BRW setzt auf eine Strategie mit drei Phasen. Sie starten mit aktivem Zyklusmanagement, gefolgt von Renditeausbau und anschließend dem Erhalt der Rendite Foto: glebchik Quelle: iStock

Gesichert durch den Zyklus

Autor: Sabine Groth, Das Investment

Die Braunschweiger BRWFinanz AG senkt das Risikoihres aktienlastigen Mischfonds BRW Balanced Return Plus durch flexible Cash- und Absicherungspositionen.

„Als wir die Idee der BRW Mitte 2008 einem breiteren Kreis von potentiellen Aktionären vorstellten, waren wir noch frohen Mutes, dass die unruhigen Zeiten bald enden würden. Zum Glück kam es anders“, erinnert sich Thomas Ritterbusch. Zusammen mit Kerstin Borchardt gründete er damals die BRW Finanz AG, wenige Wochen später kam es zur Finanzmarktkrise. Doch anders als man gemeinhin vermuten könnte, hat diese Krise dem damals noch jungen Braunschweiger Unternehmen nicht geschadet, sondern im Gegenteil genutzt. Denn im gleichen Maße, wie das Vertrauen in klassische Banken abnahm, suchten die Menschen nach Alternativen. Heute, zehn Jahre danach, verwaltet BRW mit 15 Mitarbeitern rund 500 Millionen Euro. Die Gelder stammen vor allem aus der Region. Mit seinen mittlerweile drei Investmentfonds – der jüngste kam erst im März 2018 hinzu – hat das niedersächsische Unternehmen aber auch überregionale Kunden im Visier. Einer dieser drei Fonds ist der BRW Balanced Return Plus (ISIN DE000A1110J4) , der im Sommer 2014 startete.

Gemanagt wird der aktienlastige Mischfonds von Thomas Ritterbusch und Bastian Bosse, dem Leiter des Asset Managements. „Wir sind renditeorientierte Investoren, unsere Anleger sollen aber auch in schwierigen Marktphasen ein gutes Gefühl haben“, sagt Bosse. Geeignet sei der Fonds für Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont, also von sieben Jahren und mehr. Über einen solchen Zeitraum streben die Manager eine jährliche Rendite von 5 bis 8 Prozent an – und sind bislang auf einem guten Weg dorthin.

Um ihr Ziel zu erreichen, setzen sie auf eine Drei-Säulen-Strategie. Die erste Säule ist das aktive Zyklusmanagement. Mithilfe eines systematischen Ansatzes mit 65-jähriger Datenhistorie wird eine Aktienhausse in drei Phasen unterteilt. Mit der Marktphase ändert sich die Vorgehensweise der Manager. „Das Gros der Performance eines Aufschwungs wird in der Regel in der Anfangsphase einer Hausse erwirtschaftet“, erklärt Bosse. Das Ziel ist daher hier Renditemaximierung. Preisrückgänge werden als Chance erkannt und genutzt. In der zweiten Phase ist das Ende der Aufwärtsbewegung immer noch unwahrscheinlich. Es geht hier um Renditeausbau, und die Chancen bei Kursrückschlägen überwiegen weiterhin die Risiken. Laut Modell begann im aktuellen, schon recht lange andauernden Aufwärtstrend die zweite Phase im Februar / März 2013. Im Herbst 2017 ist dann die dritte Phase angebrochen, in der ein Ende der Hausse wahrscheinlich oder sicher ist. Ziel ist es, die Rendite, die in den vorigen Phasen aufgebaut wurde, zu erhalten. Preisrückgänge werden – wenn überhaupt – nur noch sehr selektiv als Kaufchance genutzt.

Dieses aktive Zyklusmanagement schlägt sich auch auf die beiden anderen Säulen nieder. Die zweite Säule umfasst die Aktien- und Rentenauswahl. Die Manager streben langfristige Beteiligungen an herausragenden Unternehmen an. „Eine Buy-and-hold-Strategie ist nicht veraltet“, ist Ritterbusch überzeugt. BRW betreibt sein eigenes Research. Auf Firmenbesuche verzichtet das Team allerdings weitgehend. „Der Aufwand lohnt vielleicht bei Micro Caps oder Small Caps. Wir müssen aber nicht nach Kalifornien fliegen, um Visa oder Apple zu bewerten“, so Bosse. Grundsätzlich können die Manager zwar in alle Unternehmensgrößen investieren, gerade im jetzigen späten Zyklusabschnitt setzen sie aber nahezu ausschließlich auf Large und Mega Caps. Novo Nordisk, Samsung, Apple oder aus Deutschland BMW und BASF zählen zu den größten der insgesamt rund 40 bis 50 Aktienpositionen. „Wenn die Baisse einsetzt, verhalten sich große Unternehmen meist angenehmer als kleine“, begründet Bosse die Auswahl.

Auf der Rentenseite, die derzeit rund 7 Prozent des Portfolios ausmacht, sehen die Manager aktuell Chancen in einigen Emerging Markets. So haben sie im Spätsommer brasilianische Staatsanleihen gekauft. Auch Staatsanleihen aus Mexiko und Indonesien sind im Portfolio.

Als dritte Säule enthält die Strategie eine systemunterstützte Preissicherung. Über Short-Positionen auf den S&P 500, Euro STOXX und DAX wird das Aktienmarktrisiko reduziert. Zum einen steigt die Absicherungsquote strategisch mit dem Fortschreiten des Zyklus. Zum anderen kann sie kurzfristig für taktische Zwecke genutzt werden. Der Vorteil ist, dass die Manager nicht zwischenzeitlich gezwungen sind, ihre Aktien zu verkaufen, an denen sie langfristig festhalten wollen.

Im Jahr 2018 hat das Preissicherungssystem gut funktioniert. „Wir sind mit einer Nettoquote von 54 Prozent in die Korrektur ab Ende Januar reingelaufen“, so Bosse. Später wurde die Absicherung wieder heruntergefahren. Im November lag die Bruttoinvestitionsquote aus Aktien und Renten bei knapp 80 Prozent. Ergänzt wurde diese um gute 20 Prozent Liquidität und einer Absicherungsquote von 15 Prozent, was ein Nettomarktexposure von etwa 64 Prozent ergibt. Deutlich steigen wird dies erst wieder in der nächsten Baisse, wenn der Fonds für die erste Phase
des Aufschwungs positioniert wird. 

Autor: Sabine Groth, Das Investment
Erscheinungsdatum: 22.03.2019