Nachhaltigkeit und Wertorientierung zählen zu den Unternehmensstrategien der Evangelischen Bank Foto: abriendomundo Quelle: iStock

Schwellenländer-Bonds im ESG-Check

Autor: Sabine Groth, Das Investment

Werteorientierung und Nachhaltigkeit bestimmen das Handeln der Evangelischen Bank. Das zeigt sich auch bei dem neuen EB – Sustainable Emerging Markets Corporate Bond Fund

Wie andere Finanzinstitute, muss auch die Evangelische Bank Gewinne erzielen, um zukunftsfähig zu bleiben. Dennoch unterscheidet sich die größte deutsche Kirchenbank aus Kassel von anderen Banken. Verantwortung, Solidarität und Achtsamkeit zählen zu ihren Unternehmensgrundsätzen. Christliche Werte bestimmen das Handeln der Mitarbeiter und den gesamten Geschäftsablauf.

Ebenso ist das Thema Nachhaltigkeit ein zentrales Element der Unternehmensstrategie. Über die drei Säulen Ökonomie, Ökologie und soziale Ethik ist es in alle Bereiche integriert. „Ein Hauptbestandteil der bankeigenen Nachhaltigkeitsphilosophie ist die Bewahrung der Schöpfung. Der Klimaschutz und somit die kritische Auseinandersetzung mit CO2- und Schadstoffemissionen gehören zu den ehrgeizigen Zielen des Hauses“, sagt Vorstandsmitglied Joachim Fröhlich.

Da verwundert es nicht, dass die Evangelische Bank auch schon früh nachhaltige Finanzprodukte ins Auge gefasst hat. Bereits 1991 hat die genossenschaftlich organisierte Bank ihren Klassiker, den EBÖko-Aktienfonds, initiiert, damals unter dem Namen KD Fonds Öko-Invest. Der Fonds richtet sich auch an Privatanleger. Um den Bedürfnissen und Ansprüchen ihrer vor allem institutionellen Kunden, die vornehmlich aus Kirche, Diakonie sowie der Gesundheits- und Sozialwirtschaft stammen, noch besser zu genügen, hat sich die Bank entschlossen, ihr konsequent nachhaltig ausgerichtetes Investment Management in einer Tochterfirma, der EB-Sustainable Investment Management (EB-SIM), zu bündeln.

Dort wird dann auch die nachhaltige Fondspalette betreut, die im Laufe der Jahre gewachsen ist. Jüngstes Mitglied ist der EB – Sustainable Emerging Markets Corporate Bond Fund (ISIN DE000A2JF7T2)  , der Anfang Oktober zusammen mit Universal-Investment aufgelegt wurde und mit einem Startkapital von 20 Millionen Euro ausgestattet war. Der Fonds investiert in Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern. Ins Portfolio kommen nur Anleihen, die in US-Dollar notiert sind – und die die Nachhaltigkeitsansprüche der EB-Manager erfüllen.

Basis für das Anlageuniversum sind sämtliche Anleihen aus der Benchmark, dem JPM CEMBI Broad Diversified EUR hedged. Daraus ausgesiebt werden alle Emittenten, für die keine Nachhaltigkeitseinschätzung vorliegt oder die als nicht nachhaltig eingestuft werden. Das Portfoliomanagement stützt sich hierbei auf das Nachhaltigkeitsresearch von MSCI. Die daraus resultierende Auswahl stellt das investierbare, nachhaltige Anlageuniversum des Fonds dar.

Auch in den weiteren Schritten, bei der taktischen Allokation und der Einzeltitelselektion, werden Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt. Im Rahmen der taktischen Allokation bewerten die verantwortlichen Analysten die einzelnen Länder und geben eine Einschätzung zur Entwicklung der Zinsen und Risikoprämien ab. Als Grundlage hierfür nutzen sie mehrere Scoring-Modelle mit quantitativen und qualitativen Faktoren.

Ein Beispiel: Beim US-Zins-Scoring-Modell werden das Wirtschaftswachstum, die Inflation und die Arbeitslosenquote als quantitative Kriterien berücksichtigt, hinzu kommt die politische Unsicherheit als qualitativer Faktor. Ähnlich werden auch die einzelnen Länder bewertet, allerdings spielen hier auch Nachhaltigkeitsindikatoren, etwa der Grad der Korruption, eine Rolle. Länder mit guter Gesamtbewertung werden im Fonds übergewichtet, schlecht bewertete Nationen untergewichtet. Die endgültige Positionierung erfolgt jedoch durch die Horizon-Return-Analyse. Hier fließen die Ergebnisse aus der Länderbewertung, der Zins- und Risikoprämienerwartungen ein. Das Modell ermöglicht Performance-Prognosen für nach Laufzeit, Rating und Land differenzierte Rentengruppen, zum Beispiel für koreanische Anleihen mit BBB-Rating und einer Laufzeit von sieben bis zehn Jahren.

Auf Basis der Positionierung wählt der Fondsmanager dann die einzelnen Unternehmensanleihen aus. Neben den klassischen unternehmens- und anleihespezifischen Faktoren hat er dabei auch Nachhaltigkeitsindikatoren für den jeweiligen Sektor, in dem das Unternehmen aktiv ist, im Blick. Zum Beispiel ist der Carbon Management Score besonders relevant bei Energieunternehmen und Versorgern. Daneben ist die Bewertung der Risikoprämie ein wichtiges Kriterium. Bevorzugt werden Anleihen, die ungerechtfertigt günstig zu haben sind.

Im Rahmen des Risikomanagements wird die Positionierung des Portfolios stetig überwacht und die Einhaltung der zuvor festgelegten Risikobudgets geprüft. Ebenso wird monatlich die Entwicklung der einzelnen Anleihen bewertet. Die Kreditqualität der Papiere im Portfolio reicht von A bis B-. Über die Hälfte des Rentenportfolios war Ende November in Investment-Grade-Anleihen investiert, wobei der Großteil davon in BBB-Anleihen steckt. Der Rest entfällt auf BB- und BRatings. Um das US-Dollar-Risiko müssen sich Anleger nicht kümmern, der Fonds ist auf Euro abgesichert. 

Autor: Sabine Groth, Das Investment
Erscheinungsdatum: 22.03.2019