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Professionelles HQLA-Management unverzichtbar

Autoren: Prof. Dr. Stefan Zeranski

Erscheinungsdatum: 23. September 2015

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Mit den Basel-III-Reformen steht ein regulatorischer Paradigmenwechsel in der Asset Allocation bevor. Foto: Martina Berg / Fotolia

Die Basel-III-Reformen bringen einen regulatorischen Paradigmenwechsel in der Asset Allocation mit sich. Die Mindestliquiditätsquote für Banken (LCR) schreibt vor, wieviel erstklassige, hochliquide Aktiva (HQLA) die Institute vorhalten müssen, kontrolliert wird die Einhaltung der Vorschriften durch die bankenrechtliche Aufsicht (SREP) im Rahmen der EU-Bankenunion. Für Banken stellen sich im Niedrigzinsumfeld mit dieser Regulierung neue Herausforderungen für das Depot A, die Prof. Dr. Stefan Zeranski von der Brunswick European Law School (BELS) für Universal-Investment beschreibt.

Prof. Dr. Stefan Zeranski, Brunswick European Law School

Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht veröffentlichte im Januar 2013 die vollständige Fassung der Mindestliquiditätsquote für Banken (Liquidity Coverage Ratio, LCR). Die LCR ist eine zentrale Komponente der Basel-III-Reformen. Die Kommission der Europäischen Union (EU) hat am 10. Oktober 2014 in einem delegierten Rechtsakt die Details zur Anwendung und Berechnung der LCR veröffentlicht. Demnach ist die LCR nicht nur bei international tätigen Banken anzuwenden, sondern bei allen rund 8.000 Instituten in der EU – sowohl auf der Einzelinstituts- als auch auf der Konzernebene. Die Veröffentlichung der LCR-Regelungen erfolgte schließlich im EU-Amtsblatt am 17. Januar 2015. Die LCR strahlt als eine der wichtigsten regulatorischen Reformen auch auf die Regulierung anderer Bereiche der Finanzindustrie aus.

Kurzfristig Liquiditätsrisikoprofil von Banken verbessern

Mit der LCR soll die kurzfristige Widerstandskraft des Liquiditätsrisikoprofils von Banken verbessert werden. Die Institute müssen jederzeit einen angemessenen Bestand an lastenfreien erstklassigen hochliquiden Aktiva (High Quality Liquid Assets, HQLA) vorhalten, die an privaten Märkten sofort flüssig gemacht werden können, damit die Institute ihren Liquiditätsbedarf in einer Liquiditätskrise von 30 Kalendertagen decken können.

In der EU-Bankenunion wird künftig bei der bankaufsichtlichen Überprüfung im Rahmen des Supervisory Review and Evaluation Process (SREP) neben der angemessenen Eigenkapitalausstattung auch die angemessene Liquiditätsausstattung umfassend zu prüfen sein. Die Institute müssen dafür den Internal Liquidity Adequacy Assessment Process (ILAAP) implementieren. Die regulatorischen Sanktionen zur Liquiditätsausstattung sehen unter anderem vor, dass die HQLA-Deckung angehoben werden kann, beispielweise für die 30-tägige Stressdauer auf 125 Prozent. Ebenso ist möglich, den Stresszeitraum von einem auf drei Monate zu verlängern, sodass der HQLA-Puffer höher ausfällt.

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde hat in ihren beiden LCR-Auswirkungsstudien vom Dezember 2013 und Dezember 2014 ermittelt, dass sich die HQLA für die LCR-Erfüllung im Durchschnitt auf etwa zehn Prozent der Aktiva einer Bank belaufen. Banken mit weniger stabilen Einlagen erwarten bis 2018 einen HQLA-Anstieg auf rund 15 Prozent der Aktiva, zumal die LCR ab dem 1. Oktober 2015 nur mit 60 Prozent, ab dem 1. Januar 2018 aber mit 100 Prozent zu erfüllen ist.

Eine HQLA-Anlage nur in Zentralbankgeld und Bundesanleihen führt zu Mindererlösen.

Prof. Dr. Stefan Zeranski Brunswick European Law School

Legt eine Bank ihre HQLA nur als Zentralbankgeld und in zweijährigen Bundesanleihen an, entstehen im aktuellen Negativzinsumfeld erhebliche Mindererlöse. Kauft eine Bank dagegen Instrumente wie beispielsweise griechische Staatsanleihen, besteht das Risiko erhöhter Credit Spreads, die als Abschreibungen die GuV weiter belasten. Die neue geldpolitische Ausrichtung der EZB lässt die Zinskurve zum Teil negativ und noch flacher werden, was den Strukturbeitrag aus der Fristentransformation reduziert und somit den Druck erhöht, ein professionelles HQLA-Management aufzusetzen. Hierfür sind LCR-konforme Spezialfonds oder Publikumsfonds für institutionelle Anleger ideale Finanzinstrumente, obgleich jedes Institut auf der Basis seiner Geschäfts- und Risikostrategien und mit Blick auf die Eigenmittel- und Liquiditätsrisikotragfähigkeit entscheiden muss, wieviel des LCR-Puffers in einen HQLA-Fonds gegeben wird.

Die LCR-konformen HQLA sind in drei Kategorien unterteilt:

  • Level-1-Aktiva: Barmittel, Zentralbankforderungen, bestimmte Covered Bonds.
  • Level-2A-Aktiva: Drittländeranleihen, Anleihen von Gebietskörperschaften mit einem Risikogewicht von 20 Prozent, EU Covered Bonds mit ECAI-2-Rating und Nicht-EUCovered Bonds mit einem ECAI-1-Rating.
  • Level-2B-Aktiva: RMBS, Auto ABS, SME ABS, Consumer Loan ABS, Unternehmensanleihen mit ECAI-3-Mindestrating, in einem großen Aktienindex enthaltene Aktien, bestimmte Covered Bonds.

 

Mindestens 60 Prozent des Liquiditätspuffers müssen Level-1-Aktiva sein, mindestens 30 Prozent Level-1-Aktiva ohne Covered Bonds äußerst hoher Qualität, höchstens 15 Prozent des Puffers dürfen auf Level-2B-Aktiva entfallen. Mit der LCR-Liquiditätskrisenanforderung und deren Deckung durch die HQLA soll auch das Risiko sogenannter „firesale losses“ gebannt werden.

LCR erfordert neue Ansätze im Portfoliomanagement

Mit der neuen Regulierung werden neue Ansätze im Portfoliomanagement erforderlich, die weit über die klassische Orientierung an Minimum-Varianz-Portfolien von Markowitz und den Value-at-Risk-Konzepten mit Wertsicherung hinausgehen müssen, um die Liquiditätsrisiken angemessen zu berücksichtigen.

Die LCR sieht mit den Level-1-, Level-2A- und Level-2B-Aktiva ein breites Anlageuniversum vor, aus dem exemplarisch ein HQLA-Level-1-Fonds illustriert ist, zu dem das Fondsreporting auf täglicher Basis Risikokennzahlen und Stresstests liefern kann, damit die LCR-HQLA-Anforderungen bei Haircuts für die LCR-HQLA-Anrechnung institutsspezifisch dokumentiert sind.

Bei den Risikokennzahlen zu den HQLA sollte eine Bank auf geschäftstäglicher Basis auch das Risiko unter Liquidationsaspekten für unterschiedliche Halte-/Liquidationsdauern im Intervall von einem bis mindestens 30 Tagen ermitteln (lassen) können. Das Konfidenzniveau für die Risikoberechnung sollte für normale Risikoverläufe vorsichtig ausgerichtet sein und sowohl 99 Prozent als auch 99,9 Prozent einbeziehen. Als einfache historische Stressrisikokennzahl bietet sich beispielsweise der maximale Drawdown seit 2005 an, wobei eine Bank stets bestrebt sein muss, die HQLA-Stresstests mit den aktuellen Marktlagen in eigenen Szenarien zu verknüpfen, aber auch neue Forschungsergebnisse über Stresstests zu integrieren. Dies ist notwendig, weil sich die Aufsicht mit den Stresstests beschäftigen muss, um herauszufinden, ob die Stresstests in Banken nicht zu milde sind und eine Bank unter Umständen kurzfristig noch mehr Risikokapital und einen höheren LCR-Puffer im Sinne des SREP bereitstellen muss.

Für die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells einer Bank ist auch die Wirtschaftlichkeit der HQLA umsichtig zu beurteilen: Die sich aus einem zu geringen HQLA-Puffer ergebenden Risiken können die Existenz einer Bank schnell bedrohen. Die Mindererlöse aus einem zu hohen, zu niedrigverzinslichen HQLA-Puffer dageben können die GuV und das Geschäftsmodell nachhaltig belasten. Ein professionelles HQLA-Management mit modernen professionellen Fondslösungen ist daher für mittelständische Banken unverzichtbar.

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