Automobilzulieferer zählen zu den erfolgreichen Unternehmen im deutschen Mittelstand Quelle: istockphoto.com/CreativaImages

Vielversprechende Nische

Autor: Raik Hoffmann, FPM, und Timo Lüllau

Der deutsche Mittelstand ist und bleibt ein Fels in der Brandung. Davon profitiert auch der FPM Funds Stockpicker Germany Small/Mid Cap (LU0207947044), der jüngst auch bei den Euro Fund Awards ausgezeichnet wurde. Fondsmanager Raik Hoffmann von der FPM Frankfurt Performance Management AG investiert für diesen Fonds in kleinere und mittlere Unternehmen aus Deutschland.

Raik Hoffmann, FPM AG Quelle: FPM AG

Universal-Investment sprach mit ihm auf dem Fondskongress in Mannheim über die Entwicklung des deutschen Aktienmarktes, innovative Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand und die Vorteile von Value-Investing im Nebenwertesegment.

Universal-Investment: Herr Hoffmann, der deutsche Aktienmarkt hat zum Jahresende 2016 noch einmal eine ordentliche Rallye hingelegt. Mit welchen Entwicklungen rechnen Sie für die kommenden Monate – und was bedeutet das für die Attraktivität deutscher Werte?

Hoffmann: Wir erwarten für die deutsche Wirtschaft, dass sich die aufwärts gerichtete Konjunkturentwicklung fortsetzt. Zinsseitig rechnen wir mit keinen Anhebungen bei den Leitzinsen, aber die Diskussion über eine Rückführung der Anleihekäufe wird im Jahresverlauf an Schärfe gewinnen. Steigende Inflationsraten werden die Zinsen am langen Ende dennoch nach oben drücken. Das sind hervorragende Bedingungen für unseren Investmentstil, das Value-Investing, und unser Aktienuniversum, die deutschen Werte. Die alten Lieblinge des deutschen Aktienmarktes aus den vergangenen Jahren, Unternehmen mit hoher Visibilität und aufgrund der gesunkenen Zinsen auch hoher Bewertung, sind dadurch derzeit weit weniger attraktiv als die Nebenwerte, auf die wir setzen.

Universal-Investment: Was sind die Gründe, weswegen Sie für den FPM Funds Stockpicker Germany Small/Mid Cap in diese investieren?

Hoffmann: Wir fokussieren uns mit deutschen Nebenwerten auf eine klare Nische, in der wir uns aufgrund des Heimvorteils sehr gut auskennen – wir sprechen dieselbe Sprache, kennen die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen und profitieren von den etwa 250 Unternehmensgesprächen pro Jahr, die wir mit den jeweiligen Managern haben.

Für unsere Bottom-up-Fundamentalanalyse haben wir 150 bis 200 deutsche Unternehmen aus dem Bereich Small und Mid Caps im Fokus, von denen im Durchschnitt 25 bis 35 Aktien im Portfolio zu finden sind. In unserem Anlageuniversum befindet sich eine Vielzahl an innovativen Unternehmen, die auf ihrem Gebiet Marktführer sind. Sie haben sich in Nischen spezialisiert, in denen es oft nur eine geringe Konkurrenz am Weltmarkt gibt. Der deutsche Mittelstand ist hier in seiner Struktur einzigartig und bietet daher viele interessante Unternehmen mit einem etablierten Alleinstellungsmerkmal – und das mit einer für uns passenden Informationsdichte und Transparenz. Daher können wir jeweils Geschäftsmodell, Management und Bewertung fundiert beurteilen und die richtigen Investitionsentscheidungen treffen.

In unserem Anlageuniversum sind viele innovative Unternehmen, die auf ihrem Gebiet Marktführer sind

Raik Hoffmann ,
FPM

Zwei Beispiele für erfolgreiche Investments im vergangenen Jahr sind Grammer und Wacker Chemie. Grammer ist ein Automobilzulieferer, der sich unter anderem im Bereich Pkw auf Mittelkonsolen und Kopfstützen sowie auf die Sitze von Trucks und Offroad-Fahrzeugen spezialisiert hat. Auch wenn Letzteres eher wenig spannend klingt, sind die Belastungen für Fahrer und Material extrem hoch und stellen einen hohen Anspruch an die Innovationskraft. Ähnlich interessant ist Wacker Chemie. Hier werden sich nach Jahren massiver Investitionen die Ausgaben wieder auf ein nachhaltiges Niveau normalisieren und somit der Free Cashflow sowie in den Folgejahren auch die Gewinne nach unseren Erwartungen deutlich steigen. Mit seiner Marktstellung in der Spezialchemie sowie bei den erneuerbaren Energien ist Wacker aus unserer Sicht unterschätzt.

Universal-Investment: Welche Vorteile hat Ihre Investmentstrategie, das Value Investing?

Hoffmann: Unser Fokus liegt ganz klar auf der Qualität und Bewertung eines Unternehmens. Für unsere Arbeit haben wir die Marktentwicklung und andere globale Größen wie Währungen und Zinsen im Blick, lassen uns aber von deren häufigen Änderungen und schwerer Prognostizierbarkeit nicht verunsichern, da wir unsere Investments sehr genau kennen. Für uns ist der Free Cashflow eines Unternehmens die entscheidende Kennzahl, denn er drückt aus, was für den Aktionär letztendlich „übrig“ bleibt. Ob Unternehmen ihn dann in weiteres Wachstum oder für Schuldenabbau, Aktienrückkäufe oder Dividenden verwenden, hängt von der jeweiligen Situation ab. Nur wenn Aktien uns eine Zielrendite von mindestens zehn Prozent ermöglichen, investieren wir. Das gibt uns eine Sicherheitsmarge und verhindert dauerhafte Kursverluste. So war etwa die Aktie von Grammer 2015 um 50 Prozent im Kurs gefallen, aber die für uns relevanten Value-Aspekte passten. Wir haben entsprechend kräftig nachgekauft. Seitdem hat sich der Titel als sehr erfolgreich für unsere Publikumsfonds erwiesen. Zusammenfassend ist der Kern des Value Investings, ein Unternehmen sowie seine angemessene Bewertung zu verstehen. Dies ist entscheidend dafür, in unsicheren Börsenphasen nicht den Kopf zu verlieren, sondern Chancen zu nutzen. 

Weitere Informationen zu den Fonds von FPM finden Sie im Fondsselektor von Universal-Investment.

Autor: Raik Hoffmann, FPM, und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 21.02.2017