„Echtes Stock-Picking im Rahmen einer Long-Short-Strategie bringt einen wirklichen Mehrwert für den Investor“ Quelle: Alexander Habermehl

„Wir lassen uns nicht von Prognosen beeinflussen“

Autor: Marc Siebel, Peacock Capital, und Timo Lüllau

Fundamental fehlbewertete Unternehmen im europäischen Nebenwertesegment sind für Marc Siebel, Gründer von Peacock Capital, besonders interessant. Sie fließen in das Portfolio des Peacock European Alpha Builder UI (LU0967289215) ein. Der Fonds nutzt dabei die hohen Bewertungsunterschiede innerhalb der Vielzahl der Aktien auf der Long- und Short-Seite aus.

Marc Siebel, Gründer von Peacock Capital Quelle: sentix

Universal-Investment sprach mit dem Fondsberater über „echte“ Long-Short-Strategien und die Suche nach den passenden Titeln im Universum der europäischen Nebenwerte auf dem Fonds professionell Kongress.

Universal-Investment: Herr Siebel, viele Long-Short-Produkte haben im vergangenen Jahr enttäuscht, obwohl der europäische Aktienmarkt auf Jahressicht mehrheitlich durchaus erfolgreich gewesen ist. Was haben Sie besser als die Wettbewerber gemacht?

Siebel: Ich denke, dass es vor allem an unserer Investmentphilosophie liegt, dass wir im vergangenen Jahr so erfolgreich gewesen sind.  Dafür sind wir auch vom Anlegermagazin „Euro“  2016 als bester Aktienfonds im Segment Absolute Return ausgezeichnet worden. Wir konzentrieren uns auf reines Stock-Picking auf der Long- und Short-Seite im Fonds. Titel, die bereits gut gelaufen sind und unter Umständen immer noch positive Ergebnisse liefern, aber aus Sicht der quantitativen Analyse bereits zu hoch bewertet sind, werden konsequent verkauft. Unser proprietärer Peacock Opportunity Filter hilft uns dabei, Verkaufsdisziplin zu wahren und andererseits antizyklisch in attraktiv bewertete und wachstumsstarke Unternehmen zu investieren. Wenig zuträglich bei vielen Long-Short-Fonds in 2016 war die Tatsache, dass extreme Sektorwetten gefahren wurden – der Hauptgrund für ein negatives Ergebnis vieler Fonds in 2016. Das hat sich gerade um die Brexit-Entscheidung und vor der Wahl des US-Präsidenten Donald Trump gezeigt, als beispielsweise das Gros auf defensive Titel gesetzt hat. Pharmaaktien haben etwa sehr bluten müssen und sind vielfach immer noch chronisch überbewertet. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass Sektorrotationen zu schnell und unerwartet stattfinden, um damit Performance zu generieren. Taktisches Hin und Her kostet Geld. Ein überlegtes und langfristig orientiertes Investieren auf Basis von Bewertungskennzahlen in Einzeltitel halten wir für sinnvoller. Politische und gesamtwirtschaftliche Nachrichten sind für uns nicht relevant, dies beeinflusst unsere Investmententscheidungen nicht. Das war der wesentliche Grund für unsere Bestplatzierung in 2016 mit einem Kursplus von knapp zehn Prozent.

Der Fokus liegt auf Unternehmen mit erheblichen Bewertungsanomalien

Marc Siebel ,
Peacock Capital

Universal-Investment: Viele Investoren bezeichnen sich gerne als Long-Short-Experte. Was aber macht eine „echte“ Long-Short-Strategie aus?

Siebel: Hier möchte ich auf den Begründer des ersten Hedgefonds, Alfred Winslow Jones, verweisen. Er hat das „echte“ Long-Short-Konzept geprägt, nach dem auch im Peacock European Alpha Builder UI investiert wird. Viele Long-Short-Fonds setzen ausschließlich auf Indexabsicherungen, wie etwa den Euro Stoxx 50. Damit verkaufen sie implizit Aktien, die mitunter gar nicht überbewertet sind, teilweise sogar erhebliches Erholungspotenzial aufweisen. Das kostet Performance. Das vierte Quartal 2016 ist der beste Beweis dafür. Andererseits gehen wir bei Unternehmen „short“, die sehr hoch bewertet sind (etwa bei KGVs von knapp 30), anfällige Geschäftsmodelle aufweisen und deren Management oftmals nicht transparent und fair vorgeht. Die Wahrscheinlichkeit fallender Kurse und damit das Gewinnpotenzial für Investoren sind damit um ein Vielfaches höher. Zum „echten“ Long-Short-Ansatz gehört es zudem, ein sehr geringes systematisches Aktienmarktrisiko zu haben, das heißt, der Fonds sollte dauerhaft eine geringe Aktienquote aufweisen, das Alpha des Stock-Pickers im Vordergrund stehen. Nur dann ist auch gewährleistet, dass das Konzept zu Aktien und Renten unkorreliert ist. Viele Manager gehen nur situativ und vereinzelt Short-Positionen ein und fahren eine hohe Aktienquote. Das erinnert mich mehr an die ehemals in Mode gekommenen 130-30-Fonds.

Universal-Investment: Sie kaufen unterbewertete Wertpapiere, während Sie gleichzeitig überbewertete Titel über Derivate verkaufen, um das Marktrisiko deutlich zu reduzieren. Wie setzen Sie das genau um? Und welche Instrumente kommen neben Aktien zum Einsatz, um Alpha zu generieren?

Siebel: Derzeit sind etwa 100 Einzeltitel im Portfolio auf die Long- und Short-Seite verteilt. Die Long-Positionen entsprechen 80 bis 85 Prozent des Fonds, der Rest wird in Cash gehalten. Eine Art Liquiditäts- oder Vorsichtskasse ist gerade bei Nebenwerten wichtig. Als Gegenpart zu den Long-Positionen enthält das Portfolio auch 50 Short-Positionen. Im regulierten UCITS-Mantel wird auf ein überschaubares Kontrahentenrisiko geachtet, nur zehn Prozent sind hier erlaubt. Diese Positionen erzielen bei fallenden Kursen automatisch Gewinne für den Fonds, bei stark fallenden Märkten sorgt dies für die gewollte Abfederung. Wichtig: Stock-Picking bedeutet auch immer, dass Einzeltitel nicht immer sofort in die gewollte Richtung laufen. Schwankungen sind auch hier auszuhalten. Allerdings liegt der maximale Drawdown bei nur 14 Prozent, die Volatilität bei sieben Prozent. Die Definition eines marktneutralen Long-Short-Fonds, wie beispielsweise von Morningstar gelebt, bezieht sich nur auf die Nettoaktienquote. Diese darf nicht höher als 30 Prozent liegen.

Universal-Investment: Wie filtern Sie die idealen Werte mit dem selbst entwickelten Peacock Opportunity Filter aus dem Anlageuniversum für das Portfolio heraus?

Siebel: Bei 4.000 europäischen notierten Aktien ist es keinem Team möglich, alle Werte individuell zu analysieren. Seit vielen Jahren hat sich deshalb eine quantitative Vorselektion bewährt. Mit unserem proprietären Peacock Opportunity Filter verkleinern wir das Universum auf 500 Titel. Aktien mit geringem Handelsvolumen und einer Marktkapitalisierung von unter 200 Millionen Euro fallen zudem heraus. Unser Filter wählt anhand bewährter Kennzahlen, die sowohl wachstums- als auch bewertungsorientiert sind, jedes Quartal die besonders attraktiven Titel aus. So werden die sehr günstigen und wachstumsstarken als Kaufkandidaten und die sehr teuren und verlustträchtigen für die Short-Seite herausgefiltert. Der Fokus soll auf wenige Unternehmen mit erheblichen Bewertungsanomalien gesetzt werden, da sich das langfristig erheblich auf die Rendite auswirkt. So liegt das KGV bei unseren Kauftiteln bei etwa elf, während die Titel für die Short-Seite mit einem KGV von knapp 30 absurd hoch bewertet sind. Die systematische Umsetzung hat historisch eine Rendite von neun Prozent nach Kosten im Jahr erzielt. Wenn wir auch in Zukunft die Hälfte an Performance erzielen, wären wir sehr zufrieden.

Universal-Investment: Sie betonen immer wieder die Bedeutung von Value Investing. Spielt dies überhaupt eine Rolle, wenn man marktneutral agiert?

Siebel: Hier unterscheiden wir uns von vielen Mitbewerbern am Markt. Die Mehrheit der Fondsmanager, die mit einem Absolute-Return-Ansatz agieren, steuert das Portfolio mithilfe von Risikoparametern. Volatilität und Tracking Error  bestimmen, welche Wertpapiere in den Fonds kommen. Viele neutralisieren ihre Länder- und Sektorpositionierungen, um das Risiko zu minimieren. Inwieweit ein Einzeltitel dabei fundamental völlig unterbewertet ist oder nicht, spielt eine nebensächliche Rolle. Value Investing beruht aber eben gerade auf der Tatsache, ein Wertpapier deutlich unter dem eigenen fairen Wert zu erwerben. Die Säulen „Einzeltitelanalyse“, „Marktunabhängigkeit“ und „Durchhaltevermögen“ sind dabei wichtig. Studien haben mittlerweile zweifelsfrei belegt, dass diese Strategie zu Ergebnissen deutlich oberhalb von Benchmarks führt. Bei unserem Long-Short-Konzept ist die Short-Seite eben die Kehrseite des Value Investings. Beispiele für Short-Positionen sind etwa die Aktien von Rocket Internet oder Avanti Communications. Diese Unternehmen waren  nicht nur absurd hoch bewertet, sondern konnten auch kein nachhaltiges Geschäftsmodell aufweisen. Cashflow ist bei diesen Unternehmen ein Fremdwort. 

Autor: Marc Siebel, Peacock Capital, und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 20.02.2017