Auf regionaler Ebene waren Investment-Grade-Anleihen aus Lateinamerika und Hochzinsanleihen europäischer Schwellenländer dieses Jahr die Spitzenreiter. Foto: microgen Quelle: iStock

Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern – das richtige Investment in unsicheren Zeiten?

Autor: Sune Jensen, Toke Hjortshøj und Yvonne Raßbach

Nach einer relativ schwachen Entwicklung von Emerging-Markets-Unternehmensanleihen im Jahr 2018 hat sich dieses Marktsegment im bisherigen Jahresverlauf wieder erholt. Hartwährungsanleihen von Staaten und auch Unternehmen erzielten eine gute Wertentwicklung. Aufgrund des spürbaren Rückgangs von US-Treasuries schnitten Investment-Grade-Emittenten mit längeren Laufzeiten überdurchschnittlich ab. Emerging-Markets-Unternehmensanleihen der Sektoren Öl, Gas, Metalle und Bergbau verzeichneten in diesem Jahr die beste Wertentwicklung.

Sune Jensen, Portfolio Manager, Absalon Capital Quelle: Absalon Capital
Toke Hjortshøj, Portfolio Manager, Absalon Capital Quelle: Absalon Capital

Auf regionaler Ebene waren Investment-Grade-Anleihen aus Lateinamerika und Hochzinsanleihen europäischer Schwellenländer dieses Jahr die Spitzenreiter. Doch wie sieht die Zukunft der Emerging-Markets-Unternehmensanleihen aus, wenn das Rezessionsrisiko in den USA und Europa steigt? Sune Jensen und Toke Hjortshøj, Portfolio Manager des ABSALON-EM Corporate Debt (ISIN LU1138630998) von Absalon Capital, beschäftigen sich näher damit in ihrem Gastbeitrag.

Viele Vermögensverwalter werden künftig damit zu kämpfen haben, dass sich die Anzeichen für eine Verlangsamung des weltweiten Wirtschaftswachstums mehren und das Rezessionsrisiko in den USA und Europa steigt. Anleger, die Risikopositionen in ihren Portfolios abbauen möchten, sollten unseres Erachtens eine Allokation in Emerging-Markets-Unternehmensanleihen in Hartwährung in Betracht ziehen. Anleger sind in Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern nach wie vor stark untergewichtet, und die Spreads haben wieder ein attraktives Niveau erreicht – insbesondere bei Hochzinsanleihen. Ein Vergleich zum Aktienmarkt: Im Jahr 2018 gaben die im MSCI enthaltenen Schwellenländeraktien um 16 Prozent nach. Im Jahresverlauf 2019 sind sie jedoch bisher nur um 5,5 Prozent angestiegen (Stand: Mitte September). Im gleichen Zeitraum des Jahres 2018 büßte der JP Morgan CEMBI BD Index 1,2 Prozent ein. Dagegen erzielte er 2019 bisher ein Plus von 10,7 Prozent. Die Renditen von Hartwährungsanleihen der Emerging Markets profitierten größtenteils von den rückläufigen US-Zinsen. Auch wenn die Märkte für Emerging-Markets-Unternehmensanleihen nicht so günstig sind wie 2015, gibt es Bereiche mit Wertpotenzial, die unseres Erachtens mit einem aktiven, benchmarkunabhängigen Ansatz erschlossen werden können.

Die fünf wichtigsten Ertragsfaktoren von Schwellenmarktanlagen:

globales Wachstum, Geldpolitik der USA, Rohstoffangebot, Kreditaufschläge und spezifische Wachstumsentwicklung der Emerging Markets. Diese Faktoren sind die eigentlichen Risiko- und Renditequellen von Emerging Market Portfolios.

Studie zu Investitionen in Schwellenländern

Eine aktuelle Forschungsarbeit der Bank of America Merrill Lynch geht der Frage nach, was die Renditen aus den Schwellenländern beeinflusst („Where do EM returns come from?“). Diese Studie identifiziert die fünf wichtigsten Ertragsfaktoren von Schwellenmarktanlagen: globales Wachstum, Geldpolitik der USA, Rohstoffangebot, Kreditaufschläge und spezifische Wachstumsentwicklung der Emerging Markets. Diese Faktoren sind die eigentlichen Risiko- und Renditequellen von Emerging-Markets-Portfolios. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass 70 bis 95 Prozent der Wertentwicklung von Schwellenmarktanlagen auf diese fünf Faktoren zurückzuführen sind.

Investoren legen in Emerging Markets an, um am Faktor Wirtschaftswachstum zu partizipieren. Das globale Wachstum entwickelt sich in der Regel gut, wenn sich die Erwartungen für das aktuelle und künftige globale Wachstum verbessern. Lassen die Wachstumserwartungen nach, rücken Schwellenmarktanlagen jedoch zweifellos stärker in den Blickpunkt der Anleger, denn damit kann dieses Faktorrisiko teilweise beseitigt werden.

Aus der Studie geht ferner hervor, dass mit Emerging-Markets-Unternehmensanleihen weitaus höhere risikobereinigte Renditen erzielt wurden als in den meisten anderen Anlageklassen der Emerging Markets und der Industrienationen – sowohl langfristig, seit dem Jahr 2000, als auch kurzfristig, seit 2010.

Herabstufung von Ländern beeinflusst Ratings von Unternehmen

In den vergangenen zwei Jahren haben Hochzinsanleihen der Emerging Markets schlechter abgeschnitten als Emerging-Markets-Anleihen mit Investment Grade. Wir sind der Ansicht, dass diese unterdurchschnittliche Wertentwicklung teilweise auf die Herabstufung von Staatsanleihen aus Ländern wie Argentinien, Mexiko und der Türkei zurückzuführen ist, denn dort hatten diese Herabstufungen direkte Auswirkungen auf die Ratings von Unternehmen. Dieses Phänomen wird häufig als „sovereign debt ceiling rule“ bezeichnet und ist ein gemeinsames Merkmal der Märkte für Emerging-Markets-Unternehmensanleihen. Dieser Grundsatz beruht auf der Annahme, dass in den meisten Ländern Unternehmen keine besseren Kreditkonditionen als der Staat selbst bekommen können. Dies bedeutet, dass sich die Unternehmens-Ratings im Regelfall verschlechtern, wenn es zu einem Downgrade des Ratings des jeweiligen Landes kommt. Dabei wird kein Unterschied zwischen Emittenten mit Geschäftsfokus auf den Heimatmarkt und exportorientierten Emittenten gemacht: Bei einer Herabstufung des Landes rutschen die Ratings all dieser Unternehmen in den Keller. Ein gutes Beispiel aus jüngerer Vergangenheit ist Sisecam, ein Unternehmen in das wir im ABSALON - EM Corporate Debt investiert waren. Sisecam ist ein türkischer Glashersteller, der fast die Hälfte seiner produzierten Waren exportiert und folglich Umsätze in Hartwährung erzielt. Seine Produktionskosten begleicht er dagegen in der türkischen Lira. Im ersten Halbjahr 2019 wies die Unternehmensbilanz eine Netto-Long-Devisenposition von umgerechnet 471 Millionen US-Dollar aus. Folglich verfügt das Unternehmen über ein starkes Finanzprofil, das zudem von einem beherrschenden Marktanteil und einem starken Geschäftsmodell untermauert wird. Die Bonität des Unternehmens entspräche demnach einem BBB-Rating. Seine Anleihen werden jedoch unter Investment Grade eingestuft – und das in erster Linie deshalb, weil das Unternehmen in der Türkei ansässig ist.

Emerging-Markets-Unternehmensanleihen bieten gutes Wertpotenzial

Wie bereits angemerkt, sind die Spreads von Hochzinsanleihen der Emerging Markets in den letzten zwei Jahren allmählich gestiegen und liegen inzwischen 150 Basispunkte über den US-amerikanischen bzw. europäischen Spreads. Hatten die Spreads in der Vergangenheit die Marke von 200 Basispunkten überschritten, war dies ein guter Einstiegszeitpunkt für Investoren. Wir sind der Ansicht, dass Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern im Vergleich zu ihren Pendants aus den Industrienationen inzwischen ein gutes Wertpotenzial für jene Anleger bereithalten, die einen Abbau ihrer Risikopositionen auf der Aktienseite in Betracht ziehen. Darüber hinaus kann mit einer Allokation in Emerging-Markets-Unternehmensanleihen potenziell ein besseres Risiko-Rendite-Profil erreicht werden als mit einem Aktienengagement in globalen Schwellenländern – insbesondere dann, wenn sich das weltweite Wachstum weiter abschwächt. 

Autor: Sune Jensen, Toke Hjortshøj und Yvonne Raßbach
Erscheinungsdatum: 08.11.2019