Durch die Vielzahl regulatorischer Anforderungen ist es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Foto: kama71 Quelle: iStock

Mehr Durchblick im Regulierungsdickicht

Autor: Andreas Holzapfel, Syndikus bei Universal-Investment

Ein besserer Schutz für Anleger und mehr Transparenz – das sind vorrangige Ziele der europäischen Finanzmarktrichtlinie MiFID II (Markets in Financial Instruments Directive). Seit dem 3. Januar 2018 sind die Regelungen im Rahmen des Wertpapierhandels verbindlich anzuwenden. Das Regelwerk definiert auf insgesamt mehr als 7.000 Seiten umfangreiche Änderungen für den Finanzmarkt.Aber auch heute, mehr als vier Monate später, sind noch einige wichtige Praxisfragen hinsichtlich der Umsetzung der neuen Regelungen nicht vollständig geklärt. Andreas Holzapfel, Syndikus bei Universal-Investment, erläutert die offenen Fragen.

Andreas Holzapfel, Syndikus bei Universal-Investment Foto: Manjit Jari Quelle: Universal-Investment

1. Abweichungen nationales Zielmarktkonzept gegenüber Europäischen MiFID-Templates

So existieren unterschiedliche Standards in Bezug auf die Zulieferung von MiFID-relevanten Daten an die Vertriebe. Im Speziellen sind dabei die Informationen zu dem nach MiFID zu bestimmenden Zielmarkt für die Fonds zu nennen. Hier haben sich in der Praxis Probleme hinsichtlich des Mappings des Europäischen MiFID-Templates (EMT) mit den durch den WM-Datenservice umgesetzten Vorgaben (deutsches Zielmarktkonzept) ergeben. So sind im Rahmen der Angaben zum Anlagehorizont in den WM-Datenfeldern Mehrfacheintragungen (zum Beispiel mittelfristig und langfristig) möglich. Hingegen lässt sich im EMT nur ein Anlagehorizont angeben, da hier nur der Mindestanlagehorizont ausgewiesen werden soll, damit alle längeren Zeiträume umfasst sind. Inzwischen hat WM-Datenservice das Mapping dahingehend angepasst, dass nunmehr die jeweils längerfristigen Anlagehorizonte mit eingeschlossen sind. Sieht beispielsweise das EMT „medium term” als Anlagehorizont vor, so wird dies in WM-Datenservice in „mittel- und langfristig” übersetzt. Zusätzlich fehlte im EMT bis zuletzt eine Angabe für Fonds mit einem Anlagehorizont von exakt fünf Jahren, da „medium-term“ mit kleiner als fünf Jahre, „long-term“ aber größer als fünf Jahre definiert ist. Wird der Anlagehorizont im EMT in Zukunft mit fünf Jahren angegeben, wird dies entsprechend dem deutschen Zielmarktkonzept im WM-Datenservice als „mittelfristig“ übersetzt.

Ebenfalls wurde das Mapping im Rahmen der Kategorie „Kenntnisse und Erfahrungen” verbessert. Bisher sollte hier der niedrigste Wert in einer geschlossenen aufsteigenden Kette für die ersten drei Kategorien relevant sein (eingeteilt in „einfache, erweiterte und umfangreiche Kenntnisse“ sowie „Erfahrungen“). Fraglich war hier, ob die vierte Kategorie („Kunde mit Kenntnissen und Erfahrungen mit hochspeziellen Finanzprodukten – Expert Investor“) von der geschlossenen aufsteigenden Kette mit umfasst sein sollte. Da nicht alle Fondsgesellschaften dieses Feld befüllt haben, wurde hiervon Abstand genommen. In der Übersetzung in die WM-Datenfelder würde das Feld „Kunde mit speziellen Kenntnissen und/oder Erfahrungen mit hochspeziellen Finanzprodukten" nur dann zum Tragen kommen, wenn nur dieses Feld befüllt ist.

Durch diese im April 2018 erfolgten Anpassungen wurden wesentliche Anfangsprobleme entschärft. Nichtsdestotrotz setzt sich der Branchenverband Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) für eine weitere Harmonisierung der Praxisanforderungen ein.

Es existieren unterschiedliche Standards in Bezug auf die Zulieferung von MiFID-relevanten Daten an die Vertriebe.

Andreas Holzapfel ,
Universal-Investment

2. Anforderung an SRI

Vereinzelt sind Vertriebe auf die Fondsgesellschaften mit der Anforderung zugekommen, für die Zielmarktbestimmung der Fonds statt dem im Markt bereits etablierten Synthetic Risk and Reward Indicator (SRRI) gemäß der OGAW-Richtlinie den durch die sogenannte PRIIPs-Verordnung vorgegebenen Summary Risk Indikator (SRI) für die Zielmarkbestimmung heranzuziehen. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass der SRI aus zwei Komponenten berechnet wird: dem Markt- und dem Kreditrisiko.

Universal-Investment hat sich im Zuge der MiFID-II-Umsetzung dazu entschieden, ausschließlich den SRRI für die Zielmarktbestimmung zu verwenden. Auf Anforderung ermittelt Universal-Investment die SRI-Kennzahl gemäß PRIIP-Verordnung für Fonds, die Bestandteil von Versicherungsprodukten sind.

3. Ausblick PRIIPs-Verordnung

Gleichzeitig mit den Regelungen der MiFID II sind die Vorgaben der PRIIPs-Verordnung in Kraft getreten. Danach müssen für alle verpackten Anlageprodukte (darunter fallen beispielsweise auch fondsgebundene Lebens- oder Rentenversicherungen) neue Basisinformationsblätter (PRIIPs-KIDs) erstellt werden. Grundsätzlich ist die PRIIPs-Verordnung allerdings erst ab dem Jahr 2020 für Kapitalverwaltungsgesellschaften anwendbar. Aufgrund der Anwendbarkeit auf fondsunterlegte Versicherungsprodukte beschäftigen sich die Kapitalverwaltungsgesellschaften allerdings bereits intensiv mit diesen Vorgaben. Universal-Investment liefert bereits auf Anfrage die für die Erstellung der PRIIPs-KIDs benötigten Daten auf Basis der in der „European Working Group“  zwischen Fonds- und Versicherungsbranche abgestimmten Daten-Templates „EPT“ (European PRIIPs Template)  und „CEPT“ (Comfort European PRIIPs Template).

Die ersten branchenweiten Erfahrungen mit den neuen Vorgaben zeigen indes, dass noch erhebliche Defizite im Hinblick auf die Plausibilität verschiedener Daten bestehen. Dies betrifft insbesondere die zu ermittelnden Transaktionskosten sowie die Performance-Szenarien. Hier führt die korrekte Anwendung der Vorgaben zu teils irreführenden Informationen für die Anleger. Daher wird auf europäischer Ebene nunmehr versucht, diese Defizite zu beseitigen. Insbesondere deshalb strebt die deutsche Fondsbranche eine Verlängerung der Übergangsfrist für Kapitalverwaltungsgesellschaften bis Ende 2021 an. Bis zu diesem Zeitpunkt soll für Publikumsfonds dann weiterhin das „altbewährte” OGAW-KIID zum Einsatz kommen. Universal-Investment begleitet in Zukunft diesen Prozess durch Mitarbeit in den entsprechenden Gremien des BVI. 

Autor: Andreas Holzapfel, Syndikus bei Universal-Investment
Erscheinungsdatum: 25.05.2018