Der Fonds HQT Global Quality Dividend spielt seine Stärken mit einer Selektion von lediglich 22 Aktientiteln aus. Foto: deepblue4you Quelle: istock

Mit 22 Aktien gegen die Benchmark

Autor: Sven Lehmann

Mit einer gezielten Selektion von wenigen Aktientiteln zum Erfolg – dieser Leitgedanke steht sinngemäß über der Strategie des HQT Global Quality Dividend (ISIN LU1499563440). Anlegern erscheint diese Methode für einen global anlegenden Aktienfonds eher ungewöhnlich. Sven Lehmann, Portfolio Manager bei HQ Trust, zeigt im Interview mit ChampionsNews auf, warum diese Auswahl so erfolgversprechend ist und wie das Fondsmanagement die Aktien auswählt. Zudem erklärt Lehmann, wann der Fonds seine Stärken ausspielt und wie dieser gegen die Benchmark MSCI AC World Net Return in Euro läuft. Schließlich spricht er noch darüber, welche Länder und Sektoren er aktuell als aussichtsreich erachtet.

Sven Lehmann, Portfolio Manager, HQ Trust Quelle: HQ Trust

ChampionsNews: Herr Lehmann, fangen wir ganz vorne an: Wie entstand der HQT Global Quality Dividend?

Lehmann: Die Idee für den HQT Global Quality Dividend (ISIN LU1499563440) entstand nach der globalen Finanzkrise. Die Zinsen, besonders die für sichere Anleihen, waren stark gesunken. Die Dividendenrendite von einigen Unternehmen war höher als die Zinsen auf ausstehende Anleihen dieser Unternehmen. Darunter befanden sich auch Unternehmen, die ihre Dividende über mehrere Jahre oder auch Jahrzehnte nicht gesenkt, sondern sogar erhöht haben. Für einen Kunden haben wir solche Titel selektiert. Die Entwicklung war sehr positiv, und aufgrund des Erfolgs wollten wir die Strategie auch für andere Kunden umsetzen. So starteten wir im September 2012 einen Luxemburger Spezialfonds für unsere Kunden. Dieser Fonds setzte seine positive Entwicklung fort, und wir bekamen Anfragen von Nichtkunden, die gerne ebenfalls in diesen Fonds investieren wollten. So kam es, dass wir seit November 2016 unsere Fondsstrategie auch in einem Luxemburger Publikumsfonds umsetzen.

ChampionsNews: Der Aktienfonds investiert weltweit lediglich in 22 attraktiv bewertete, liquide Qualitätsunternehmen. Wie wählen Sie die Titel genau aus?

Lehmann: Die für einen global anlegenden Fonds geringe Anzahl der Titel ist für viele Anleger zunächst ungewohnt. Doch sowohl wissenschaftliche Studien als auch unsere eigenen Analysen zeigen, dass sich der Diversifikationseffekt bei mehr als 20 Aktien nicht mehr so stark auswirkt. Die Auswahl folgt nach einem quantitativen Prozess, der aus vier Kategorien besteht: Dividende, Qualität, Bewertung und Liquidität.

Die Selektion des globalen Aktienmarktes startet mit weltweit mehr als 7.000 Aktien, auf die das erste Kriterium Dividende angewendet wird. Hier liegt der Fokus auf dem Wachstum der Dividende und vor allem deren Stabilität. Beim Kriterium Qualität sollten die Unternehmen so aufgestellt sein, dass sie auch zukünftig ihre Dividenden zahlen und steigern können. Entscheidende Rollen spielen das Eigenkapital sowie die Ausschüttungsquote – wie viel vom Gewinn als Dividende ausgeschüttet wird.

Das Kriterium Bewertung ist der Grund für die meisten Veränderungen im Portfolio. Dividendenstabile Qualitätsunternehmen sind nur dann eine gute Investition, wenn sie nicht zu teuer sind. Dabei berücksichtigen wir, dass die Unternehmen erfahrungsgemäß mit einem Aufschlag gehandelt werden und setzen die aktuelle Bewertung immer ins Verhältnis zu ihrer Historie. Schließlich überprüfen wir die Liquidität, denn mit Kauf und Verkauf sollte der Kurs der Aktie nicht beeinflusst werden.

An diesem Punkt sind wir bei weniger als 50 Aktien angelangt. Diese werden nun nach ihrer Attraktivität sortiert, und einmal im Quartal werden die 22 besten Aktien für das Portfolio ausgewählt. Dazu stellen wir monatlich sicher, dass jedes Unternehmen auch weiterhin alle Kriterien erfüllt.

Die Stärken des Fonds treten eindeutig in fallenden Marktphasen zutage.

Sven Lehmann

ChampionsNews: Wann spielt der Fonds seine Stärken aus?

Lehmann: Die Stärken des Fonds treten eindeutig in fallenden Marktphasen zutage. Ich vergleiche den Fonds und seine Benchmark, den MSCI ACWI Net Return, mit zwei LKWs auf der Autobahn, die sich bei gutem Wetter, steigenden Aktienmärkten, ein Elefantenrennen liefern. Mal ist der eine mal der andere vorne. Verschlechtern sich aber die Wetterverhältnisse, zum Beispiel bei fallenden Aktienkursen, kann der Fonds durch die gute Qualität der Aktientitel dem Index davonziehen.

ChampionsNews: Wie läuft der HQT Global Quality Dividend gegenüber seinem Vergleichsindex, dem MSCI AC World Net Return in Euro, in den letzten Jahren?

Lehmann: In diesem Jahr, bei weltweit sehr stark steigenden Aktienmärkten, liegt der Fonds hinter dem Index. Doch gerade im letzten Quartal 2018, als der Markt stark eingebrochen war, konnte der Fonds sich gut behaupten. So verlor der HQT Global Quality Dividend im Jahr 2018 nur 1,2 Prozent, während sein Vergleichsindex 4,8 Prozent einbüßte. Auch bei den Rückschlägen im Sommer 2015 und zu Jahresanfang 2016 konnte der Fonds den Index deutlich schlagen.

ChampionsNews: Welche Länder und Sektoren sind in Ihren Augen besonders vielversprechend?

Lehmann: Es besteht weder für Sektoren noch für Länder im Auswahlprozess eine Einschränkung. Auf regionaler Ebene ist der Anteil amerikanischer Unternehmen durch die steigende Bewertung derzeit geringer als der des Vergleichsindex. Seit Auflage des HQT Global Quality Dividend ist Japan im Fonds stets übergewichtet. Bei den Sektoren sind Finanztitel, besonders Banken, durch die Eigenkapitalanforderungen eher unterrepräsentiert. Derzeit favorisiert unser Anlagemodell Basiskonsumgüter, wohingegen, aufgrund der gestiegenen Bewertung, der IT-Sektor geringer gewichtet ist. 

Autor: Sven Lehmann
Erscheinungsdatum: 14.11.2019