„Konjunktur und Zinsen spielen für unsere Investitionsentscheidungen nur eine untergeordnete Rolle", sagt Michael Keppler. Foto: dibrova Quelle: shutterstock

Fakten statt Fake News und Prognosen

Autor: Michael Keppler und Yvonne Raßbach

New York, 350 West 57th Street, Blick auf den Central Park – hier liegt der Firmensitz des Anlageberatungsunternehmens Keppler Asset Management, das sich auf wertorientierte Aktienmarktstrategien spezialisiert hat. Gegründet wurde die Investmentboutique 1992 von einem Deutschen, Michael Keppler. Der Diplomkaufmann, Buchautor und ehemalige Portfolio Manager der Commerzbank ist vehementer Verfechter der Value-Strategie und Anhänger der US-Ökonomen Benjamin Graham und David Dodd, wie er im Gespräch mit universal spotlight darlegt.

Michael Keppler, Gründer und Inhaber, Keppler Asset Management Quelle: Keppler Asset Management

universal spotlight: Die Erkenntnisse von Graham und Dodd gehen auf die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zurück und bezogen sich auf den US-Markt. Wie ziehen Sie, fast 100 Jahre später, Erkenntnisse daraus für eine globale Anlage in Aktien?

Keppler: Graham und Dodd legten 1934 mit ihrem Buch „Security Analysis: Principles and Techniques“ den Grundstein der Wertpapieranalyse. Laut Warren Buffett bedeutet der Untertitel, dass die Kernaussagen auch in 100 Jahren noch Geltung haben werden – sonst wären es keine Prinzipien. Wir wenden Value Investing nicht nur auf Wertpapiere, sondern auch an den Immobilienmärkten oder auf Farmland in Argentinien an. Unsere Zuversicht, dass diese Prinzipien Allgemeingültigkeit haben, gewinnen wir aus zwei voneinander unabhängigen Quellen. Erstens handelt es sich um grundsätzliche Entscheidungsregeln eines vorsichtigen Kaufmanns mit sehr klaren Präferenzen, die zeitlos und generisch sind. Zweitens haben wir selbst umfangreiche Untersuchungen der internationalen Kapitalmärkte über mehrere Dekaden durchgeführt und die Ergebnisse in diversen Fachzeitschriften veröffentlicht. Wir zeigen empirisch, dass die von Graham und Dodd für die US-amerikanischen Kapitalmärkte gewonnenen Erkenntnisse auf andere Märkte übertragen werden können.

universal spotlight: Das Weltwirtschaftswachstum kühlt ab, die Unsicherheit an den Aktienmärkten wächst angesichts zahlreicher politischer und wirtschaftlicher Probleme. Wie wirkt sich das auf Ihren Investmentansatz aus, der ja ohne Prognosen auskommt?

Keppler: Konjunktur und Zinsen spielen für unsere Investitionsentscheidungen nur eine untergeordnete Rolle. Häufig wirken Zins- oder Konjunkturängste belastend auf die Kurse und ermöglichen es uns, Aktien günstig einzukaufen. Euphorische Phasen nutzen wir regelmäßig, um überteuerte Titel abzustoßen. Apropos Prognosen: Wir verwenden keine, weil sie uns zu ungenau sind. Wir bevorzugen ausgewiesene Ergebnisse, also Fakten statt Fake News und Prognosen. Dabei befinden wir uns in guter Gesellschaft. Warren Buffett hält auch wenig von fragwürdigen Gewinn- oder Zukunftserwartungen und schaut sich lieber Bilanzen der vorangegangenen Jahre an.

Warren Buffett hält auch wenig von fragwürdigen Gewinn- oder Zukunftserwartungen.

Michael Keppler

universal spotlight: Wo sehen Sie Chancen in den entwickelten Ländern, sowohl regional als auch für einzelne Branchen?

Keppler: Derzeit favorisieren wir in Fernost die Aktienmärkte Australien, Hongkong, Japan und Singapur. In Europa sind wir im Global Advantage Funds - Major Markets High Value (ISIN LU0044747169) schwerpunktmäßig in Deutschland, Großbritannien, Italien, Norwegen, Österreich und Spanien engagiert. Diese Länder zeichnen sich durch absolut und im historischen Vergleich sehr günstige Bewertungen aus. In den USA hält unser Fonds knapp zehn Prozent des Fondsvermögens in Warren Buffetts Berkshire Hathaway. In den jeweiligen Ländern investieren wir tendenziell sektor- und branchenneutral, um Makrorisiken zu reduzieren. Der Global Advantage Fund - Major Markets High Value ist aktuell gegenüber dem MSCI-Weltaktienindex um mehr als ein Drittel unterbewertet.

universal spotlight: Welche Favoriten haben Sie unter den Schwellenländern?

Keppler: Emerging-Markets-Aktien sind gemessen an konventionellen Bewertungsfaktoren derzeit um mehr als 20 Prozent preiswerter als Aktien der Industrieländer. Der Global Advantage Funds - Emerging Markets High Value (ISIN LU0047906267) , der in eine Gruppe der preiswertesten Schwellenländer investiert, weist einen weiteren Discount von 22 Prozent gegenüber dem MSCI Emerging Markets Index aus und bietet daher derzeit besonders günstige Einstiegschancen. Wir empfehlen Anlegern für ein globales Aktienportfolio einen Mindestanteil von zehn Prozent – noch besser 15 bis 20 Prozent – in Emerging-Markets-Value-Aktien. Wir favorisieren aktuell Brasilien, Chile, China, Kolumbien, Korea, Malaysia, Polen, Russland, Taiwan, Tschechien und die Türkei.

universal spotlight: Wie beurteilen Sie die Aussichten der Aktienmärkte in den kommenden Jahren? Wird die Luft nach dem nun bereits zehnjährigen Aufschwung seit der großen Finanzkrise nicht zu dünn?

Keppler: Wir geben grundsätzlich keine Prognosen ab. Dennoch haben wir eine Vorstellung, wie sich die Aktienmärkte in den kommenden drei bis fünf Jahren entwickeln werden. Dabei legen wir Erfahrungswerte der vergangenen 50 Jahre zugrunde. Die Zeit von 1970 bis Mitte der 80er Jahre war durch hohe Inflationsraten, hohe Zinsen und niedrige Bewertungen an den Aktienmärkten gekennzeichnet. Danach ging es mit den Zinsen runter und mit Bewertungen und Aktienkursen nach oben, sodass wir bis heute mit niedrigen Inflationsraten und extrem niedrigen Zinsen zu tun haben. In diesem Umfeld erwarten wir für die Industrieländerbörsen jährliche Gesamtrenditen (Kurssteigerungen und Dividenden) von rund sechs Prozent und für die Emerging-Markets-Aktien von etwa acht Prozent.

Oktober 2019 

Autor: Michael Keppler und Yvonne Raßbach
Erscheinungsdatum: 16.12.2019