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Alternative Investments und ESG

Autoren: Dr. Sofia Harrschar, Robert Bluhm

Erscheinungsdatum: 21. Oktober 2020

  • Alternative Investments
  • Institutionelle Investoren
  • Unternehmen
Die Nachfrage nach ESG-konformen Alternative Investments steigt. Quelle: iStock

Auf dem Weg zur Normalität

Bei liquiden Anlagen wie Aktien oder Anleihen gab es zuletzt große Fortschritte in Bezug auf ESG-Risikomessung und -Reporting. Doch auch die Nachfrage nach ESG-konformen Alternative Investments steigt. Die Anlageklasse ist in besonderer Weise prädestiniert, einen Beitrag zu nachhaltigen Investments zu leisten. Für langfristig orientierte Investoren können ESG-Kriterien zudem die Risikoeinschätzungen verbessern – allerdings sind die Anforderungen komplex.


Dr. Sofia HarrscharDr. Sofia Harrschar, Member of the Board, Executive Director, Head of Alternative Investments, Universal Investment
Robert BluhmRobert Bluhm, Sustainability Officer, Head of Securities Product Management, Universal Investment

Aus extrem wird normal: Tropische Temperaturen und extreme Trockenheit im nunmehr dritten Sommer in Folge haben uns hierzulande wieder einmal drastisch vor Augen geführt, dass der Klimawandel höchst real ist. Das öffentliche Bewusstsein hat sich geändert und das Thema nachhaltiges Investieren gewinnt immer mehr an Bedeutung. Im Bereich liquide Anlagen ist das klar ersichtlich. So hat sich im zweiten Quartal 2020 der Absatz von Nachhaltigkeitsfonds in Europa nochmals beschleunigt: Nachhaltige Fonds sammelten knapp ein Drittel der Zuflüsse des gesamten europäischen Fondsuniversums ein - 54,6 Milliarden von 165 Milliarden Euro.1

Morningstar, 31.07.2020

Alternative Investments: Nachhaltigkeit ist immanentes Thema mit Wachstumstrend

Auch für institutionelle Investoren spielt das Thema Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle. Die Anlagevolumina institutioneller Investoren in nachhaltigen Fonds und Mandaten stiegen in Deutschland 2018 um 48 Prozent und 2019 um weitere 27 Prozent, wie das Forum Nachhaltige Geldanlagen e. V. ermittelt hat.

Grafik Anstieg nachhaltige Investitionen Quelle: Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V., Stand: Juni 2020 Quelle: Forum Nachhaltige Geldanlagen e. V.

Viele Alternative Investments weisen klassische Nachhaltigkeitscharakteristika auf, etwa Investitionen in Infrastruktur für den öffentlichen Nah- und Fernverkehr, die den CO2-Ausstoß reduzieren können, oder Projekte aus dem Bereich Erneuerbare Energien wie Photovoltaik oder Windkraft.

Quelle: Universal-Investment-Gesellschaft mbH, Stand: März 2020

Das Wachstum im Bereich Erneuerbare Energien schlägt sich auch in den Zahlen von Universal-Investment nieder; Erneuerbare Energien gehören zu den alternativen Anlageklassen mit starkem Wachstumstrend, auch wenn sie sich absolut gesehen noch auf niedrigem Niveau bewegen. So hat sich das Volumen in Private-Debt-Strukturen zwischen Ende 2017 und März 2020 mehr als verdoppelt auf 75,5 Millionen Euro, das Volumen in Private-Equity-Strukturen stieg von null auf 194,4 Millionen Euro.

Allerdings handelt es sich längst nicht bei allen Alternative Investments um Anlagen, die ESG-Kriterien auf den ersten Blick genügen. Und fest etabliert haben sich ESG-Aspekte in der Branche noch nicht. Eine Umfrage des BAI zu ESG aus dem August 2019 deckte noch große Unsicherheiten auf: So gaben 55 Prozent der befragten Investoren an, noch keine Erfahrung mit nachhaltigen Investments gemacht zu haben. Größte Herausforderung für 57 Prozent der Interviewten war die Festlegung einer eigenen ESG-Strategie. Die Hälfte zeigte sich zudem verunsichert hinsichtlich künftiger gesetzlicher und regulatorischer Anforderungen.2

2 BAI Alternative Investors Survey 2019

ESG-Beachtung schafft Chancen

ESG-Kriterien dürften in der Zukunft sicherlich Bedeutung als fixe Bewertungsgröße für institutionelle Investoren und Asset Manager gewinnen. Dabei geht es beim Vorhalten einer guten ESG-Bilanz nicht nur um die Vermeidung eventueller Reputationsrisiken im Portfolio. Für Unternehmen kann sie auch bei der Beschaffung von Eigen- und Fremdkapital ein mitentscheidender Faktor sein. Eine gute ESG-Bilanz kann sich somit positiv auf strategische Handlungsmöglichkeiten eines Unternehmens und somit auf dessen Geschäftserfolg auswirken.

ESG-Reporting hilft schon heute institutionellen Investoren bei der Analyse ihrer liquiden Portfolios in traditionellen Anlageklassen nach Nachhaltigkeitskriterien. In der Welt der illiquiden Anlageklassen ist die Entwicklung hingegen noch nicht so weit fortgeschritten; es gibt lediglich erste Ansätze für ein systematisches ESG-Reporting im Bereich Alternatives. Das liegt auch an den besonderen Herausforderungen in diesem Bereich, etwa den Messproblemen und der Schwierigkeit, an verlässliche Daten zu kommen.

Manche Fälle sind vergleichsweise einfach, wenn es etwa um den Ausschluss bestimmter Kreditnehmer im Private-Debt-Bereich (z. B. Waffenhersteller) oder die Selektion von Zielunternehmen im Private-Equity-Bereich anhand von Positiv- und Ausschlusskriterien geht. Doch meist ist es komplizierter: Wie genau sind Risiken – auf Ebene der Manager, des Portfolios und der Assets – zu erfassen und zu verarbeiten? Welche Bedeutung haben sie für das aufsichtsrechtliche Reporting? Wie halte ich den „Impact“ eines Private-Equity-Unternehmens fest? Solche und ähnliche Fragen gilt es zu beantworten.

Begleitung bei der Integration von Nachhaltigkeitsaspekten

Der Asset-Klasse Alternative Investments dürfte auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft eine besondere Rolle zukommen. Die Klimaziele des Pariser Abkommens können nur mit erheblichen Investitionen erreicht werden – Investitionen, die nicht allein von der öffentlichen Hand gestemmt werden können. Die Alternative-Investments-Branche kann mit ihren hohen Investitionen in Infrastruktur und Erneuerbare Energien einen wesentlichen Beitrag leisten.

Alternative Investments sind komplexe Anlagen – im Aufbau und in der Administration. Für interessierte Investoren und Fondsinitiatoren bietet es sich – auch unabhängig vom Thema ESG – an, mit einem erfahrenen Strukturierungspartner und Anbieter zusammenzuarbeiten, etwa bei der individuellen Konstruktion und Strukturierung von Alternatives oder für Dienstleistungen von der Administration bis hin zum Reporting.

Für die Unterstützung bei der Operationalisierung des Themas ESG sollte der Partner aber auch in Nachhaltigkeitsfragen eine Vorreiterrolle einnehmen, indem er:

Vorreiterrolle in Nachhaltigkeitsfragen

Für die Unterstützung bei der Operationalisierung des Themas ESG sollte der Partner aber auch in Nachhaltigkeitsfragen eine Vorreiterrolle einnehmen, indem er:

  •  Kunden und Geschäftspartnern bei der Integration von Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage und der Befolgung regulatorischer Vorgaben und Standards unterstützt,
  • an der Entwicklung neuer, nachhaltigerer Produkte und Services mitarbeitet,
  • an der Gestaltung regulatorischer Vorgaben und Standards auch im Bereich Alternatives aktiv mitwirkt, etwa über den BAI oder andere Verbände,
  • Kunden und Geschäftspartnern bei Nachhaltigkeitsthemen mit Expertise zur Seite steht und
  • den Wandel im Markt durch übergreifenden Austausch und Zusammenarbeit mit vorantreibt.

BAI-Beitrag

Dieser Artikel ist bereits im BAI-Newsletter V/2020 erschienen. 
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