Dr. Hendrik Leber: „Die Stärke menschlicher Manager liegt darin, die Welt der Zahlen zu verlassen und zu interpretieren." Foto: ipopba Quelle: iStock

Digitale Helfer – Mensch-und-Maschine-Beziehung

Autor: Dr. Hendrik Leber, Dr. André Jäger, Christian Reitz und Mario Röcher

Künstliche Intelligenz (KI) ist keine Science-Fiction mehr. Im Asset Management ist sie schon längst angekommen, und der Blockchain wird vorhergesagt, die Finanzwelt umkrempeln zu können. Universal spotlight zeigt, wie neue Technologien in der Vermögensverwaltung eingesetzt werden.

Dr. Hendrik Leber, geschäftsführender Gesellschafter, ACATIS Investment Quelle: ACATIS Investment

Mittelmäßige Manager werden durch KI aussterben.

Dr. Hendrik Leber

Technikangst kennt Dr. Hendrik Leber nicht. Der geschäftsführende Gesellschafter von ACATIS Investment setzt im Asset Management schon seit 2016 auf künstliche Intelligenz (KI). Seitdem übernimmt ein neuronales Netzwerk die Titelvorauswahl des ACATIS Global Value Total Return (ISIN DE000A1JGBX4). Es sucht nach Aktien mit gleichmäßiger Entwicklung bei wichtigen Finanzkennzahlen. In diesem Fonds bleibt die Anlageentscheidung noch bei Menschen, der 2017 aufgelegte ACATIS AI Global Equities (ISIN DE000A2DR2L2) geht einen Schritt weiter: Aus dem Anlageuniversum selektiert eine KI Einzeltitel, ein zweites KI-System baut das Portfolio. Ganz ohne Menschen geht es aber auch hier nicht: „Wir mussten Finanztitel herausnehmen, weil dieser Sektor mit KI-Modellen nur schwer zu erfassen ist“, erklärt Leber, „und wir beschränken Gewichtungen, wenn einzelne Regionen gegenüber dem Vergleichsindex zu dominant werden.“ Beim jüngsten KI-Fonds aus dem Hause ACATIS, dem ACATIS AI BUZZ US Equities (ISIN DE000A2JF683), identifiziert eine KI anhand von Online-Beiträgen (zum Beispiel Social Media) die Aktien mit dem positivsten Sentiment in den USA, die dann ins Portfolio genommen werden.

Die eingesetzten KI-Modelle sind nicht statisch, ACATIS tüftelte lange daran. Dass die KI emotionslos agiert, sei vor allem in schwächeren Marktphasen günstig: Weil Computer sich nicht von Trends blenden lassen, finden sie stabilere Aktien. Ein weiteres Plus: KI kann alle verfügbaren Informationen zu allen Wertpapieren gleichzeitig verarbeiten. „Das schafft kein Mensch“, sagt Leber, „und auch kein eindimensionales Quant-Modell, das einen oder wenige Faktoren zu einer bestimmten Zeit betrachtet.“ KI könne sowohl numerische als auch Textdaten verarbeiten – und historische Entwicklungen berücksichtigen. Leber resümiert: „KI-Modelle liefern eine Gesamtschau, breiter und umfassender als klassische Quant-Modelle.“

Keine KI ohne Big Data

So viel KI auch kann – ohne Big Data funktioniert sie nicht. „Bei Alternative Investments und bei der Allokation kann künstliche Intelligenz wenig helfen, denn sie braucht große Datenmengen“, erklärt der ACATIS-Chef. Bei Liquid Assets glaubt er aber an die Überlegenheit der Maschinen. Vor allem aktive Manager mit mittelmäßiger Performance sieht er unter Druck, zumal die Leistungsfähigkeit der KI immer weiter steigt. So könnten künftig KI-Modelle Pharmaforschungen auswerten, um früh herauszufinden, ob Medikamente zugelassen werden. „Das ist konventionell kaum zu schaffen“, sagt Leber, der dennoch tröstliche Worte für Anlageexperten aus Fleisch und Blut hat: „Die Stärke menschlicher Manager liegt darin, die Welt der Zahlen zu verlassen und zu interpretieren – in diesem Bereich sind Menschen der KI noch überlegen.“

Autor: Dr. Hendrik Leber, Dr. André Jäger, Christian Reitz und Mario Röcher
Erscheinungsdatum: 14.11.2019