Banken sind strenger reguliert als die meisten übrigen institutionellen Investoren. – Dies schlägt sich deutlich in der Asset-Allokation nieder Foto: Cineberg Quelle: iStock

360-Grad-Analyse: Banken setzen auf Loans

Gastautor: Markus Neubauer, Geschäftsführer Universal-Investment

Die Analyse aller in Spezialfonds auf der Plattform von Universal-Investment investierten Gelder gibt einen weitgehend repräsentativen Einblick in die Anlagestrategien verschiedener Investorengruppen. Markus Neubauer, Geschäftsführer Universal-Investment, berichtet im Rahmen der 360-Grad-Analysen über das Investmentverhalten von Banken, Kreditinstituten und Sparkassen.

Markus Neubauer, Geschäftsführer Universal-Investment Foto: Manjit Jari Quelle: Universal-Investment

Banken sind strenger reguliert als die meisten übrigen institutionellen Investoren. Dies schlägt sich deutlich in der Asset-Allokation nieder: Während Aktienanlagen in den Spezialfonds auf der Plattform von Universal-Investment im Schnitt aller Investoren per Ende Juli 2017 fast 32 Prozent ausmachen, liegt die Aktienquote bei Banken, Kreditinstituten und Sparkassen mit durchschnittlich gut zehn Prozent deutlich niedriger. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten setzt die Kreditwirtschaft aber immer stärker auf Aktien. Seit März 2017 übersteigt die Aktienquote bei ihren indirekten Anlagen die Zehn-Prozent-Marke, deutlich höher als zu Beginn des Auswertungszeitraumes der 360-Grad-Analyse im Januar 2012.

Ähnlich verhält es sich bei Fondsinvestments. In den Spezialfonds der Kreditwirtschaft summierten sich die Fondsanteile (ex Aktien und Renten) zwar per Ende Juli nur auf einen Mini-Anteil von etwas mehr als zwei Prozent, dies ist jedoch deutlich mehr als im Sommer des letzten Jahres, als diese Quote fast bei Null lag. Der institutionelle Durchschnitt hatte zuletzt über zwölf Prozent in Fondsanteile investiert.

Rentenquote sinkt wieder unter 80 Prozent

Der Rentenanteil in den Spezialfonds der Kreditinstitute liegt seit März 2017 wieder unter 80 Prozent mit fallender Tendenz, nachdem die Anleihequote im vergangenen Jahr noch auf fast 87 Prozent geklettert war und damit einen neuen Höchststand im Rahmen der 360-Grad-Analyse erreichte. Betrachtet man die Zeitreihenverläufe, so fällt auf, dass die Rentenquoten bei den indirekten Anlagen der Kreditwirtschaft in den letzten Jahren in einer Bandbreite zwischen rund 68 und knapp 87 Prozent mit Hochs und Tiefs schwankten, während sich bei der Gesamtheit aller Investoren seit Beginn der 360-Grad-Analyse ein nahezu stetiger Rückgang vollzieht – zuletzt lag der Rentenanteil dort nur noch bei gut 42 Prozent.

Weniger Cash-Bestände

Der Vergleich der Asset-Quoten offenbart, dass Banken, Kreditinstitute und Sparkassen im Schnitt per Ende Juli knapp zehn Prozent in Baranlagen geparkt hatten, während die Anlegergesamtheit auf einen Wert von fast 13 Prozent kam und damit einen neuen Höchststand seit Auswertungsbeginn bei den Barquoten erreichte. Insgesamt schwankten die Cash-Quoten mit Werten zwischen fünf und über 20 Prozent bei der Kreditwartschaft deutlich stärker als bei der Anlegergesamtheit.

Zoom
Asset-Quoten

Gute Performance trotz Anlagerestriktionen

Obwohl sie weniger in risikobehaftete Assets investieren können als andere Institutionelle, haben die Banken, Kreditinstitute und Sparkassen seit Beginn der 360-Grad-Analyse mit ihren indirekten Anlagen insgesamt eine respektable Performance erzielt. Im Schnitt erreichten sie per Ende Juli über zehn Jahre eine Wertentwicklung von 2,90 Prozent p. a., während die Investorengesamtheit durchschnittlich eine Jahresperformance von 3,93 Prozent erwirtschaftete. Je kürzer man zurückschaut, umso größer wird allerdings der Performanceabstand zwischen den indirekten Anlagen der Kreditwirtschaft und jenen der Anlegergesamtheit.

Zoom
Performance von Spezialfonds

Rentenfonds haben über zehn Jahre die Nase vorn

Auf Sicht von zehn Jahren waren Aktienfonds mit einer Wertentwicklungt von 3,48 Prozent p. a. per Ende Juli die Performancetreiber bei den indirekten Anlagen von Banken, Kreditinstituten und Sparkassen. Der Abstand zu den Gemischten Fonds und Rentenfonds war jedoch nicht übermäßig groß: Während Mischfonds im selben Zeitraum eine Jahresrendite von 2,90 Prozent beisteuerten, lieferten Rentenonds eine Performance von jährlich 2,67 Prozent.

Mit Blick auf die Sektorengewichtung im Aktienbereich fällt auf, dass die Kreditwirtschaft teilweise deutliche Übergewichtungen in den Bereichen Energie, Rohstoffe, Industrie, Gesundheit und Versorger gegenüber der Anlegergesamtheit aufweist. Spürbar untergewichtet war bei den indirekten Aktienanlagen von Banken, Kreditinstituten und Sparkassen dagegen zuletzt vor allem der IT-Sektor.

Zoom
Aktiensektoren

Starke Gewichtung von Schuldscheindarlehen

Bei Staatsanleihen ist die Kreditwirtschaft aktuell gegenüber der Anlegergesamtheit um gut elf Prozentpunkte untergewichtet, bei Unternehmensanleihen um 8,5 Prozent. Absolut gesehen entfiel in den Rentenspezialfonds der Banken, Kreditinstitute und Sparkassen per Ende Juli auf Staatsanleihen ein Anteil von rund zwölf Prozent, der Anteil von Unternehmensanleihen lag bei rund 25 Prozent. Hervorstechend ist die starke Übergewichtung von Loans in den Rentenspezialfonds der Kreditwirtschaft: Dort lag der Loan-Anteil zuletzt bei fast 30 Prozent, während die Anlegergesamtheit im Schnitt nur etwas mehr als sechs Prozent in Schuldscheindarlehen investiert hatte.

Die Auswertung erfasst alle Anlagen in Spezialfonds bei Universal-Investment für den Zeitraum vom 1. Januar 2012 bis 31. Juli 2017 und wird monatlich aktualisiert. Das Gesamtvolumen der analysierten Assets under Administration von Universal-Investment beträgt derzeit rund 236 Milliarden Euro. Dieses Volumen entspricht einem Marktanteil von gut 15 Prozent des gesamten vom Deutschen Fondsverband BVI erfassten Spezialfondsvermögen in Höhe von 1.554 Milliarden Euro per Ende Mai 2017. 

Zoom
Rentensektoren


Erscheinungsdatum: 05.10.2017