Einige Währungen, zum Beispiel der kasachstanische Tenge, haben auf längere Sicht Aufwärtspotenzial, so Jetro Siekkinen von Aktia. Foto: Astana, Hauptstadt von Kasachstan Quelle: iStock, huseyintuncer

Mit Frontier-Staatsanleihen in Lokalwährung besser durch die Krise

Autor: Jetro Siekkinen

In unruhigen Zeiten bleiben die Frontier Markets attraktiv, so Jetro Siekkinen von Aktia Asset Management. Welche Gründe er dafür hat und wie der Markt gelaufen ist, erklärt der Deputy Managing Director im Interview am Beispiel des UI - Aktia EM Frontier Bond+. Der Fonds investiert in Staatsanleihen aus Ländern, die wirtschaftlich, politisch und von der Kapitalmarktentwicklung her noch keine klassischen Emerging Markets sind, es aber schon bald sein könnten: die „Schwellenländer von morgen“. Dabei nutzt der Fonds ausschließlich Finanzinstrumente, die in Lokalwährung begeben werden.

Jetro Siekkinen, Deputy Managing Director, Head of Portfolio Management, Aktia Asset Management Quelle: Aktia Asset Management

Die globalen Finanzmärkte haben im ersten Quartal 2020 aufgrund von Corona eine rasante Kehrtwende vollzogen, die Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich dramatisch eingetrübt. Was als lokale Krise in einer fernen Ecke Chinas begann, hat in wenigen Monaten globale Ausmaße erreicht, alle Kontinente sind betroffen. Als Reaktion darauf haben Politiker in Industrie- und Schwellenländern auf der ganzen Welt umfangreiche Finanzpakete zur Stützung der Konjunktur und der Liquidität aufgelegt. Diese fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen haben zu einer gewissen Stabilisierung geführt, die Liquiditätssituation hat sich verbessert.

Öl – quo vadis?

Der Absturz der Ölpreise hat den globalen Märkten einen weiteren Schock versetzt: Die Ölpreise befinden sich mittlerweile auf dem niedrigsten Stand seit dem Jahr 2000. Derzeit sieht es danach aus, als würden Ölangebot und -nachfrage noch lange Zeit im Ungleichgewicht bleiben. Die Folge: Ölexportierende Länder mit hohem Finanzierungsbedarf – Beispiele sind Angola, Bahrain, Ecuador, Gabun, Nigeria oder Oman – sahen sich plötzlich mit massiven Verkäufen ihrer Auslandsverbindlichkeiten konfrontiert. Auch bei den Währungen gab es Anzeichen von Schwäche.

Strategie und Rückblick: UI - Aktia EM Frontier Bond+

Während dieser Phase extremer Unsicherheit hat sich der  UI - Aktia EM Frontier Bond+ (ISIN LU1669793827 (AK I) ) im Vergleich zu traditionellen Emerging-Markets-Anleihen in lokaler Währung sehr gut geschlagen: Seit Jahresanfang konnte ein Alpha von sieben Prozentpunkten erzielt werden(Stand 05.05.2020): Die Gesamtrendite unserer Strategie ist seit Jahresbeginn (02.01.2020) zwar leicht negativ (Minus drei Prozent), liegt aber deutlich über der Benchmark GBI-EM Diversified (Minus zehn Prozent). Seit dem Start unserer Frontier-Strategie, im Jahr 2015, übertrifft die Gesamtrendite die Wertentwicklung traditioneller Emerging-Markets-Anleihen in lokaler Währung: mit 23 Prozent versus zehn Prozent seit Auflage und fünf Prozent versus zwei Prozent über ein Jahr betrachtet. In diesem Jahr trug die Währungskomponente unseres Frontier-Fonds ein Minus von vier Prozent zur Gesamtrendite bei, während die Zinskomponente eine positive Rendite aufweist (plus ein Prozent) (Stand: 05.05.2020).

Die Strategie weist seit 2015 einen deutlichen Renditevorsprung gegenüber klassischen Emerging-Markets-Anleihen in lokaler Währung auf.

Jetro Siekkinen

Hauptgrund für die im Vergleich zu klassischen Emerging-Markets-Anleihen bessere Rendite der Frontier-Länder: Es gibt keine beziehungsweise kaum passive Produkte, also ETFs, die Frontier-Märkte abbilden. Die Kapitalströme aus dem Ausland in die Anleihenmärkte der Frontier-Länder sind folglich vergleichsweise niedrig. Dadurch blieben Panikverkäufe aus, „vagabundierendes“ Geld, das schnell wieder abgezogen wird, gab es ohnehin nicht. Dazu kommt die attraktive laufende Rendite der Strategie.

In diesem Jahr haben wir unser Engagement in ölexportierende Länder verringert, das Exposure in Nigeria wurde sogar ganz verkauft. Grund waren unsere wachsenden Sorgen bezüglich der Ölpreisentwicklung, der Bewertung der Währungen und der schrumpfenden Währungsreserven. Erhöht haben wir die Allokationen in ölimportierende Länder wie Äthiopien, Georgien, Pakistan und Usbekistan.

Weiterhin attraktiv:  Frontier Markets

Für Anleihen aus Frontier-Ländern sprechen die hohe laufende Rendite (aktuell durschnittlich 13 Prozent, Stand 29.04.2020), die kurzen Durationen (2,1 Jahre) und das hohe durchschnittliche Rating (BBB). Die Frontier-Währungen halten wir insgesamt für angemessen bewertet. Nach den Marktbewegungen der vergangenen Monate könnte eine weitere Abwertung nun durch länderspezifische Themen ausgelöst werden, solche Risiken sind nach unserer Ansicht im Allgemeinen aber begrenzt. Weiterhin negativ sehen wir die Währungen der ölexportierenden Länder wie Angola und Nigeria. Hingegen haben einige Währungen – wie die von Georgien, Kasachstan, Pakistan oder der Ukraine – unserer Ansicht nach auf längere Sicht Aufwärtspotenzial, insbesondere wegen der derzeit noch geringen Auslandsinvestitionen in diese Märkte.

Vor dem Hintergrund der weiter hohen Renditen über die gesamte Zinskurve hinweg und der Bewertung der Währungen sehen wir die Frontier-Märkte weiterhin als attraktive Investmentmöglichkeit und strategischen Kernbestandteil eines EM-Anleihen-Portfolios –  eine weitere Diversifikation durch Exposure in zusätzlichen Regionen und Währungen mit großem Wachstumspotenzial.

  

Autor: Jetro Siekkinen
Erscheinungsdatum: 14.05.2020