Bei Investments gewinnt der Nachhaltigkeitsaspekt immer größere Bedeutung Foto: FredFroese Quelle: istockphoto.com

„Die EZB hat wenig Spielraum im derzeitigen Marktumfeld“

Gastautor: Kerrin Tansley und Carl Berthold, Partner JAR CAPITAL Autor: Kerrin Tansley und Carl Berthold, Partner JAR CAPITAL

Hochzinsanleihen versprechen im gerade nicht so beliebten Anleihesegment durchaus noch sehr attraktive Renditen. Die britische Investmentboutique JAR Capital hat sich auf High-Yield-Anleihen im Unternehmenssektor spezialisiert. Einen wichtigen Einfluss haben auch Nachhaltigkeitskriterien bei der Titelauswahl, mit denen Risiken frühzeitig erkannt werden. Universal-Investment sprach mit Carl Berthold und Kerrin Tansley, Partner bei JAR Capital, über die Anlagestrategie im JAR Capital Sustainable Income UI (LU1112873689).

Kerrin Tansley, Partner JAR CAPITAL Quelle: JAR Capital
Carl Berthold, Partner JAR CAPITAL Quelle: JAR Capital

Universal-Investment: Herr Tansley, an der Zinsfront im Euroraum werden wir wohl vorerst keine weiteren Entwicklungen sehen. High-Yield-Anleihen scheinen daher eine gute Alternative zu sein für den Investor in diesen Zeiten. Was zeichnet Hochzinsanleihen aus? Warum sind sie für Investoren attraktiv?

Tansley: Der Hauptvorteil der Hochzinsanleihen in diesem Marktumfeld ist, dass die Wirtschaft sehr freundlich bleibt. Die Unternehmen können ihre Geschäfte erfolgreich fortführen, ohne dass sie Angst haben müssen, dass plötzliche Veränderungen auf der Zinsseite sich negativ auf das Konsumverhalten oder mögliche Kreditvergaben auswirken könnten. Aus diesem Grund sollten Hochzinsanleihen auch weiterhin dem Investor eine stabile höhere Rendite mit weniger Volatilität als viele andere Asset-Klassen.

Universal-Investment: Sie nutzen einen Nachhaltigkeitsansatz bei der Auswahl der Titel für das Portfolio und sagen, dass so langfristig stabilere Renditen erwirtschaftet werden können. Wie ist das realisierbar?

Berthold: Das ist das Ergebnis einer sorgfältigen Auswahl von Unternehmensanleihen, verbunden mit einem konservativen Ansatz, um mögliche wesentliche negative Auswirkungen auf das Kapital der Investoren zu vermeiden.

„Hochzinsanleihen sollten weiterhin eine stabile höhere Rendite mit weniger Volatilität als viele andere Asset-Klassen bieten“

Kerrin Tansley ,
Partner JAR CAPITAL

Universal-Investment: Welche Performance-Ziele haben Sie für den JAR Capital Sustainable Income UI? Mit welchen Wertschwankungen muss der Investor im Schnitt rechnen?

Tansley: Wir haben am Anfang des Jahres gesagt, dass wir eine Rendite von vier bis fünf Prozent für das Portfolio erwarten. Jedoch ist Volatilität immer schwierig vorhersehbar, ebenso deren Stärke. Eine wichtige Eigenschaft von High Yield Bonds ist, dass Marktwertverluste deutlich schneller wieder aufgeholt werden als bei anderen Asset-Klassen aufgrund der für diese Art von Portfolio typische hohe Mittelzuflüsse. In einem schwächeren Marktumfeld werden diese Cashflows dann wieder zu einem besseren Zins reinvestiert und beschleunigen somit die Werterholung des Portfolios.

Universal-Investment: Während in den USA bereits Zinsschritte seitens der Fed erfolgt sind, hält die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin an ihrer expansiven Geldpolitik und den Nullzinsen fest. Mit welchen Entwicklungen können wir in den kommenden Monaten rechnen? Wird es eine Wende im Euroraum möglicherweise bei den Zinsen geben?

Berthold: Die EZB hat wenig Spielraum im derzeitigen Marktumfeld. Zuerst einmal werden sich die EZB-Hüter mit weiteren Handlungen zurückhalten, da neben der wichtigen Wahl in Frankreich auch noch der Urnengang in Deutschland ansteht. Auch wenn mit Emmanuel Macron ein europafreundlicher Politiker gewählt wurde, muss man nun abwarten, ob er seine Wahlversprechen wirklich realisieren kann und seine geplanten Reformen auf den Weg bringen kann. Zweitens ist die, wenn auch positive, wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum derzeit weit entfernt von einer Stabilität. Die EZB ist derzeit zu besorgt, als dass sie in diesem Umfeld zu früh die Zinsen wieder anheben würde. Daher sollten wir in den kommenden Monaten mit wenig Entwicklung rechnen. Der Euro-Kurs hat zwar seine Talsohle überschritten, wir können aber noch nicht von einer Normalisierung des Euro-Kurses sprechen. Alle Augen werden sich erst einmal auf die wichtigste Wahl in Europa, die Bundestagswahl in Deutschland, in diesem Jahr richten. Bis zu ihrem Ausgang werden wir von der EZB wenige Veränderungen erwarten können. 

Autor: Kerrin Tansley und Carl Berthold, Partner JAR CAPITAL
Erscheinungsdatum: 01.06.2017