„In den illiquideren Sommermonaten investieren wir eher in defensive Titel“ Quelle: Source For Alpha

"Nebenwerte sind in den ersten fünf Monaten des Jahres gefragt"

Autor: Dr. Christian Funke, Source For Alpha, und Timo Lüllau

Deutschland ist der Motor der europäischen Wirtschaft. Auch der deutsche Aktienmarkt sollte in den kommenden Monaten weiter florieren, meint Dr. Christian Funke, Vorstand der Investmentboutique Source For Alpha. Wie man erfolgreich im heimischen Markt anlegt, zeigt sich im Management des S4A Pure Equity Germany (DE000A1W8960)

Im Gespräch mit Universal-Investment auf dem Fondskongress in Mannheim erklärt Funke die Vorgehensweise bei Investments.

Universal-Investment: Herr Dr. Funke, der deutsche Aktienmarkt hat zum Jahresende 2016 noch einmal eine ordentliche Rallye hingelegt. Das Jahr 2017 hat bisher auch durchaus vielversprechend begonnen. Mit welchen Entwicklungen rechnen Sie am deutschen Aktienmarkt für die kommenden sechs bis zwölf Monate?

Funke: Wir gehen auch für 2017 von einem erfolgreichen Aktienjahr aus. Der deutsche Aktienmarkt sollte auch in diesem Jahr wieder zwischen sieben und zehn Prozent Rendite erwirtschaften können. Sicherlich müssen wir auch immer wieder mit dem einen oder anderen Rücksetzer rechnen. Festzuhalten bleibt jedoch: Die deutsche Wirtschaft boomt trotz aller negativen Einflüsse weltweit weiterhin. Hier sehen wir auch keine Gründe für eine Veränderung in den kommenden Monaten. Viele Ängste bezüglich der zukünftigen Politik von US-Präsident Donald Trump sind schon in den Markt eingepreist. Natürlich können stärkere Schwankungen von  einzelnen deutschen Export-Titeln immer wieder auftreten, vor allem wenn diese sehr stark von den USA abhängig sind. Anzumerken ist jedoch, dass eine Reihe an Entscheidungen der US-Regierung aus wirtschaftlicher Sicht sehr positiv für die deutsche Industrie sein kann. Hierbei sehen wir insbesondere die geplanten umfangreichen Investitionsmaßnahmen in die amerikanische Infrastruktur. Das sollte sich positiv auf die Aktienmärkte auswirken.

Universal-Investment: Kommt das gesamte Spektrum des deutschen Aktienmarktes in Ihrem Portfolio zum Einsatz? Hat die Unternehmensgröße eine Bedeutung für Ihre Portfoliozusammenstellung? Nach welchen Kriterien wählen Sie die Einzeltitel fürs Portfolio aus?

Funke: Das Anlageuniversum umfasst alle Werte des Dax, MDax, SDax und TecDax. Die Unternehmensgröße hat indirekt eine Bedeutung, da wir die Gewichtung in die einzelnen Anlagesegmente im Laufe des Kalenderjahres verändern. Empirische Analysen haben ergeben, dass in den ersten Monaten des Jahres Nebenwerte stärker sind. Viele Investoren haben zu Beginn des Jahres noch höhere Risikobudgets zur Verfügung und können somit benchmarkferner investieren. Nebenwerte profitieren von diesem Anlageverhalten. In den illiquideren Sommermonaten investieren wir eher in defensive Titel, wie etwa Adidas oder Fresenius Medical Care. Im letzten Drittel des Jahres haben wir Standardwerte aus dem Dax sehr hoch gewichtet. Diese Werte profitieren von den enger werdenden Risikobudgets der Portfoliomanager. Außerdem möchten viele Fondsmanager für das Jahresend-Reporting sichere Titel in ihren Büchern vorweisen, was klassischen Blue Chips ebenfalls Auftrieb verleiht.

Universal-Investment: Wo sehen Sie gerade interessante Investitionsmöglichkeiten am deutschen Aktienmarkt? Wie spiegeln sich diese in Ihrem Portfolio wider?

Funke: Wir haben uns in den letzten Monaten verstärkt dem Investment in Spin-offs gewidmet. In den USA ist das schon sehr etabliert, in Deutschland eher noch unbekannt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Tochter des Energieriesen Eon, Uniper. Durch die Abspaltung wurden Investoren automatisch Uniper-Aktien in ihr Depot gebucht. Nach der Abspaltung wurde der Titel von vielen Investoren verkauft, da diese die Aktie kaum kannten. Hierdurch war Uniper zunächst zu niedrig bewertet. Mit der Zeit ist das Potenzial der Eon-Tochter zunehmend erkannt worden, wodurch der Aktienkurs deutlich angestiegen ist. Da wir von Beginn an auf den Spin-off gesetzt haben, konnten wir in der Position im Portfolio des S4A Pure Equity Germany seit September ein Plus von rund 30 Prozent verzeichnen. Spin-offs bieten aus unserer Sicht eine interessante Renditechance, auf die wir auch in Zukunft weiter setzen wollen. Neben der Uniper-Aktie waren wir im vergangenen Jahr auch sehr erfolgreich mit Titeln wie Thyssen Krupp, Hochtief, Stada und der Deutschen Post. 

Autor: Dr. Christian Funke, Source For Alpha, und Timo Lüllau
Erscheinungsdatum: 21.02.2017