusive Solidaritätszuschlag belastet.

Günstige Regelungen für steuerbefreite Anleger

Für Kirchen und gemeinnützige Stiftungen ist es allerdings unter bestimmten Voraussetzungen möglich, sich die Steuer erstatten zu lassen, zudem können sie die volle inländische Bruttodividende erhalten, wenn in den Anlagebedingungen geregelt wird, dass der Anlegerkreis auf Kirchen und Stiftungen beschränkt ist. Für steuerbefreite Anleger wie Pensionskassen und Versorgungswerke ist interessant, dass der Solidaritätszuschlag in der Körperschaftsteuer enthalten ist, also nicht zusätzlich anfällt. Inländische Immobilienerträge können für diese steuerbefreiten Anleger ebenfalls ohne Abzug von Körperschaftsteuer vereinnahmt werden, sofern eine entsprechende Nichtveranlagungsbescheinigung vorliegt.

Teilfreistellungen sorgen für steuerliche Entlastung

Bei der Einstufung als Investmentfonds ist es möglich, aufgrund der steuerlichen Vorbelastung der inländischen Dividenden und der inländischen Immobilienerträge mit Körperschaftsteuer von sogenannten Teilfreistellungen zu profitieren. Bei Ausschüttungen oder bei der Vorabpauschale bleiben wesentliche Teile der gesamten Ausschüttung oder der Vorabpauschale des Fonds steuerfrei, wenn der Fonds entweder als Aktienfonds, Mischfonds oder als Immobilienfonds qualifiziert.

Intransparentes Besteuerungssystem verhindert Durchleitung steuerfreier Erträge

Anleger sollten beachten, dass es bei den Investmentfonds durch das intransparente Besteuerungssystem bei einer Ausschüttung oder bei der Vorabpauschale nicht mehr darauf ankommt, welcher Herkunft die ausgeschütteten Erträge sind. Deshalb gibt es auch keine Steuerkennzahlen wie Aktiengewinn, Zwischengewinn oder Immobiliengewinn mehr. Zinsen des Investmentfonds können für die Zinsschranke nicht mehr berücksichtigt werden, auch die ausländische Quellensteuer ist nicht mehr anrechenbar. Bei Käufen kurz vor einem Ausschüttungstag muss deshalb die volle Ausschüttung versteuert werden. Es kommt zu einer Besteuerung von Substanz, die erst bei Rückgabe oder Veräußerung wieder kompensiert wird. Gerade regelbesteuerte Anleger sollten diese Einschränkungen berücksichtigen.

Doppelbesteuerungsabkommen und Umsatzsteuer

Die grundsätzliche Einstufung von Investmentfonds und Spezial-Investmentfonds nach den Doppelbesteuerungsabkommen durch die Reform wird derzeit diskutiert. Durch ein ungeschickt formuliertes BMF-Entwurfsschreiben ist darüber hinaus unklar, ob die Verwaltungsvergütung bei Spezialfonds, die steuerlich als Investmentfonds ausgestaltet werden, ab 2018 umsatzsteuerfrei bleiben kann. Da mit der Steuerreform die umsatzsteuerliche Behandlung aber nicht eingeschränkt werden sollte, besteht Hoffnung, dass alle Spezialfonds mit festen Anlagebedingungen (§ 284 KAGB) weiterhin unter die Umsatzsteuerbefreiung fallen werden.

Tax follows business

Bei der Festlegung des Steuerstatus ist neben einer optimalen Steuerbelastung besonders zu berücksichtigen, welche Anlagemöglichkeiten genutzt werden sollen, damit die derzeitige oder künftige Anlagestrategie problemlos abgebildet werden kann. Eine Kombination der Vorteile beider Faktoren ist das Ziel; Lösungen sind in Sicht. Eine erste Orientierung, welcher Steuerstatus für welche Anleger am besten geeignet ist, kann anhand des Entscheidungsbaumes (siehe Grafik) abgelesen werden.

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Entscheidungsbaum zur Festlegung des Steuerstatus Quelle: Universal-Investment

Übergang bis zum 31.12.2017

Bei Fonds mit steuerpflichtigen Anlegern ist zu überlegen, ob nicht bestimmte Vortragstöpfe noch in 2017 geschüttet werden sollten, um nachteilige steuerliche Wirkungen ab 2018 zu vermeiden. Insbesondere bei den vorgetragenen, bereits versteuerten ausschüttungsgleichen Erträgen wirken Ausschüttungen noch in 2017 steuerlich positiv. Das gilt auch für die laufenden Erträge bis zum Ende des Kalenderjahres. Realisierte Verluste aus sogenannten schlechten Kapitalforderungen (Finanzinnovationen) können nur noch in 2017 mit anderen Zinserträgen verrechnet werden. Deshalb könnte die Realisierung von Verlusten wie weitere Maßnahmen noch in 2017 sinnvoll sein.

Unterm Strich stellt die Investmentsteuerreform die Kapitalverwaltungsgesellschaft und die Anleger also vor weitreichende Entscheidungen. Diese müssen gut vorbereitet sein, denn beide werden künftig mit den steuerlichen Folgen leben müssen. Insbesondere der Status als Investmentfonds könnte für einige Anleger die attraktivere Variante darstellen. 

Autor: Stefan Rockel, Geschäftsführer
Erscheinungsdatum: 25.09.2017