Der humanoide Roboter Pepper am Prager Flughafen: Der IT-Sektor spielt eine tragende Rolle im Aktienportfolio des ACATIS Aktien Global Fonds. Foto: Tatiana Dyuvbanova Quelle: iStock

Value Investing 2.0

Autor: Sabine Groth, Das Investment

ACATIS-Gründer Hendrik Leber sucht für seinen Flaggschiff-Fonds ACATIS Aktien Global nach den Gewinnern von morgen und schlägt zu, wenn diese günstig zu haben sind.

ACATIS steht für Value Investing. 1994 gründete Hendrik Leber, ein erklärter Anhänger des Value-Urgesteins Warren Buffett, die Vermögensverwaltung in Frankfurt. Seitdem setzt er gezielt auf Unternehmen, deren Firmenwert als stabil und aussichtsreich eingeschätzt wird, die jedoch deutlich unter dem Firmenwert an der Börse gehandelt werden. Das Unternehmen ist bis heute inhabergeführt und in Händen von Leber, der fürs Portfoliomanagement zuständig ist, seiner Frau Claudia Giani-Leber, die sich ums Marketing kümmert, und dem Vertriebsexperten Faik Yargucu. Seit Sommer 2018 hat das Unter- nehmen eine KAGB-Lizenz und kann nun als Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) seine Fonds im eigenen Haus verwalten. ACATIS betreut Kapital in Höhe von rund 5 Milliarden Euro in Mandaten und Fonds im Value-Stil.

Leber ist jedoch nicht nur Anwender wertorientierter Strategien. Er fördert auch den Value-Gedanken mit der jährlichen Ausschreibung des ACATIS-Value-Preises oder durch die regelmäßige ACATIS-Value-Konferenz in Frankfurt. Und er bleibt nicht bei den klassischen Value-Theorien stehen, sondern entwickelt den Gedanken stetig
weiter.

Value Investing 2.0 beherrscht heute die ACATIS-Strategie. Denn Leber ist nicht mehr überzeugt, dass bewährte Unternehmen, deren Aktienkurse gesunken sind, diesen Einbruch zwingend wieder aufholen. Vielmehr gelte es, nach vorn zu schauen. Zukunftsthemen sind bei ACATIS in den Mittelpunkt gerückt. Die technologischen
Fortschritte und eine immer schnellere Adaptionsgeschwindigkeit von Innovationen stellen ganze Branchen auf den Kopf, viele bewährte Geschäftsmodelle werden verschwinden. „Die Entwicklung wird uns in den kommenden Jahren mit Wucht überrollen. Darauf muss man sich einstellen“, sagt Leber.

Sein Interesse an neuen Technologien zeigt sich auch im Fondsangebot. ACATIS bietet mittlerweile mehrere Fonds an, deren Aktienauswahl und Portfoliozusammenstellung auf künstlicher Intelligenz beruhen. Doch auch im Flaggschiff des Hauses spiegelt sich die neue Denkweise wider. Der ACATIS Aktien Global Fonds (ISIN DE DE0009781740)  wurde 1997 aufgelegt und war der erste Fonds der zu der Zeit noch jungen Vermögensverwaltung. Die Anregung, den Fonds zu initiieren, kam von Professor Jörg-Engelbrecht Cramer, damals persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Hauck. Das Finanzinstitut – nach der Fusion Hauck & Aufhäuser – fungiert bis heute als Verwahrstelle für den Fonds.

Auch das Fondsmanagement ist lang bewährt, Firmengründer Hendrik Leber managt den Fonds von jeher selbst. Dieser ist letztlich ein konzentriertes Sammelbecken seiner Ansichten und besten Ideen. Und damit sind Anleger bislang gut gefahren, auch wenn Value-Aktien allgemein seit der Finanzkrise bei Anlegern nicht allzu hoch im Kurs standen. Wer seit Auflegung im Fonds dabei ist, konnte sein Kapital mehr als versechsfachen, was einem jährlichen Zuwachs von knapp 9 Prozent im Jahr entspricht (Stand: 31.Oktober 2018).

Diesen Trend will Leber mit seinem modernen Value-Investing fortsetzen. Günstig einkaufen will er weiterhin, hat aber teilweise andere Geschäftsmodelle als früher im Visier. Sein Ziel ist es, die Gewinner von morgen zu identifizieren. „Wir fragen uns, welche Unternehmen wohl 2025 die Welt dominieren werden“, erläutert Leber. „Die genaue Antwort kennen wir natürlich nicht. Aber wir versuchen, uns entsprechend unserer Annahmen zu positionieren.“

Als interessante Themenfelder erachtet er beispielsweise künstliche Intelligenz, Medizintechnik oder Elektromobilität. Für die klassischen Autohersteller und ihre Zulieferer sieht er hingegen kein großes Potenzial mehr. Den E-Auto-Pioneer Tesla mag er als Investor allerdings auch nicht. Er bevorzugt hier Dyson oder chinesische Anbieter.

Neben den klassischen, bekannten Technologie-Trends hat er jedoch auch weitere Entwicklungen im Blick. Zum Beispiel die Ernährung einer stetig wachsenden Bevölkerung. „Lachsfarmen können helfen, den Proteinbedarf zu decken“, so Leber. Im Portfolio setzt er diese Idee über die norwegische Fischzuchtfirma Salmar um. Auch die Landwirtschaft wird sich seiner Ansicht nach massiv verändern. So hat er zum Beispiel in das US-Unternehmen John Deere investiert, das unter anderem im Bereich Precision Farming aktiv ist.

Leber sucht seine Ideen weltweit und investiert für den ACATIS Aktien Global auch in den Emerging Markets. Etwa die Hälfte des Volumens steckt jedoch in US-Firmen. Auch in Deutschland wird er fündig, zum Beispiel bei Sartorius, Biogen oder Wirecard. Mit seinem globalen Bick auf Zukunftsthemen und seiner Vorliebe für Unterbewertungen sollte sich der Fonds auch künftig als solides Basisinvestment erweisen. 

Autor: Sabine Groth, Das Investment
Erscheinungsdatum: 25.03.2019