Mit der UI-Factor-Return-Produktfamilie bieten wir Anlegern die Möglichkeit, gemäß ihrer Risikotoleranz in faktorbasierte Strategien zu investieren. Foto: wakila Quelle: iStock

Factor Investing: Mit weniger Risiko mehr Rendite erzielen

Autor: Dr. Markus Brechtmann, Universal-Investment

Mit regelbasierten Factor-Return-Strategien kann gegenüber einem marktwertgewichteten Vergleichsindex eine höhere Rendite bei weniger Risiko erzielt werden. Noch besser werden die Ergebnisse, wenn man verschiedene Factor-Return-Ansätze miteinander kombiniert. Mit der UI-Factor-Return-Produktfamilie bieten wir Anlegern die Möglichkeit, gemäß ihrer Risikotoleranz in faktorbasierte Strategien zu investieren. Wie das funktioniert, erklärt Dr. Markus Brechtmann, Senior Portfoliomanager Quantitatives Portfoliomanagement bei Universal-Investment.

Dr. Markus Brechtmann, Senior Portfoliomanager Quantitatives Portfoliomanagement, Universal-Investment Foto: Manjit Jari Quelle: Universal-Investment

Grundlage des Bottom-up Factor Investing ist die These, dass Investoren mit Aktien nicht nur die allgemeine Risikoprämie des Aktienmarktes, sondern mehrere verschiedene Risikoprämien vereinnahmen können. Welche und wie viele Risikofaktoren es gibt – und wie hoch deren Prämien ausfallen – ist in der empirischen Kapitalmarktforschung seit mehr als 50 Jahren Gegenstand der Diskussion. Einigkeit herrscht aber darüber, dass es mehrere Risikofaktoren – und damit Risikoprämien – gibt. Factor Investing ist der Obergriff für jene Strategien, die zum Erzielen dieser zusätzlichen Ertragsquellen konzipiert wurden. Zu den vier der bekanntesten Faktoren zählen:

1) GARP („Gutes muss nicht teuer sein“):

GARP steht für „Growth at a Reasonable Price”. Damit werden zwei eigentlich konträre Faktor-Ansätze vereinigt: Der Value-Ansatz, der nur auf günstig bewertete Aktien abstellt, und der Growth-Ansatz, der sich ausschließlich auf zukünftige Gewinnperspektiven konzentriert.

2) Momentum („The trend is your friend“):

Der Preisbildungsprozess an den Kapitalmärkten ist umstritten. Anhänger der Effizienzmarkthypothese glauben, das neue Informationen von allen Marktteilnehmern gleichzeitig beurteilt und in den Marktpreisen unmittelbar, vollständig und richtig verarbeitet werden. Durch neuere Forschungsergebnisse aus dem Bereich der Behavioral Finance besser untermauert ist dagegen der Erklärungsansatz, dass neue Informationen nur allmählich verarbeitet und Erwartungen kontinuierlich
gebildet werden. Die Konsequenz aus dieser These ist die Entstehung von Trends bei einzelnen Aktien, auf die sich die Momentum-Strategie fokussiert.

3) Low Risk (“Weniger Risiko, mehr Ertrag“):

Eine inzwischen bei institutionellen Investoren sehr beliebte Faktor-Strategie beruht auf dem Low-Risk-Ansatz. Man konzentriert sich dabei auf Aktien mit niedrigen Risiko-Kennzahlen wie Volatilität und Beta-Faktor, denn die Forschung hat bewiesen, dass die Performance dieser Low-Risk-Aktien weitaus besser ausfällt, als nach dem Capital-Asset-Pricing-Modell zu erwarten wäre. Deshalb ist die langfristige risikoadjustierte Performance von Low-Risk-Strategien für viele Anleger attraktiver als die Investition in marktwertgewichtete Aktienindizes.

4) Dividend („Ausschüttungen sind der neue Zins“):

Allgemein bekannt ist, dass Dividenden entscheidend zur Wertentwicklung der Aktienmärkte beitragen. Besonders im Niedrigzinsumfeld ist der Dividendenansatz deshalb für Investoren attraktiv, denn er beschränkt sich auf Aktien mit hoher Dividendenrendite, hohem historischen Dividendenwachstum und guten Aussichten auf zukünftige Dividendenzahlungen und Dividendensteigerungen.

Die Vereinigung von Top-down-Investitionsgradsteuerung und Bottom-up Factor Investing macht den innovativen UI-Factor-Return-Ansatz aus

Dr. Markus Brechtmann ,
Senior Portfoliomanager Quantitatives Portfoliomanagement

Auch auf die Größe kommt es an

Neben den skizzierten vier Faktoren ist auch die Größe einer Aktie ein wichtiger Einzelfaktor. Der Size- oder auch Small-Cap-Effekt drückt aus, dass niedrig kapitalisierte Aktien besser performen als der Gesamtmarkt, weil Anleger für geringere Liquidität langfristig mit einer Risikoprämie entlohnt werden. Universal-Investment bietet zwar explizit ein Small-Cap-Produkt an, implizit wird der Faktor Size aber in allen UI-Single-Factor-Strategien gespielt, weil bei der Portfoliokonstruktion alle Titel eines Universums gleichgewichtet werden. Kleinere Titel werden dadurch deutlich höher, größere Titel deutlich niedriger gewichtet als in vergleichbaren Portfolios mit Marktwertgewichtung.

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Factor Mix ist entscheidend
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Faktor-Mix ist entscheidend

Faktor-Mix ist entscheidend

Investoren sollten auf eine Kombination mehrerer Faktor-Portfolios setzen, in denen über regelgebundene, transparente Investmentprozesse die jeweiligen Faktoren isoliert, aggressiv und pur widergespiegelt werden. In der Aggregation ergibt sich daraus ein ausgewogenes und wohl diversifiziertes Aktienportfolio. Bei der Umsetzung bevorzugen wir Long-only-Strategien, weil wir das allgemeine Marktrisiko mit unserem Top-down-Faktor-Ansatz steuern. Long-Short-Faktor-Strategien sind zudem schwieriger umzusetzen und tragen höhere Risiken auf der Short-Seite.

Wie gut der Bottom-up-Faktor-Ansatz funktioniert, lässt sich am Beispiel des Aktienuniversums des Euro Stoxx 50 zeigen. Dieses kleine und liquide Universum wurde bewusst ausgewählt, um deutlich zu machen, dass alle aufgezählten Faktorprämien auch in einem Blue-Chip-Segment klar nachweisbar sind. Factor Investing kann daher schon mit kleinen Anlagevolumen umgesetzt werden, bei größeren Anlagevolumen ist ein breiteres Aktienuniversum als Grundlage sinnvoll.

Wie die Abbildung der absoluten Wertentwicklung zeigt, konnten alle vier genannten Faktor-Strategien langfristig den marktwertgewichteten Euro Stoxx 50 deutlich schlagen. Dies gilt auch für den aus den vier Faktor-Strategien gleichgewichtet zusammengesetzten Factor-Composite. Der Verlauf seiner Outperformance ist aber kontinuierlicher als bei den Single-Factor-Strategien. 

Autor: Dr. Markus Brechtmann, Universal-Investment
Erscheinungsdatum: 06.10.2017